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Wassermangel ist Mangel an Wassermanagement

19.01.2010 - (idw) Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Zur Grünen Woche erörterten Experten auf dem IAMO-Symposium die Auswirkungen von Klimawandel und Bevölkerungswachstum auf die Landwirtschaft Im Rahmen des vom BMELV zur Internationalen Grünen Woche 2010 ausgerichteten Forum for Food and Agriculture veranstaltete das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) am Freitag, dem 15.01., das Symposium "Klima - Wasser - Landwirtschaft". Erörtert wurde die Frage, welche Auswirkungen Klimawandel und Bevölkerungswachstum auf die globalen Wasserressourcen haben und was dies für die Landwirtschaft und die weltweite Ernährungssicherung bedeutet.

TREIBHAUSGASREDUKTION ALS SOZIALES DILEMMA BEGREIFEN
Nach einem Grußwort von Astrid Jakobs de Pádua, Leiterin des Referats Internationale Organisationen, Welternährung und Nachhaltige Entwicklung des BMELV, führte Dr. Insa Theesfeld in das Thema ein. Die IAMO-Wissenschaftlerin, die sich schwerpunktmäßig mit Institutionenökonomie und natürlichem Ressourcenmanagement beschäftigt, erläuterte, dass 70% der Süßwasserressourcen der Erde von der Landwirtschaft genutzt werden, aber regional große Unterscheide zu verzeichnen sind. So liegt der Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch in Deutschland lediglich bei 4%. Das Verhältnis von Klima, Wasser und Landwirtschaft müsse man sich als komplexes Beziehungsgefüge vorstellen. Unter Berufung auf die Thesen der Wirtschaftsnobelpreisträgerin von 2009, Prof. Elinor Ostrom, argumentierte Theesfeld, dass die Schaffung des globalen öffentlichen Gutes "weniger Treibhausgase in der Atmosphäre" ein soziales Dilemma sei. Ein polyzentrischer Ansatz, also ein vielschichtiges System von Koordinationsmechanismen und selbstverantwortlichen Organisationsformen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene, sei notwendig, um dieses Ziel umzusetzen.

KLIMAWANDEL BEDEUTET TEMPERATURANSTIEG UND NIEDERSCHLAGSVERÄNDERUNGEN
Dr. Hermann Lotze-Campen, Leiter der Arbeitsgruppe Landnutzungswandel im Forschungsbereich Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wies darauf hin, dass Wassermangel oftmals ein Managementproblem sei. Durch den Klimawandel würden die bereits bestehenden Probleme zusätzlich verschärft. Er erläuterte, dass im Gegensatz zum Temperaturanstieg, der als Folge der Klimaveränderungen überall auf der Welt zu verzeichnen ist, Vorhersagen wie die klimatischen Veränderungen die Niederschläge beeinflussen werden erheblich variieren. Diese Veränderungen sind derzeit nicht genau prognostizierbar bzw. kämen unterschiedliche Experten, die mit unterschiedlichen Modellen rechneten zu ganz verschiedenen Prognosen. Zwei Dinge sind jedoch sicher, die Folgen sind weltweit nicht gleich wie bei den Temperaturveränderungen, sondern regional unterschiedlich. Weiterhin ist zu erwarten, dass vor allem Extremereignisse wie Dürren und Überflutungen zunehmen.

GRUNDWASSERSPEICHER OPTIMALER NUTZEN
Auch aus Sicht von Dr. Wilhelm Struckmeier, Direktor und Professor an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, ist Wasserknappheit oftmals kein physikalisches Problem, sondern ein Managementproblem. Der Hydrogeologe plädierte dafür, vor allem die Grundwasserspeicher optimaler zu bewirtschaften. Gelänge es beispielsweise Oberflächenwasser wie Regen im Grundwasser zu speichern, könne dies in Trockenzeiten für die Wasserversorgung zur Verfügung stehen. Wie bedeutsam Grundwasser auch in Deutschland ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Drei Viertel des Trinkwassers stammen hierzulande aus Grundwasser.

INDIGENES WISSEN WIRD UNZUVERLÄSSIGER
Eine der Auswirkungen, die der Klimawandel auf Kleinbauern in Kenia und andere afrikanische Staaten hat, beschrieb Dr. Chinwe Ifejika Speranza, Geographin und Spezialistin für Geographische Informationssysteme am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Kleinbauern müssen zunehmend feststellen, dass ihr indigenes Wissen über Natur- und Wetterereignisse immer unzuverlässiger werde. Das Blühen einer bestimmten Pflanze, jahrhundertelang ein Indiz dafür, dass in der nächsten Zeit mit Regen zu rechnen ist und also mit der Aussaat begonnen werden kann, erwiesen sich zunehmend als trügerisch. Hinzu käme, dass viele nationale afrikanische Regierungen ihre Kleinbauern nicht unterstützten. Es fehle an Beratungsangeboten, an Daten von Wetterinformationsdiensten und an finanziellen Ressourcen. Hitzebeständiges und dürreunempfindliches Saatgut, das gleichzeitig auch mit temporärer Überflutung zurechtkomme, sei bereits entwickelt, so Ifejika Speranza, aber für die Kleinbauern in Afrika, einfach nicht bezahlbar.

WASSER ALLEIN HILFT NICHT
Dr. Elisabeth van den Akker, Seniorfachplanerin zum Thema "Wasser in der Landwirtschaft" bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, betonte, dass über den Klimaaspekt hinaus auch die ökonomischen Zusammenhänge betrachtet werden müssen. Selbst wenn Kleinbauern ihre Produkte durch künstliche Bewässerung erzeugen könnten, was sie genauso bräuchten, sei ein Markt für ihre Produkte. In Mali beispielsweise wurden Flächen zur Bewirtschaftung eingerichtet. Fast die Hälfte davon liege aber weiterhin brach und werde nicht von Kleinbauern genutzt, da es sich für sie einfach nicht rechne; sie keine Absatzmärkte für ihre Produkte haben. Van den Akker unterstrich darüber hinaus die Notwendigkeit, für Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen und Zugangsrechte zu Land und damit auch zu Wasser zu gewährleisten.

AUCH OHNE KLIMAWANDEL: WASSERRESSOURCEN WERDEN KNAPPER
Um den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln und Energie einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern, benötige die Landwirtschaft in Zukunft mehr Wasser als bisher. Selbst wenn man den Klimawandel außen vor lässt, die Wasserressourcen für die Landwirtschaft werden knapper. Trotzdem, von einem "global doom" wollten die Experten auf dem IAMO-Symposium nicht sprechen. Es gäbe eine Vielzahl von Anpassungsoptionen wie den Import virtuellen Wassers, die Anwendung moderner Bewässerungstechnologien, Abwasserrecycling oder handelbare Wassernutzungsrechte. Worüber man sich als Verbraucher in Deutschland allerdings bewusst sein sollte: Erdbeeren können im Winter nicht unter umweltverträglichen Bedingungen produziert werden. Für die Produktion von Nahrungsmitteln sind erhebliche Mengen an Wasser notwendig. So verbraucht jeder Deutsche täglich zwar nur zwei bis fünf Liter Trinkwasser und einhundert bis zweihundert Liter Brauchwasser, aber dafür sind mehrere tausend Liter Wasser nötig, um zu produzieren, was täglich in Form von Nahrungsmitteln konsumiert wird. Für die Erzeugung einer Kilokalorie braucht es einen Liter Wasser, so Catrin Hahn, Redakteurin der Neuen Landwirtschaft, in ihrer Schlussmoderation des Symposiums.


Weitere Informationen:
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Britta Paasche M.A.
Tel. 0345 - 2928 330 | paasche@iamo.de

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