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Was macht Bücher erfolgreich?

01.02.2010 - (idw) VolkswagenStiftung

Literaturwissenschaftliches Promotionskolleg vor gelungenem Abschluss - Fachtagung vom 5. bis 7. Februar an der Universität Göttingen So manchem Schriftsteller mag der Angstschweiß auf die Stirn getreten sein, wenn das eigene Werk zum Gegenstand der illustren Kritikerrunde des legendären Literarischen Quartetts wurde. Katastrophaler Verriss oder Ritterschlag? Vor allem das Votum von Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki konnte darüber entscheiden, ob ein Buch den Sprung in die Bestsellerliste schaffte oder auf den Verkaufstischen verstaubte. Im Jahr 2001 brachte Reich-Ranicki seinen "Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke" auf den Markt: Eine Zusammenstellung zahlreicher Bücher, die seiner Ansicht nach herausgehobenen Wert haben.

Welche Merkmale machen ein Buch zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Kulturguts? Setzt sich qualitativ hochwertige Literatur ganz "automatisch" im Bücherwald durch oder hängt der Erfolg einer schriftstellerischen Leistung eher vom Zeitgeist und dem Einfluss diverser Akteure ab? Seit Oktober 2006 stehen solche Fragen im Mittelpunkt des Promotionskollegs "Wertung und Kanon. Theorie und Praxis der Literaturvermittlung in der nachbürgerlichen Wissensgesellschaft". Die VolkswagenStiftung förderte das am Zentrum für Theorie und Methodik der Kulturwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen angesiedelte Vorhaben mit 949.400 Euro: überzeugt von dem Modellcharakter des Kollegs, das in der geisteswissenschaftlichen Graduiertenförderung völlig neue Wege eingeschlagen hat, etwa durch seinen starken Praxisbezug. Die zwölf Doktorandinnen und Doktoranden der Literaturwissenschaften konnten hautnah erleben, wie Literatur gemacht wird, berufspraktische Komponenten im Verlagswesen waren integraler Bestandteil des Kollegs.

Der hohe Anteil von Volontariaten und Praktika ermöglichte den Kollegiaten unmittelbare Einblicke auch in die Auswahl- und Wertungspraxis großer Verlagshäuser - Erkenntnisse, die für manche Doktorarbeit wertvollen Stoff lieferten. Zum Beispiel konnte eine Kollegiatin direkt vor Ort in Edinburgh verfolgen, wie schottische Verlagshäuser mit der gezielten Auswahl eingereichter Manuskripte versuchen, eine nationale Literaturidentität zu schaffen.

Die praktische Erfahrung eröffnet auch Wettbewerbsvorteile und Berufsperspektiven. "In Zeiten, in denen die Grenzen zwischen Kulturbetrieb und Wissenschaft verschwimmen, sind ganz besonders 'Multitasker' wie wir gefragt, die Kenntnisse aus beiden Welten mitbringen", berichtet eine Kollegiatin. Zudem ermöglicht der Kontakt zu Verlagshäusern auch ganz konkrete Chancen: "Viele der von mir betreuten Doktorandinnen und Doktoranden haben durch die praktischen Anteile schon Jobangebote von Verlagen bekommen oder bereits kleinere Aufträge nebenher erfüllt. Wir sind zuversichtlich, dass sich durch die neu geknüpften Kontakte gute berufliche Zukunftsperspektiven für die jungen Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ergeben", unterstreicht Koordinator Dr. Matthias Beilein von der Universität Göttingen den Erfolg des Kollegs.

Nach gut drei Jahren der Förderung neigt sich das Pilotprojekt dem Ende zu. "Alle Kollegiaten liegen absolut im Zeitplan und werden ihre Promotionsschrift im Laufe des Jahres fertig stellen und einreichen, der größte Teil schon im Frühjahr", freut sich Beilein.

Das Promotionskolleg veranstaltet nun eine internationale Fachtagung, auf der die zentralen Themen des Projekts mit wissenschaftlichen Experten diskutiert werden. Die Tagung ist öffentlich, Interessierte sowie Journalistinnen und Journalisten sind herzlich dazu eingeladen. Das Symposium "Wertung, Kanon und die Vermittlung von Literatur in der Wissensgesellschaft" findet vom 5. bis 7. Februar 2010 im Roten Saal des Lichtenberg-Kollegs in der Historischen Sternwarte der Universität Göttingen statt. In drei thematischen Sektionen soll das Thema Kanonbildung von verschiedenen Seiten beleuchtet werden.

Sektion I: Textuelle und/oder soziale Grundlagen der Kanonbildung?

Diese Sektion nimmt die beiden Extreme auf, zwischen denen die Erklärungsmodelle für Kanonbildungsprozesse in der Regel liegen. Erstens: Literarische Qualität ist "zeitlos" und setzt sich früher oder später immer durch. Und zweitens: Der Literaturkanon hängt vor allem von gesellschaftlichen und politischen Faktoren ab.

Sektion II: Kanon in Institutionen

Der Komplex geht der Frage nach, welchen Stellenwert literarische Kanones heute für Institutionen haben, die sich vorrangig der Vermittlung und Verbreitung von Literatur widmen.

Sektion III: Markt, Medien und Communities

Hier stehen Werbeformen und Marketingstrategien für den kommerziellen Vertrieb von Literatur im Mittelpunkt. Zudem wird die Frage diskutiert, wie sich in diesem Zusammenhang das Marktverhalten der Autoren entwickelt hat.

Lesen Sie dazu auch die Pressemitteilung der Universität Göttingen unter http://www.uni-goettingen.de.

Kontakt

VolkswagenStiftung

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: presse@volkswagenstiftung.de

Förderung
Dr. Vera Szöllösi-Brenig
Telefon: 0511 8381 - 218
E-Mail: szoelloesi@volkswagenstiftung.de

Kontakt Kolleg/Tagung

Dr. Matthias Beilein
Universität Göttingen
Seminar für Deutsche Philologie
Jacob-Grimm-Haus
Käte-Hamburger-Weg
337073 Göttingen
Telefon: 0551 39 - 10346
E-Mail: matthias.beilein@phil.uni-goettingen.de

Termin und Tagungsort

5. bis 7. Februar 2010

Roter Saal des Lichtenberg-Kollegs
Historische Sternwarte der Universität Göttingen
Geismar Landstr. 11
37083 Göttingen

Weitere Informationen und Tagungsprogramm unter

http://www.uni-goettingen.de/de/114303.html.

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20100201.

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