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Wie rechtes Gedankengut in die politische Diskussion gelangt

25.06.2003 - (idw) Universität Hannover

Germanist der Universität Hannover forscht über die Sprache rechter Gewalt im Internet

"Ich wollte für meine Habilitation etwas mit gesellschaftlicher Relevanz machen", mit diesen Worten erklärt Dr. Michael Tewes, wie er zu dem Thema "Die Sprache der rechten Gewalt" kam. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen rechtsextremem Sprachegebrauch und rechtsextremer Gewalt, sie haben gezeigt, das gewalttätige Sprach- und Denkmuster dazu geeignet sind, zu Tätlichkeiten anzustacheln. Tewes, der in katholischer Theologie promovierte, und sich jetzt am Seminar für deutsche Literatur und Sprache habilitieren will, versucht, dieser Szene sprachwissenschaftlich auf die Spur zu kommen - im Internet.

Das wichtigste Medium der Rechtsextremen ist das Internet, denn es hat eine Reihe von Eigenschaften, die den Strukturen und Zielen der rechtextremistischen Gruppen sehr entgegenkommen. Es kann beinah überall auf der Welt benutzt werden, nicht nur zum Bereitstellen, sondern auch zum Abrufen oder Austauschen von Informationen. Eine Informationsvernetzung, wie sie die verstreuten rechtsextremen Gruppen benötigen, kann so jederzeit stattfinden. Auch für die Selbstdarstellung gegenüber den anvisierten Zielgruppen - junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder - findet die Szene über das Internet am effizientesten Zugang. "Rechtsextreme Argumentationen finden sich am deutlichsten in der Musik wieder. Dabei ist es egal, ob Techno, Skinhead oder Metall gespielt wird, die Texte sind das Entscheidende, in ihnen wird die rechte Gesinnung gelebt und weitergegeben. Musikdateien gibt es beinahe auf jeder rechtsextremen Website zum Downloaden", erläutert Tewes die Zusammenhänge.

Eine Analyse der Sprach- und Argumentationsmuster etwa in Chaträumen wird ein Hauptteil der Forschungsarbeit sein. "Rechtsextreme haben nicht mehr so platte Parolen wie in den Achtzigern, sondern argumentieren zum Beispiel pro-palästinensisch anstelle von antisemitisch", erklärt Tewes die wiederkehrenden Muster. So werden politische Konzepte umgedeutet: Entwicklungshilfe wird in der rechtsextremen Argumentation positiv bewertet, doch nicht aus humanitären Gründen: Potenzielle Flüchtlinge sollen in ihren eigenen Ländern bleiben, und nicht nach Deutschland kommen. Rechtsextreme Argumentationen finden immer wieder ihren Weg in die politische Diskussion der Gesellschaft. So wurde das Stichwort "Leitkultur", lange bevor es von den etablierten Parteien diskutiert wurde, in rechtsextremen Kreisen thematisiert. Wie und durch welche Kanäle diese Argumente in die politische Diskussion gelangen, will Tewes darstellen. Das Forschungsvorhaben hat die Unterstützung des Bundeskriminalamtes und des Verfassungsschutzes. Tewes greift nicht nur auf deren Kriminalstatistiken zurück, sondern kann auch von den Kenntnissen der Beamten über die rechtsradikale Szene und ihre Strukturen profitieren. Er rechnet bis Ende 2004 mit Ergebnissen, die er dort vortragen wird - und das soll erst der Anfang sein: "Ich möchte die Resultate der Arbeit auch für die politische Bildung nutzbar machen, denn erst wenn verstanden wird, wie rechtes Gedankengut in die politische Diskussion gelangt, kann man als Gesellschaft darauf reagieren", erklärt er.

Hinweis an die Redaktion:
Für nähere Informationen steht Ihnen Dr. Michael Tewes vom Seminar für Deutsche Literatur und Sprache der Universität Hannover unter 0163-3346916 gern zur Verfügung.
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