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Wiley Prize für Georg Nagel

09.02.2010 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Georg Nagel, Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik an der Universität Würzburg, erhält den Wiley Prize in Biomedical Sciences. Ausgezeichnet werden er und zwei weitere deutsche Forscher für ihre Entdeckung von lichtaktivierbaren Ionenkanälen. Der mit 35.000 US-Dollar dotierte Preis wird am 9. April in New York City überreicht. Ionenkanäle sind die Schleusenwärter allen Lebens. Sie bilden Tunnel durch Zellwände und ermöglichen es elektrisch geladenen Teilchen, den so genannten Ionen, diese Biomembranen zu durchqueren. Sie sind, im Zusammenspiel mit anderen Transportproteinen, von universeller Bedeutung für Transportprozesse über die Membransysteme der Zelle hinweg. So regeln sie beispielsweise die Aufnahme und Ausscheidung von Stoffen, den Säure-Basen-Haushalt sowie die Erregungsleitung in Nerven.

Eine besondere Form eines Ionenkanals haben drei deutsche Wissenschaftler entdeckt: Ernst Bamberg, Professor und Direktor der Abteilung für Biophysikalische Chemie am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main, Peter Hegemann, Professor für Molekulare Biophysik an der Humboldt-Universität in Berlin, und Georg Nagel, Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie am Lehrstuhl für Botanik der Universität Würzburg.

Ionenkanäle, die auf Licht reagieren

"Hegemann, Nagel und Bamberg erhalten den Wiley Prize für ihre Entdeckung eines lichtaktivierbaren Ionenkanals", begründete die Jury des Wiley Prize die Entscheidung. Mit ihren Arbeiten haben sie "die Untersuchung von Netzwerken im Gehirn revolutioniert."

Channelrhodopsine: So lautet der Fachausdruck dieser Familie von lichtaktivierbaren Ionenkanälen. Die Proteine stammen aus einer einzelligen grünen Alge; dort spielen sie eine wichtige Rolle, wenn sich die Alge zum Licht hin oder davon weg bewegt. Channelrhodopsine können jedoch auch in andere erregbare Zellen, beispielsweise in Nervenzellen, eingebaut werden. Dort ermöglichen sie es Wissenschaftlern, neuronale Netzwerke in Zellkulturen sowie in lebenden Tieren unter Verwendung von Lichtstimulation mit bisher unbekannter zeitlicher und räumlicher Auflösung zu erforschen.

Channelrhodopsine bieten auch ein großes Potenzial im Bereich biomedizinischer Anwendungen wie beispielsweise bei der Wiederherstellung der Sehfunktion und der optischen Tiefenhirnstimulation zur Behandlung von Parkinson und anderen Krankheiten, wie es in der Mitteilung zur Preisverleihung heißt.

Zur Person Georg Nagels

Georg Nagel wurde 1953 in Weingarten (Württemberg) geboren. Nach dem Studium der Biologie in Konstanz und dem Promotionsstudium am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt/Main ging er als Postdoc an die Yale University, New Haven, und die Rockefeller University, New York (USA). Von 1992 bis 2004 war Nagel Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biophysik; seit Dezember 2004 ist er Professor am Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik der Universität Würzburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Photorezeptoren, molekulare Mechanismen der Photoaktivierung und die Licht-Aktivierung von Zellen, Tieren oder Pflanzen.

Der Wiley Prize

Mit dem Wiley Prize in Biomedical Sciences werden Beiträge gewürdigt, die "neue Forschungsfelder eröffnet oder neue Konzepte oder deren Anwendungen in einer speziellen biomedizinischen Disziplin vorangebracht haben", heißt es in der Pressemitteilung zur Preisverleihung. Ausgezeichnet werden Beiträge, "die für Innovation stehen und eine Vorreiterrolle einnehmen". In der Jury sitzen unter anderen Günter Blobel, Professor für Zellbiologie an der Rockefeller University und Medizin-Nobelpreisträger von 1999, sowie Robert Horvitz, Biologe am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) und Nobelpreisträger für Medizin im Jahr 2002.

Über Wiley

Den Preis ins Leben gerufen hat der John Wiley & Sons-Verlag, der Zeitschriften, Nachschlagewerke, Bücher sowie Onlineprodukte in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Medizin und Lehre publiziert. Die Wiley-Stiftung wie auch der Wiley Prize in Biomedical Sciences wurden 2001 als Anerkennung für wissenschaftliche Leistungen, die mit dem Erfolg des Unternehmens in Verbindung stehen, ins Leben gerufen. Mit diesem Preis will Wiley Spitzenleistungen in der wissenschaftlichen Forschung würdigen und fördern. Er ist mit 35.000 US-Dollar dotiert. Die diesjährige Preisverleihung findet am 9. April in New York City statt.


Kontakt: Prof. Dr. Georg Nagel, T: (0931) 31 86143, nagel@botanik.uni-wuerzburg.de

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