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Dissertation über afrikanisch-französischen Kulturtransfer: Georg-Forster-Preis für "Schwarz hat so viele Farben15.02.2010 - (idw) Universität Kassel
Kassel. Surrealisten sahen in ihnen etwas Authentisches, Ursprüngliches, in Frankreich wurden sie jedoch noch oft als primitiv und unbedarft dargestellt: die Menschen vom "schwarzen Kontinent". Für ihre herausragende Dissertation "'Schwarz hat so viele Farben'. Afrikanisch-französischer Kulturtransfer im frühen 20. Jahrhundert" wird Dr. Simone Ott in diesem Jahr mit dem Georg-Forster-Preis des Kasseler Hochschulbundes ausgezeichnet.
Der Kasseler Hochschulbund hat den mit 3100 Euro dotierten Georg-Forster-Preis für herausragende wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen an der Universität Kassel gestiftet. Er wird alle zwei Jahre für eine Promotion, Habilitation bzw. eine wissenschaftliche oder künstlerische Arbeit gleichen Ranges verliehen, die nicht nur fachwissenschaftlich exzellent ist, sondern, im Sinne des Namenspatrons Georg Forster, auch über den Horizont des eigenen Faches hinaussieht.
Der Preis wird im Rahmen des Universitätstages am 12. Februar verliehen. Simone Ott (Jahrgang 1980) promovierte von 2004 bis 2008 am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften, Institut für Romanistik, der Universität Kassel.
Otts Arbeit könne als wichtiger Beitrag zur Vorgeschichte und historischen Vertiefung aktueller Debatten über den Umgang mit Migranten und ihrer Kultur gelesen werden, so Prof. Dr. Franziska Sick (Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften, Institut für Romanistik) in ihrer Laudatio. Vor allem in ihrer disziplinären und thematischen Breite entspräche Otts Studie zum afrikanisch-französischen Kulturtransfer im frühen 20. Jahrhundert den Kriterien des Georg-Forster-Preises.
Nachdem Frankreich seine Armee im Ersten Weltkrieg durch Streitkräfte aus den Kolonien verstärkt hatte, konnte es die Menschen vom "Schwarzen Kontinent" nicht länger als "primitiv" und "unzivilisiert" aus der eigenen Kultur ausschließen. Gleichwohl wurden die "Neger" in den Massenmedien wie Postkarte, Plakat, Fotografie und Film als große, naive, mitunter einfältige Kinder dargestellt, deren Erziehung noch nicht abgeschlossen war. Die intellektuelle und künstlerische Avantgarde insbesondere die Surrealisten urteilte anders. Gestützt auf neue Erkenntnisse aus Ethnologie und Psychoanalyse sahen sie im Primitiven etwas Ursprüngliches und Authentisches, das die Chance zur Selbstfindung und zur Neubestimmung des Menschen bot.
Überzeugend habe Ott dargelegt, wie sich kolonialistischer und avantgardistischer Diskurs in der Auseinandersetzung um das "Primitive" verschränkten und überlagerten. Ott zeigt diese Verflechtungen detailreich und in vielfachen Brechungen in ihrer kulturhistorisch und disziplinär breit angelegten Arbeit auf. Dabei reflektiert sie die neuesten Wissensbestände aus Geschichte, Politik, Literatur, bildender Kunst und Kulturtheorie. Deutlich werde, so Sick, dass das Fremde und vermeintlich Primitive der Kunst und Kultur des alten Europa neue, wegweisende Impulse gegeben habe.
ag/dm
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Info
Dr. Simone Ott über
Prof. Dr. Franziska Sick
tel: (0561) 804 3362
fax: (0561) 804 2069
e-mail: fsick@uni-kassel.de
Universität Kassel
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Georg-Forster-Straße 3
34127 Kassel
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