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Thüringer auf die Professur für Hämatologie und Onkologie berufen

24.02.2010 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Neu am UKJ: Leukämiespezialist Professor Andreas Hochhaus (Jena) Prof. Dr. Andreas Hochhaus hat den Ruf auf die Professur für Allgemeine Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena angenommen. Schon seit dem Sommer 2009 leitet der Leukämie-Spezialist die Abteilung Hämatologie und Onkologie der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Jena (UKJ). Andreas Hochhaus über seinen nun offiziellen Start in Jena: "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit im Klinikum und mit den Thüringer Fachkollegen. Wieder in Thüringen zu sein, ist für mich ein besonderes Glück."

Der gebürtige Mühlhäuser studierte in Leipzig und Erfurt, wo er auch seine Facharztausbildung für Innere Medizin absolvierte. Danach arbeitete er am Klinikum Mannheim der Universität Heidelberg und forschte in London mit einem Stipendium der Mildred-Scheel-Stiftung. Zuletzt hatte er eine José-Carreras-Stiftungsprofessur für Leukämieforschung an der Universität Heidelberg inne und führte kommissarisch die III. Medizinische Klinik der Universitätsmedizin in Mannheim. Hier leitete der Internist, der auch im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Innere Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft mitarbeitet, acht Jahre lang das Onkologische Zentrum. Mit dem 50-jährigen Mediziner kamen sechs Mitarbeiter von Mannheim nach Jena, sie alle wurden rasch in das Team der Abteilung integriert und fühlen sich in Jena sehr wohl.

Der Arbeitsschwerpunkt von Professor Hochhaus ist die chronisch-myeloische Leukämie (CML), die zweithäufigste Form chronischer Leukämien. Bei dieser durch eine genetische Störung verursachten Erkrankung des blutbildenden Systems kommt es zu einer starken Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Heilbar ist die auch als Blutkrebs bezeichnete Erkrankung nur durch eine Stammzelltransplantation, die aber wegen ihrer Risiken oder des Fehlens passender Spender nicht immer durchgeführt werden kann. Inzwischen stehen jedoch Wirkstoffe zur Verfügung, die die Aktivität des krebsauslösenden Gens hemmen. "Mit diesen Medikamenten, die allerdings dann lebenslang genommen werden müssen, ist die Erkrankung gut behandelbar", so Hochhaus.

UKJ ist Mitglied im Europäischen Leukämie-Netz

An der klinischen Testung dieser Leukämiewirkstoffe hat Andreas Hochhaus großen Anteil: Zusammen mit Fachkollegen war er in Mannheim seit den 90er Jahren am Aufbau eines Netzes deutscher Studienzentren beteiligt, in denen neu entwickelte Leukämiewirkstoffe erstmals klinisch getestet wurden. Im 6. Forschungsrahmenprogramm der EU wurde das European LeukemiaNet etabliert. Auf Initiative von Professor Hochhaus wurde jetzt auch das Universitätsklinikum Jena in dieses Netz aufgenommen. "Die Vernetzung der klinischen Zentren ist die Grundlage für große Studien zu neuen Wirkstoffen, Wirkstoffkombinationen oder Dosierungen - nur so erhalten wir fundierte Daten, wie die Behandlung optimiert werden kann," erklärt Hochhaus.

Studie im "Journal of Clinical Oncology"

Eine solche mögliche Therapieverbesserung beschreibt er in einer kürzlich veröffentlichten Studie im renommierten "Journal of Clinical Oncology". Gemeinsam mit Krebsforschern aus Marburg und Mannheim behandelte er CML-Patienten mit dem Standardmedikament Imatinib, das bei den Krebszellen einen kontrollierten Zelltod auslöst, und zusätzlich mit Interferon alpha. Dieser Wirkstoff aktiviert das Immunsystem, so dass es die Imatinib-resistenten Leukämiezellen in Schach halten kann.

Nach der anfänglichen Kombinationstherapie erhielten die Patienten nur noch Interferon alpha, drei Viertel von ihnen blieben im Zeitraum von bis zu vier Jahren gesund. Den Studienteilnehmern, die einen Rückfall erlitten, half schnell die erneute Imatinib-Behandlung. "Die Studie zeigt eine Möglichkeit, die CML-Medikamente zumindest zeitweise absetzen zu können", hebt Hochhaus den Erfolg hervor, "denn die langfristige Einnahme erhöht das Risiko, dass Krebszellen gegen die Wirkstoffe resistent werden."

Konsultationszentrum CML

Deshalb werden die genetischen Ursachen und die Therapie von CML auch weiterhin Forschungsthema sein. "Ich möchte Jena als Konsultations- und Forschungszentrum für CML etablieren mit dem Ziel, die neuesten Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis zu überführen", so Hochhaus. An demnächst startenden großen klinischen Studien wird sich Jena als Studienzentrum beteiligen. In den Wissenschaftlern im Zentrum für Molekulare Biomedizin auf dem Beutenberg sowie den Humangenetikern und Labormedizinern des Klinikum sieht der Hämatologe wichtige Partner für die Grundlagenforschung.

Die fundierte und praxisnahe Ausbildung der Studierenden ist dem onkologischen Internisten, der das Fach in der gesamten Breite vertritt, ein besonderes Anliegen: "Wissen über Fakten und Zusammenhänge, klinische Fertigkeiten und wissenschaftliche Neugier - das müssen wir den künftigen Ärzten vermitteln und ihnen die Liebe zum Arztberuf vorleben", so Andreas Hochhaus.

Prof. Dr. Klaus Höffken, Medizinischer Vorstand des UKJ, begrüßt seinen Fachkollegen und Nachfolger auf dem Lehrstuhl: "Wir freuen uns, dass wir mit Professor Hochhaus einen renommierten Leukämieforscher, einen insbesondere auch in der Therapie von Organkrebsen erfahrenen leitenden Arzt und einen beliebten Hochschullehrer für das Universitätsklinikum Jena gewinnen konnten."


Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Hochhaus
Hämatologie/Onkologie, Klinik für Innere Medizin II, UKJ
Tel.: 03641/93242 00
E-Mail: andreas.hochhaus[at]med.uni-jena.de

Literatur:
Sustained Molecular Response with Interferon alpha (IFN) Maintenance after Induction Therapy with Imatinib plus IFN in Patients with Chronic Myeloid Leukemia, Journal of Clinical Oncology, 8. Februar 2010, doi:10.1200/JCO.2009.25.5075

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