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Imamausbildung in Deutschland

26.02.2010 - (idw) Universität Osnabrück

Niedersachsen ist Vorreiter - Internationale Tagung an der Universität Osnabrück - Eröffnung mit dem Niedersächsischen Innenminister Schünemann Imame und islamische Religionslehrer sollen künftig an deutschen Universitäten ausgebildet werden, so die Empfehlung des Wissenschaftsrates. Niedersachsen hat bereits frühzeitig als erstes Bundesland diesen Weg eingeschlagen. An der Universität Osnabrück startet zum Wintersemester 2010 das erste universitäre Weiterbildungsprogramm für Imame in deutscher Sprache. Auch möchte die Hochschule eines der vom Wissenschaftsrat empfohlenen "Institute für Islamische Studien" einrichten. "Angesichts von vier Millionen Muslimen in Deutschland kommt der Osnabrücker Initiative eine enorme integrationspolitische Bedeutung zu", so der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, der am Donnerstag (25. Februar) eine internationale Tagung zur "Imamausbildung in Deutschland" in Osnabrück eröffnete. "Wir freuen uns, dass die Universität Osnabrück hier eine Vorreiterrolle einnimmt."

Vorgesehen ist, ab Herbst an der Universität Osnabrück eine berufsbegleitende Weiterbildung für Imame anzubieten, die drei Schwerpunkte umfasst. "Zunächst geht es um ausreichende Deutschkenntnisse, damit die Imame sich ohne Schwierigkeiten verständigen und auch theologische Inhalte in Deutsch wiedergeben können", so Dr. Bülent Ucar, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück. Auch vermittelt die einjährige Fortbildung Informationen über Geschichte, Politik, Recht und Gesellschaft. "Gerade die dritte Generation muslimischer Migranten wünscht sich Hilfe von Imamen bei der Lösung von Alltagsproblemen", erläutert der Religionspädagoge. In einem dritten Schwerpunkt werden pädagogische Kenntnisse für die Gemeindearbeit und den interreligiösen Dialog vermittelt. An der Ausarbeitung des Fortbildungsprogramms unter Federführung des Innenministeriums sind das Kultus- und das Wissenschafts-ministerium, das Bundesamt für Migrations und Flüchtlinge (BAMF), die Universität Osnabrück sowie weitere Wissenschaftler beteiligt. Auch mit den islamischen Verbänden wird ein intensiver Dialog geführt.

"Unser Ziel ist es, neben der Katholischen und Evangelischen Theologie eine nach europäischen Maßstäben konzipierte Islamische Theologie an der Universität Osnabrück zu etablieren, die sich den Menschenrechten und der Demokratie verpflichtet fühlt", so Ucar. Für die Ansiedlung eines "Instituts für Islamische Theologie" hat die Hochschule bereits erhebliche Vorarbeiten geleistet.

2003 startete unter Osnabrücker Federführung ein einzigartiges Bund-Länder-Modellprojekt zum islamischen Religionsunterricht. Seit dem Wintersemester 2007/2008 werden im Master-Studiengang islamische Religionspädagogen für Grund-, Haupt- und Realschulen ausgebildet. Das Weiterbildungsprogramm für Imame ab Herbst 2010 ist ein weiteres Profilelement der Hochschulentwicklungsplanung. Das 2009 gegründete Zentrum für Interkulturelle Islam-Studien gewährleistet die interdisziplinäre Vernetzung des Faches und regt Forschungen zur Islamischen Religionspädagogik, Geschichte und Gegenwart des Islams und pluralen Religionskultur an.

Dem Beirat des Zentrums gehören neben Wissenschaftlern der Universität auch Vertreter von muslimischen Verbänden, des Wissenschafts- und Kultusministeriums an. "Die Erweiterung um ein Institut für Islamische Theologie mit mehreren Professuren würde nicht nur der künftigen Imamausbildung zugute kommen sondern auch die christlichen Theologien durch interreligiös und interkulturell vernetzte Forschung vorantreiben, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke. "Die Universität ist für die Etablierung dieses Instituts ausgezeichnet vorbereitet."

Die internationale Tagung "Imamausbildung in Deutschland", zu der mehr als 60 Theologen, Islamwissenschaftler, Pädagogen, Juristen und Sozialwissenschaftler aus dem In- und Ausland erwartet werden, beschäftigt sich mit der Rolle der muslimischen Geistlichen bei der religiösen und kulturellen Erziehung von Kindern und Jugendlichen sowie allgemein mit der Integration der Muslime in Deutschland. Dabei kommen in mehreren Vorträgen die rechtlichen, politischen und soziologischen Rahmenbedingungen zur Sprache. Ebenso wird die Imamausbildung im europäischen Kontext betrachtet. In Arbeitsgruppen geht es um "Inhalte und Voraussetzungen der Imamausbildung" sowie das "Berufsbild Imam".

An der Abschlussdiskussion am Samstag, 27. Februar von 12.30 bis 14 Uhr (Neues Hörsaalzentrum, Kolpingstraße 7) werden neben dem Nds. Minister für Inneres, Sport und Integration, Uwe Schünemann (CDU), auch Hans-Michael Goldmann (MdB, FDP), Dr. Dieter Wiefelspütz (MdB, SPD), Prof. Dr. Bülent Ucar (Universität Osnabrück), Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime in Deutschland) und Prof. Dr. Müfit Bahadir (TU Braunschweig) teilnehmen. Die Diskussionsleitung hat die Islamwissenschaftlerin Dr. Marfa Heimbach.

Veranstalter des Kongresses sind das Zentrum für Interkulturelle Islamstudien sowie die Professur für Islamische Religionspädagogik der Universität Osnabrück in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Integration. Weitere Informationen: www.irp.uni-osnabrueck.de.


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Ansprechpartner für die Medien:
Dr. Utz Lederbogen,
Pressesprecher der Universität Osnabrück,
Neuer Graben / Schloss,
49069 Osnabrück,
Tel. +49 541 969 4370,
E-Mail: utz.lederbogen@uni-osnabrueck.de
Weitere Informationen: http://www.irp.uni-osnabrueck.de
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