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Universalismus aus Afrika - Afrikanische Philosophie heute am Zentrum Moderner Orient in Berlin

03.03.2010 - (idw) Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

Unter Leitung von Dr. Kai Kresse hat sich am Zentrum Moderner Orient (ZMO) ein Themenschwerpunkt zu zeitgenössischer afrikanischer Philosophie gebildet. Dieser setzt sich interdisziplinär mit 'Wissen', 'intellektuellen Traditionen' und 'intellektueller Praxis' in Afrika auseinander. Kai Kresse promovierte 2002 an der 'School of Oriental and African Studies' in Ethnologie und Afrika-Studien. Konzeptuell entwickelte er einen allgemeinen Ansatz einer Anthropologie der Philosophie. Dies baut auf langjährige Auseinandersetzung mit seiner Forschung zu 'Philosophie' und 'Wissen' in Afrika auf. Kai Kresse ist Mitherausgeber von 'polylog: Forum für interkulturelle Philosophie' http://www.polylog.org. 2009 sprach einer der bekanntesten afrikanischen Philosophen, Prof. Kwasi Wiredu, auf Einladung des ZMO in Berlin zu 'Intercultural Philosophy: Potential and Perspectives'. Wiredus Werk dreht sich um Fragen, wie philosophische Traditionen aus Afrika Beiträge zu den universellen Fragen der Philosophie leisten können. Wiredu selbst bearbeitete dabei, mit Bezug auf Beispiele der Akan in Ghana (seiner eigenen Bevölkerungsgruppe), Fragen zum Demokratie- und Personenbegriff sowie dem Verhältnis von Sprache und Denken. Auf einer Podiumsdiskussion diskutierte er anschließend mit J.D.Y. Peel, ob die heutige Afrikaforschung eine "begriffliche Dekolonialisierung" (Wiredu) nötig habe. Den Anspruch einer Allgemeingültigkeit kann westliche Philosophie nicht erheben.

Am 18. März 2010 möchten wir Sie nun herzlich zum Vortrag von Dr. Anke Graneß über den Begriff '"Globale Gerechtigkeit" bei Henry Odera Oruka einladen. Der Kenianer Henry Odera Oruka (1944-1995) gehört zu den einflussreichsten Philosophen in Afrika im 20. Jahrhundert. Geprägt durch die speziellen Umstände in Afrika, hat Odera Oruka bereits in den 1980er Jahren die Frage nach globaler Gerechtigkeit aufgeworfen, die heute in Debatten um globale Ethik wieder zentral geworden ist. Anke Graneß hat zu diesem Thema an der Universität Wien promoviert und ist zurzeit Chefredakteurin der Print-Zeitschrift "Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren".

Es gibt z.Zt. mindestens drei Zeitschriften, die ausdrücklich und fokussiert zu afrikanischer Philosophie erscheinen: Quest (Rotterdam) und Philosophia Africana (Chicago) und, kürzlich wiederbelebt, Thought and Practice (Nairobi). Polylog-online kennzeichnet die Vision eines multiplen interkulturellen Dialogs auch in der Philosophie, um den fortdauernden Eurozentrismus zu überwinden. Der Begriff wurde vom österreichischen Philosophen Franz Wimmer geprägt. "Halte keine philosophische These für gut begründet, an deren Zustandekommen nur Menschen einer einzigen kulturellen Tradition beteiligt waren", so Wimmer auf polylog.

Kai Kresse studierte Philosophie, Ethnologie, Afrikawissenschaften und Neuere Deutsche Literatur in Hamburg, Wien und promovierte in London mit einer Arbeit über 'Approaching philosophical discourse in a Swahili context: theory, knowledge, and intellectual practice in Old Town Mombasa, 1998-1999'. Eine Einführung in die afrikanische Philosophiedebatte von Kai Kresse finden Sie unter http://lit.polylog.org/2/ekk-de.htm. Bei der Veranstaltung am 18.3.2010 werden weitere Texte und Photos zum Thema, sowie Audio-Aufnahmen von Interviews von Kai Kresse mit Odear Oruka und Kwasi Wiredu zugänglich sein. Für Interviews und Hintergrundgespräche steht Dr. Kresse sehr gerne zur Verfügung. Interviewanfragen bitte an kaikresse@yahoo.com

Das ZMO ist die einzige Forschungseinrichtung Deutschlands, die sich interdisziplinär und in historisch-vergleichender Perspektive mit dem Nahen Osten, Afrika, Süd- und Südostasien befasst. Das zentrale Forschungsprogramm 'Muslimische Welten - Welt des Islams? Entwürfe, Praktiken und Krisen des Globalen' untersucht von 2008 bis 2013 ein breites Spektrum historischer wie gegenwärtiger Dynamiken innerhalb und zwischen muslimisch geprägten Gesellschaften seit dem 18. Jahrhundert. Dieses Programm wird vom BMBF gefördert, die Grundausstattung trägt das Land Berlin.
Weitere Informationen: http://www.zmo.de/Mitarbeiter/Kresse/index_dt.htm CV Dr. Kai Kresse http://www.zmo.de Zentrum Moderner Orient http://www.zmo.de/veranstaltungen/2010/Einladung_Graneß.pdf Einladung Anke Graneß http://de.wikipedia.org/wiki/Kwasi_Wiredu Kwasi Wiredu auf Wikipedia http://www.zmo.de/veranstaltungen/2009/Einladung_RoundtableV20_10.pdf Roundtable with Kwasi Wiredu and J.D.Y. Peel http://www.zmo.de/veranstaltungen/2009/MP3_roundtable%20conceptual_decolonizatio... Audiomitschnitt Roundtable

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