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Vom Jakobsweg zum europäischen Literaturkanon

04.03.2010 - (idw) Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

EU-Projekte mit Kieler Beteiligung

Das Romanische Seminar der CAU ist in den kommenden Jahren unter Leitung von Professor Javier Gómez-Montero Kooperationspartner bei zwei bedeutenden EU-Projekten des Programms "Kultur" der EACEA (Executive Agency Education, Audiovisual & Culture), die den europäischen Gedanken auch in Forschung und Lehre unterstreichen. Im ersten Projekt University and school for a European literary canon, koordiniert von der römischen Universität La Sapienza, soll über zwei Jahre hinweg ein europäischer Literaturkanon erstellt und erprobt werden. Neben Dozenten und Studenten der CAU sind auch Lehrer und Schüler der Kieler Gelehrtenschule beteiligt sowie Bildungseinrichtungen in vier weiteren europäischen Ländern.

Die grundlegende Frage des ersten Projektes lautet: Wie kann ein Europa entstehen, dessen Bürger sich intellektuell, ideell, aber auch emotional einer gemeinsamen Kultur zugehörig fühlen? Dabei kommt der Literatur eine entscheidende Rolle zu. Jenseits der Paradigmen nationaler Literaturen werden Gemeinsamkeiten aufgespürt, die alle Europäer teilen und die als Grundlagen für eine länderübergreifende, europäische Erziehung gelten können. Nationale Literaturkanons sollen keinesfalls ersetzt, sondern vielmehr ergänzt werden, um den interkulturellen Dialog zu befördern. In enger Zusammenarbeit von Universitäten und Schulen wird vor dem Hintergrund der jeweiligen Nationalkultur ein europäischer Literaturkanon entstehen. Eine Sektion des Projekts wird sich in Zusammenarbeit mit Lehrern der Erstellung eines Kanons von Kinder- und Jugendliteratur widmen.

Das zweite Projekt Cultures and languages on the Route unter Federführung der galicischen Landesregierung (Xunta de Galicia) widmet sich Kulturen und Sprachen entlang des Jakobsweges.

Das Projekt will die Bedeutung der europäischen Kulturen und Sprachen, insbesondere derjenigen von Minderheiten, als Teil eines umfangreichen europäischen Erbes herausstellen. Ziel ist es, das alte Gefühl der Verbundenheit wiederherzustellen und den Kontakt zwischen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen entlang der Jakobswege zu befördern und deren Vielfalt - einst und jetzt - sichtbar zu machen.

Bereits seit 2006 erforschen Kieler Studierende unter der Leitung von Professor Javier Gómez-Montero die Darstellung der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela in Literatur, Ikonographie und historischen Quellen. Unterstützt werden sie dabei von den Kunsthistorikern Professor Ulrich Kuder und Professor Klaus Gereon Beuckers, CAU, sowie dem Mittelalterhistoriker Professor Heinrich Dormeier, CAU. Die Bewilligung des EU-Projekts erlaubt es nun, die Spuren der Pilger auch in Schleswig-Holstein weiter zu verfolgen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und hat Kooperationspartner in Frankreich und Spanien.

Das Romanische Seminar der CAU vertritt mit Unterstützung von Professor Jarich Hoekstra (Friesische Philologie) sowie Professor Michael Elmentaler (Niederdeutsche Sprache und Literatur) die nordeuropäische Route, deren Bedeutung bereits im Gründungsmythos des Jakobsweges im Hohen Mittelalter verankert ist. Der Codex Calixtinus (um 1150) enthält eine Legende, der zufolge Karl der Große in Aachen von einem Sternenweg (der Milchstraße) geträumt haben soll, der von der friesischen Küste bis an die Küste Galiciens im Nordwesten Spaniens führte.

Für das Projekt sind folgende Maßnahmen geplant:
- Informationen über die historische und gegenwärtige Sprachenvielfalt unter den Jakobspilgern (u.a. Friesisch und Niederdeutsch).
- Informationen für Pilger über Ursprung, Entwicklung und Reichtum der galicischen Sprache sowie ihre Beziehung zu anderen europäischen Sprachen.
- Zusammenarbeit im Bereich des Kultur- und Sprachtourismus; Verständigung über Ziele, Methoden und Erfahrungen.

Die wichtigsten Ergebnisse werden sein:
- Aufbau eines Netzwerkes europäischer Kulturvermittler.
- Eine Internationale Konferenz "Europe and its languages and cultures" im Jahr 2011 in Santiago de Compostela, an der auch Kieler Dozenten beteiligt sein werden.
- Wanderausstellung "Europe in the Routes of Santiago", die auch in Kiel zu sehen sein wird (2011/2012).
- Eine mehrsprachige Webseite zur Kulturgeschichte der verschiedenen europäischen Regionen am Jakobsweg (hier arbeitet das Romanische Seminar federführend für das gesamte Netzwerk, da die Xunta de Galicia seit 2008 an der CAU ein Stiftungslektorat für Galicische Sprache und Kultur unterhält).

Kontakt:
Romanisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Prof. Dr. Javier Gómez-Montero
Leibnizstr. 10, 24118 Kiel, Tel: 0431/880-2261
gomez.montero@romanistik.uni-kiel.de
http://www.uni-kiel.de/gomez-montero/
sowie Wiebke Best, wbest@romanistik.uni-kiel.de
Tel: 0431/8801526
Weitere Informationen: http://www.uni-kiel.de/download/pm/2010/2010-033-jakobsweg-eu-projekt-romanistik...
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