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Erhaltung afrikanischen Kuturguts: Die Lieder des Heldens Fumo Liongo

27.06.2003 - (idw) Universität Bayreuth

Die dem ostafrikanischen Helden Liongo zugeschriebenen Lieder der alten Swahili-Literatur sind Thema eines dreiwöchigen Workshops an der Universität Bayreuth.

Dreiwöchiger Workshop zur Aufarbeitung alter Literatur der Swahili
Erhaltung afrikanischen Kulturguts:
Die Lieder des Heldens Fumo Liongo
Mit den letzten großen und inzwischen betagten Kennern der alten Swahili-Dichtung

Bayreuth (UBT. Die dem ostafrikanischen Helden Liongo zugeschriebenen Lieder der alten Swahili-Literatur sind Thema eines dreiwöchigen Workshops an der Universität Bayreuth.
Um die Gestalt des Fumo Liongo ranken sich zahlreiche Legenden insbesondere bei den Swahili und Pokomo an der Küste Kenias und Tanzanias. Liongo, ein großer Krieger und Sänger, ist mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet und erinnert in manchem an den Siegfried aus der Nibelungen-Überlieferung; so ist auch er von geheimnisumwobenener Herkunft aus höheren Kreisen und fast unverwundbar, nur eine in die Leber gestochene kupfernen Nadel kann ihn töten. Der Verrat, der zu seinem Tode führt und innerhalb der Familie seinen Ausgang nimmt, weist ebenfalls gewisse Parallelen zu Siegfried auf.
Die Zeit wie auch die Umstände von Liongos Leben und Wirken sind völlig im Dunkeln. Um so kreativer und wirkungsvoller aber konnte sich die Hypothesenbildung um die bestehenden Legenden entfalten. Was innerhalb der Swahili-Überlieferungen das Thema Liongo so herausragend macht, ist die Tatsache, dass in den Legenden keinerlei Verbindungen zum Islam auszumachen sind, während große Teile der sonstigen klassischen Swahili-Literatur starke Einflüsse des Islam wie auch der arabischen Sprache zeigen. Dies erklärt in manchen Teilen auch die große identitätsstiftende Kraft der Gestalt des Liongo für die Swahili, die in moderner Zeit vielfach auf die staatlich-politische Ebene übertragen wurde. So steht Liongo steht heute für eine afrikanische Vergangenheit ohne Invasoren.
Dem Helden werden eine Reihe von Liedern zugeschrieben, die, an den verschiedensten Orten tradiert, in mehreren Versionen existieren und einen hohen Stellenwert innerhalb der mündlichen Überlieferung haben. Sie gehören zu den ältesten und schönsten Beispielen der Swahili-Poesie. Ähnlich jedoch wie bei der älteren deutschen Dichtung des Mittelalters, sind Sprache und Duktus dem heutigen Leser oder Hörer fremd und nur teilweise verständlich. Im Gegensatz aber zu unseren deutschen Überlieferungen sind die Liongo-Lieder philologisch nicht aufgearbeitet und kanonisiert.
Diese Arbeit soll nun während eines internationalen Workshop in Angriff genommen werden, den der Lehrstuhl Afrikanistik I (Professorin Dr. Gudrung Miehe) unter Mitwirkung der Professur für Literaturen in Afrikanischen Sprachen (Professor Dr. Said Khamis) vom 29. Juni bis 18. Juli 2003 veranstaltet und für den die DFG die notwendigen Mittel bewilligt hat. Eingeladen worden sind dazu die letzten großen Kenner der alten Swahili-Dichtung aus Mombasa, Nairobi und London. Das in Bayreuth vom Lehrstuhl Afrikanistik I bereits vorbereitete Sprachmaterial wird zurzeit mit den an der SOAS (School of Oriental and African Studies) in London lagernden Archivmaterialien abgeglichen.
Der geplante Workshop stellt ein ausgesprochenes Novum dar, da die eingeladenen, zum Teil schon hochbetagten Swahili-Experten noch nie zu solch einer Klausur zusammengekommen sind. Schon in der Vorbereitungsphase hat die Bayreuther Initiative außerordentliche Beachtung erfahren.
Der Workshop hat zum Ziel, autorisierte Fassungen der verschiedenen Versionen zu erstellen und diese in eine mit Kommentaren und englischer Übersetzung versehene Gesamt-Edition einmünden zu lassen, die dann den Swahili Departments der ostafrikanischen Universitäten und den Secondary Schools zur Verfügung gestellt werden soll.
Die Bayreuther Afrikanistik sieht in diesem Projekt eines ihrer Ziele verwirklicht, die hier angesiedelte wissenschaftliche Grundlagenforschung in einer engen Verbindung zu afrikanischer Praxis und Öffentlichkeit fruchtbar zu machen.

Weitere Informationen

Professorin Dr. Gudrun Miehe
Lehrstuhl Afrikanistik I
Tel. 0921/55-3556/7
Gudrun.miehe@uni-bayreuth.de
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