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"Biogasaufbereitung zu Biomethan" Int. Konferenz des Fraunhofer IWES

23.03.2010 - (idw) Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES

Rund 300 Experten aus 15 Nationen - darunter Teilnehmer aus Brasilien, USA und Indien - diskutieren vom 23. - 24. März 2010 in der Bad Hersfelder Stadthalle den Stand und die Perspektiven der Biogasaufbereitung zu Biomethan. "Die Aufbereitung von Biogas zur Einspeisung in Erdgasnetze ist auf dem besten Wege sich zu einer etablierten Technologie im Mix einer nachhaltigen Energieversorgung zu entwickeln. Sie ermöglicht den Zugang zu allen bisherigen Nutzungsarten von Erdgas", so der Biogasexperte des Kasseler Fraunhofer IWES, Dr. Bernd Krautkremer. Er betont, dass der Zugang zum Gasnetz die Anpassungen in der Netzzugangsverordnung ver-einfacht wurde, was zu einem starken Zuwachs von Anlagen geführt hat. "So hat neben der Direktverstromung durch Kraft-Wärme-Kopplungs-Aggregate die unmittelbar bei den Biogas-anlagen stehen, die Biogaseinspeisung in das Gasnetz an Be-deutung gewonnen", so Krautkremer weiter, der auch wissen-schaftlicher Leiter der heute und morgen in Bad Hersfeld statt-findenden Konferenz "Biogasaufbereitung zu Biomethan" ist.
Ca. 300 Teilnehmer aus 15 Nationen, überwiegend aus Deutschland und anderen europäischen Staaten (Deutschland, Österreich, Schweiz, Finnland, Schweden, Dänemark, Luxem-burg, Frankreich, Niederlande, Tschechien, Ungarn, Polen, UK), aber auch aus den USA und Südafrika konnte der Leiter des Fraunhofer IWES in Kassel, Prof. Dr. Jürgen Schmid, heute in Bad Hersfeld begrüßen. Sie sind gekommen, um die erforderli-chen Randbedingungen, die Technologien für unterschiedliche Anwendungsfälle, neue technische Entwicklungen und Be-triebserfahrungen zu diskutieren.
Staatssekretär Mark Weinmeister vom hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz hob in seinem Grußwort die Bedeutung der energetischen Biomasse-nutzung als wichtigste regenerative Energiequelle für Hessen hervor. Im Energiekonzept der Landesregierung spielt die Bio-masse Weinmeister zufolge eine wichtige Rolle: "Hauptliefe-rant der erneuerbaren Energien in Hessen ist und bleibt für die nächsten 10 Jahre die Biomasse. Biomasse ist grundlastfähig und steht im Gegensatz zu Wind, Sonne und Wasser rund um die Uhr zur Verfügung", betonte der Staatssekretär. Von den jährlich 21 Milliarden Kilowattstunden an erneuerbaren Ener-gien, die die Landesregierung bis 2020 erreichen will, soll der Anteil der Biomasse laut Weinmeister 9,5 Milliarden Kilowatt-stunden pro Jahr betragen. "In der Biomasse liegt ein großes Potential, das genutzt werden muss", unterstrich Weinmeister.
"Die Konversion von Biomasse in gasförmige Energieträger erlaubt bei der elektrischen Energieerzeugung die höchsten Wirkungsgrade. Eine besondere Rolle kommt dabei der Me-thanerzeugung zu, die der Biomasse alle bisherigen Nutzungs-arten von Erdgas sowohl in Kraftwerken, als auch im Verkehr erschließt", so die strategische Einschätzung von Prof. Dr. Jür-gen Schmid, der zugleich auch Mitglied im WBGU Wissen-schaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltverän-derungen ist.
Als ein Highlight der Veranstaltung verwies Schmid auf ein Verfahren, das Dr. Michael Specht vom Zentrum für Sonnen-energie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) vorstellte, und das es erlauben würde, mit zukünftigen Stromüberschüssen aus erneuerbaren Energien und CO2 wie-derum Methan zu erzeugen und in das vorhandene Erdgasnetz einzuspeisen.
Für den Leiter des IWES-Forschungsbereichs Bioenergiesys-temtechnik, Dr. Bernd Krautkremer, hat die Technologie der Aufbereitung von Biogas heute einen beachtlichen Reifegrad für die Energieversorgung erreicht und gewinnt weltweit zu-nehmend an Bedeutung. Mehr als 100 Anlagen befinden sich in Betrieb, viele in der Bau- oder Planungsphase. Mit der diesjäh-rigen Konferenz wird der aktuelle Stand der Biomethanbereit-stellung weltweit aufgezeigt. Über die Einspeisung in das Erd-gasnetz lässt sich die Option erschließen, die Bioenergie dort in Strom zu wandeln, wo auch die Abwärme der Kraft-Wärme-Kopplungs-Aggregate direkt genutzt werden kann.
"Derzeit bereitet der Branche jedoch der gesunkene Erdgas-preis Sorgen, mit dem das Biomethan konkurrieren muss. Ein Umstand, der sich schon bald wieder ändern kann und der nicht über die Notwendigkeit des Ersatzes der fossilen Energieträger hinwegtäuschen sollte" stellte Krautkremer fest. "Ein wichtiges Einsatzfeld für Biomethan in vielen anderen europäischen Län-dern ist der Kraftstoffsektor. Das wird auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnen", so die Einschätzung von IWES-Biogasexperte Michael Beil, der auch für die Organisation der Konferenz verantwortlich war.
Dr. Diane L. Saber vom amerikanischen Gas Technology Insti-tute berichtete: "Auch in den USA wird das Thema sehr ernst genommen und in zahlreichen Projekten untersucht, die bei-spielsweise zum Ergebnis kamen, dass aufbereitetes Biogas weniger Verunreinigungen mit in das Netz bringt als Erdgas."
Prof. Dr. V V N Kishore vom Center for Energy and Environ-ment der TERI University in Neu Delhi, Indien berichtete: "In Indien wird aufbereitetes Biogas als Kraftstoff eingesetzt und ist in einigen Städten sogar für Taxis vorgeschrieben um die Luftverschmutzung zu vermindern."
Im weiteren Verlauf der Tagung werden Hersteller von Biogas-aufbereitungstechnologien, die zusammen über 90 % aller Bio-gasaufbereitungsanlagen in den westlichen Industrienationen errichtet haben, den aktuellen Stand der Technik vorstellen. Dabei werden alle relevanten Themengebiete angesprochen, die sich an die eigentliche Aufbereitung des Biogases bis zur Netzeinspeisung des Biomethans anschließen, sowie ausge-wählte besondere Betriebs- und Anlagenkonzepte vorgestellt.
Im Fokus der Bioenergie-Forschungsarbeiten des Fraunhofer IWES stehen sowohl der vollständige Konversionspfad und seine Integration in Energieversorgungsstrukturen (Strom, Energieträger, Wärme) als auch Schlüsselkomponenten, die für spezifische Anwendungsfälle erforderlich sind. Dabei konzent-riert sich das IWES auf die systemtechnischen Aspekte bei der Integration der Bioenergie in Versorgungsstrukturen und ihrem Zusammenspiel mit weiteren erneuerbaren Energien. Mit dem Bad Hersfelder Landwirtschaftzentrum Eichhof kooperiert das IWES insbesondere in den Bereichen Biogas und Energiemana-gementsystemen.

Weitere Informationen: http://www.iwes.fraunhofer.de
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