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Der Dompteur der Moleküle ließ es blitzen und donnern

28.06.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wenn's knallt, dann klappt's: Chemie zum Anfassen - "Wir müssen das Interesse an den Naturwissenschaften stärken"

Die Welt um uns herum ist aus Molekülen aufgebaut. Diese wiederum bestehen aus mehr oder minder komplex angeordneten Atomen. Doch erst die arrangierte Vielfalt der Moleküle schafft die für uns vertraute Welt. Die schier unendliche Menge ihrer chemischen Reaktionen führt schließlich zu all jenen Stoffen, die uns umgeben. Auch unser Organismus ist aus ihnen aufgebaut und nur das beständige Ablaufen biochemischer Prozesse erhält ihn am Leben. Doch wie kann man sich die für das bloße Auge und selbst für das optische Mikroskop unsichtbaren Moleküle vorstellen? Wie reagieren diese Winzlinge miteinander und weshalb tun sie es?

Dieser Frage ging jetzt Professor Thomas J.J. Müller im Organisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg nach. Eigens für Schüler und Studenten hielt er den Experimentalvortrag "Wie wir Molekülen auf die Sprünge helfen". Denn ob Fachmann oder Laie, für alle gilt: Das menschliche Gehirn denkt in Bildern. Nur eine Vorstellung, die wir mit einer konkreten Erfahrung aus unserer Alltagswelt verknüpfen können ermöglicht uns das Vorstoßen in die abstrakten Dimensionen der Wissenschaft. Und eben dieses Staunen und Verstehen sollte bei den jungen Besuchern Interesse und Neugier am Fach Chemie wecken.

Dr. Rainer Bürstinghaus von der BASF war mit 12 Kollegen aus Ludwigshafen angereist, um den Vortrag zu unterstützen. Im Foyer bauten sie sechs Stationen mit Schautafeln und Apparaten auf, die in anschaulicher Weise chemische Prozesse verdeutlichten. "Wir müssen bei den Schülern das Interesse für die Naturwissenschaften stärken. Zu oft werden diese Fächer im Gymnasium einfach abgewählt. Dabei spielen gerade sie hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit unseres Landes eine wichtige Rolle. Denn keine Gesellschaft kann nur von Dienstleistungen allein leben."

Im Mittelpunkt der Experimente und der theoretischen Ausführungen Müllers stand das Thema Katalyse. Katalysatoren sind Stoffe, die chemische Reaktionen beschleunigen und begünstigen, ohne selbst an ihnen teilzunehmen. Die Katalyseforschung ist eines der zukunftsträchtigsten Gebiete der Chemie. Denn mit Hilfe ihrer intelligenten Methoden können wertvolle Ressourcen eingespart werden, aber auch giftige Stoffe, wie im Abgaskatalysator des Autos, in umweltverträgliche Komponenten zerlegt werden.

"Die Moleküle sind muntere Gesellen. Sie leben in einer turbulenten Energielandschaft mit Tälern und Bergen. Wenn es nach ihnen ginge, lebten sie lieber in den Täler, denn das ist bequemer. Doch wenn sie auf die Berge steigen, dann, ja dann wird es für uns interessant!", erklärte Müller. Umgeben von einem Tross junger Wissenschaftler in weißen Kitteln und mit Schutzbrillen angetan, schritt er zur Tat. Ein mit Wasserstoff gefüllter Ballon wurde mit einer kleinen Flamme traktiert - und explodierte prompt. Dann ließ Müller ein kleines Stück Platin mit dem entweichenden Gas in Kontakt treten, wieder knallte es und zwar ganz ohne Zündfunke. Es folgten weitere Experimente mit fantastisch schäumendem Spüli und geheimnisvoll leuchtenden Flüssigkeiten. "Mir hat es richtig toll gefallen!", so Jennifer Lapidakis aus Bammental. Sie war mit Freunden aus ihrer neunten Klasse nach Heidelberg gekommen. "Vor allem diese Atmosphäre im Hörsaal fand ich spannend. Das kannte ich noch überhaupt nicht. Ich könnte mir schon gut vorstellen, hier einmal Chemie zu studieren."

Dr. Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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