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Werte fördern statt Mängel beheben

01.07.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

US-Psychologe wird "Aufsichtsratschef" am Jenaer Zentrum für Angewandte Entwicklungswissenschaft


Der Jenaer Psychologe Prof. Silbereisen (r.) hat in Prof. Lerner einen renommierten Mitstreiter beim Aufbau des Center for Applied Developmental Science an der Uni Jena gewonnen. (Foto: Günther/FSU) Jena (30.06.03) Einen entscheidenden Schritt weitergekommen ist das interdisziplinäre Zentrum für Angewandte Entwicklungswissenschaft (CADS) der Universität Jena. Prof. Dr. Richard M. Lerner (57) von der Bostoner Tufts University konnte als Vorsitzender des "Aufsichtsrats" (Advisory Board) gewonnen werden. "Ich freue mich sehr, dass Richard Lerner den Posten angenommen hat", sagt CADS-Gründer Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen (58). Dem Jenaer Entwicklungspsychologen gelang es dabei, nicht nur einen renommierten Wissenschaftler - Lerner ist Autor von mehr als 45 Büchern und 300 Fachartikeln - zur Mitarbeit im neuen Zentrum zu bewegen. Lerner war bereits an Konzeption und Aufbau von mehreren der rund zehn vergleichbaren Zentren auf der ganzen Welt beteiligt. Außerdem besitzt der "Netzwerker" - so Silbereisen über Lerner - Kontakte zu den führenden Entwicklungspsychologen ebenso wie zu Politik, Wirtschaft, Stiftungen und vielen gesellschaftlichen Organisationen, denen an der Entwicklung des Menschen gelegen ist.

Das Center for Applied Developmental Science (CADS) in Jena, das im kommenden Jahr eröffnet werden soll, "wird ein prestige-trächtiger Ort werden", betont Lerner, nachdem er sich in der vergangenen Woche in Jena detailliert die Planungen angeschaut hat. Am Ort, wo die Entwicklungspsychologie 1882 mit Preyers Buch "Die Seele des Kindes" begründet wurde, entstehe eine Institution, "die weltweit Anerkennung finden wird", ist er sich sicher. "Ich würde meinen Namen und meine Zeit nicht zur Verfügung stellen, wenn ich nicht an den Erfolg des Centers glauben würde", unterstreicht der US-Wissenschaftler. Zugleich weiß er, "welcher Druck, welch hohe Erwartungen auf den Organisatoren lasten; das Center ist zum Erfolg verdammt". Doch Lerner ist für CADS optimistisch, "denn Rainer Silbereisen ist weltweit einer der führenden Vertreter der Entwicklungswissenschaft".

Zudem bringt der Amerikaner eigene Vorstellungen und Programme zur Entwicklungswissenschaft ein, wie er während eines engagierten Vortrags vor Jenaer Studierenden darlegte. Ziel aller Aktivitäten müsse es sein, das Individuum so zu stärken, dass der jugendliche Mensch besser eigene Entscheidungen fällen kann. Dafür seien Programme notwendig, die nicht nur bereits aufgetretene Defizite beheben oder kommenden Mängeln vorbeugen. Programme, die der Jugend wirklich helfen, müssen diese positiv motivieren. "Prävention von Problemen erzeugt noch keine Werte", hat Lerner bei eigenen Studien erfahren, "nur positive Motivation hilft und verhindert negatives Verhalten". Selbstvertrauen und Fähigkeiten wecken, Charakter und Begeisterung entwickeln und das Einfügen in soziale Gruppen führen, so Lerner, zu Freiheits- und Demokratie-Denken und -Handeln. Dieser "Bürgersinn" kann durch effektive Programme, die individuelle Stärken mit solchen aus der Familie und Nachbarschaft verbinden, aufgebaut werden.

Programme, die ein Fehlverhalten durch positive Alternativen verhindern sollen, werden auch am Jenaer Zentrum entwickelt. Bereits jetzt vermittelt Silbereisens Team an 46 Thüringer Schulen solche Lebenskompetenz-Programme. Sie unterstützen die Kinder dabei, frühzeitig positive Basis-Fähigkeiten zu entwickeln. Und die Jenaer Wissenschaftler beweisen mit ihrem Schritt in die Schulen, dass sie solche Programme nicht nur erforschen wollen. Sie begleiten deren Einführung und sind bereit, diese Erfahrungen auch für eine Anpassung und Überarbeitung zu nutzen. Entstehen werden, ist sich Silbereisen sicher, "effektivere Präventions- und Förderprogramme, die auf einem Verständnis der Ursachen beruhen". Damit wird bereits jetzt eines der Hauptanliegen von CADS erfüllt: Forschung in die Anwendung zu überführen.

Kontakt:

Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen
Institut für Psychologie der Universität Jena
Am Steiger 3 / Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945201
Fax: 03641 / 945202
E-Mail: Rainer.Silbereisen@rz.uni-jena.de
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