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FiBS und MMB zu eLearning an Hochschulen

01.07.2003 - (idw) Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS)

Präsentation der Studie zu Märkten und Marketing für virtuelle Lehrangebote auf der FiBS-Konferenz 2003

eLearning-Angebote deutscher Hochschulen, Marktpotenziale im betrieblichen und individuellen Weiterbildungsmarkt und geeignete Geschäftsmodelle für Vertrieb und Vermarktung stehen im Mittelpunkt der Untersuchung des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) und des MMB Instituts für Medien- und Kompetenzforschung, die im Rahmen der FiBS-Konferenz 2003 "eLearning an Hochschulen" in Köln vorgestellt wird.

Die Studie wurde im Auftrag des DLR-Projektträgers "Neue Medien in der Bildung + Fachinformation" durchgeführt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dr. Dieter Dohmen und Dr. Lutz P. Michel, die Leiter der beiden Forschungseinrichtungen, fassen die Ergebnisse so zusammen:

1. Virtuelles Lehren und Lernen, die Konzeption von Multimediastrategien und die Umsetzung von Förderprojekten für neue eLearning-Angebote sind seit Jahren Themen an deutschen Hochschulen. In den vergangenen Jahren sind in den deutschen Hochschulen beträchtliche Anstrengungen zur Entwicklung von eLearning-Angeboten und -Technologien unternommen worden. Insgesamt dürften mehr als 500 Mio. Euro in die Entwicklung geflossen sein.

2. Bisher spielen die deutschen Hochschulen nur eine untergeordnete Rolle im eLearning-Markt, u.a. bedingt durch eine starke Ausrichtung auf die traditionellen Studierenden im Erststudium.

3. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren nur noch in vergleichsweise geringem Umfang zusätzliche Mittel für die Entwicklung von eLearning an Hochschulen bereitgestellt werden. Dies bedeutet, dass die Angebote entweder haushaltsneutral, also mit bestehendem Personal und Sachmitteln, oder durch Umschichtungen in den Haushalten erstellt werden können oder aber durch die Generierung zusätzlicher und mindestens kostendeckender Einnahmen. Die Fortführung, Verstetigung und Qualitätssicherung der Entwicklungen ist gerade mit Blick auf Organisations-, Finanzierungs- und Vermarktungsmöglichkeiten oft noch unklar. Grundlegende Voraussetzung für die weitere Entwicklung ist eine konsequente Ausrichtung auf den externen Lernmarkt.

4. Der deutsche eLearning-Markt könnte bis 2010 auf rund 1 Mrd. Euro wachsen. Wie bisher werden die Unternehmen den mit Abstand größten Anteil daran haben. D.h. wenn die Hochschulen wirklich größere Einnahmevolumina erzielen wollen, sollten sie sich verstärkt auf die Zielgruppe der Weiterbildungsinteressenten, gerade in den Unternehmen, ausrichten. Angesichts ihrer Marktferne sollten sie hierbei verstärkt auf Kooperation mit kommerziellen eLearning-Anbietern setzen und sich als leistungsstarke Content-Ersteller positionieren.

5. Die berufliche und individuelle Aus- und Weiterbildung ist für Gesellschaft und Wirtschaft zu einem entscheidenden Faktor geworden. Die Hochschulen werden von der Wirtschaft als mittelfristig interessante und wichtige Partner angesehen. Wenn es ihnen gelingt, die hier beschriebenen Anforderungen in die Praxis umzusetzen und ihre Vorteile konsequent ausnutzen, dann sollte es ihnen gelingen, einen relevanten Marktanteil zu erzielen.

6. Aufgrund ihrer Nähe zu aktueller Forschung und Entwicklung dürften sie gegenüber anderen Content-Produzenten einen komparativen Vorteil haben. Wenn sie es schaffen, diesen Vorteil kundenorientiert umzusetzen, dann werden sie an Reputation gewinnen und sich auch im Wettbewerb mit internationalen Business Schools behaupten können. Das hieße die Lerninhalte praxisorientiert, leicht verständlich und qualitativ hochwertig, in kurzen Lernsequenzen und termingerecht aufzubereiten, unterstützt durch kompetente Tutoren und Beratung. Die Möglichkeit der Zertifizierung verschafft den Hochschulen einen zusätzlichen Vorteil gegenüber privaten Anbietern.

7. Mit einer entsprechenden Zielgruppenorientierung sollten sie gleichzeitig auch als Partner bzw. Auftragnehmer für Corporate Universities und private eLearning-Anbieter sowie für andere öffentliche und private Weiterbildungsanbieter an Bedeutung gewinnen.

8. Im Segment der akademischen Weiterbildung ist an den Hochschulen eine konsequente Nischenpolitik erforderlich, um die Themen zu entwickeln und zu besetzen, die noch nicht angeboten werden. Der Markt dürfte in den meisten Fällen zu klein sein, um mehrere weitgehend identische Angebote zu finanzieren.

9. Die private Weiterbildung könnte ein interessantes Feld für die marktferneren Fachbereiche und Themengebiete sein, wobei vorerst noch von einer begrenzten Zahlungsbereitschaft der Nachfrager auszugehen ist. Hier sollten die Hochschulen zugleich die Kooperation mit anderen Anbietern wie z.B. den Volkshochschulen suchen. Noch nicht ganz einschätzbar ist das Interesse von Senioren (Generation 55 plus) an eLearning.

10. Förderlich für eine größere Bedeutung der Hochschulen im eLearning-Markt dürfte ein zentrales Bildungsportal sowie ein zentraler Vermarkter und Broker für die Hochschulen sein, wie er als Vision "e-Uni.de" in der Studie beschrieben wird. Für die Hochschulen ergeben sich gegenüber dezentralen Portalen und Vertriebsstrukturen erhebliche Synergieeffekte. Kann sich e-Uni.de für und mit den Hochschulen ein entsprechendes Image und Branding erarbeiten, dann erscheint mittelfristig einen Anteil von 10 oder gar 15 Prozent am eLearning-Markt für die Hochschulen erreichbar. Geht man von einem sukzessiven Anstieg des Marktvolumens auf 1 Mrd. Euro aus, dann entspräche dies mittelfristig einem Volumen von 100 bis 150 Mio. Euro jährlich.

Die Studie ist soeben als vierter Band der FiBS-Reihe "Schriften zur Bildungs- und Sozialökonomie" beim W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld, zum Preis von 29,90 Euro erschienen.
Die Publikation richtet sich an die LeiterInnen der Hochschulen und Weiterbildungszentren, an VertreterInnen aus Ministerien, Verbänden, Multimedia-Initiativen, an Beteiligte an eLearning-Förderprojekten der Hochschulen, WeiterbildungsreferentInnen und PersonalentwicklerInnen in Unternehmen, eLearning-Anbieter und Hochschulplaner. Auch für Nachwuchswissenschaftler, die im eLearning-Markt ein attraktives Betätigungsfeld sehen, dürfte die Studie von Interesse sein.

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FiBS

Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), das am 1. Juli 1993 von Dr. Dieter Dohmen gegründet wurde, ist eine unabhängige, national und international tätige Forschungs- und Beratungseinrichtung mit Sitz in Köln. Im Kernbereich Forschung und wissenschaftliche Beratung umfassen die Themen alle ökonomischen Aspekte der Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Weitere Aufgabenfelder sind Organisationsberatung und Schulungen zu Bildungsmanagement und -ökonomie.

MMB

Das MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung wurde 1996 als "Michel Medienforschung und Beratung" von Dr. Lutz P. Michel in Essen gegründet. Das unabhängige Forschungsinstitut gibt auf Basis verlässlicher Daten, die in innovativen sozialwissenschaftlichen Studien erhoben werden, Impulse für die Gestaltung der Wissensgesellschaft. Zeitnahe Themen sind Berufsbildentwicklung, eLearning, Arbeitsmarkt-Monitoring sowie Begleitforschung.

FiBS-Konferenz und Ausstellung 2003

"eLearning an Hochschulen - Marktpotenziale und Geschäftsmodelle" ist der Titel der diesjährigen Konferenz des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie, die am 30. Juni und 1. Juli 2003 im Hotel Hilton Cologne stattfindet.

Auf der Konferenz werden die Ergebnisse der FiBS-MMB-Studie hinsichtlich der Marktpotenziale im Bereich eLearning, insbesondere für die berufliche und individuelle Weiterbildung, vorgestellt sowie konkrete Hinweise auf geeignete Geschäftsmodelle und Marketingstrategien gegeben. Diese Informationen werden mit praxisnahen Workshops verknüpft, die sich Themen wie Profilbildung, zielgruppenorientierter Produktpolitik, geeignete Geschäftsmodelle und Marketing für Hochschulen widmen. Durch Good-practice-Beispiele werden die Diskussionen unterstützt. Zudem ermöglicht die Veranstaltung unmittelbare Kontakte zwischen Hochschule und Wirtschaft und fördert den intensiven Austausch rund um das Zukunftsthema eLearning.

Unterstützt wird die Veranstaltung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom W. Bertelsmann Verlag und von der Zeitschrift "DUZ - das unabhängige Hochschulmagazin".

Kontakte:
Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 02 21 / 550 95 16
Kai Heddergott (MMB), Tel. 02 01 / 72 02 70

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