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Hungrig nach Forschung

02.07.2003 - (idw) VolkswagenStiftung

VolkswagenStiftung richtet weitere sechs Nachwuchsgruppen ein - 6,44 Millionen Euro für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Simply the best - so ließe sich das Ziel der VolkswagenStiftung bei ihrer personenbezogenen Förderung auf ein Motto reduzieren. Und so sind es denn diesmal ein halbes Dutzend junger hochkarätiger Forscherinnen und Forscher, die die Stiftung ab sofort im Rahmen ihrer Initiative "Nachwuchsgruppen an Universitäten" fördert. Über 55 Anträge wurde jetzt entschieden. In einer Zeit, in der sich allerorten die (finanziell schlechter ausgestatteten) Juniorprofessoren an den deutschen Hochschulen etablieren, sicher ein Qualitätsbeweis für diese Form des Stiftungsengagements. Wer als junger Wissenschaftler solch eine Nachwuchsgruppe leitet, verwaltet die eingeworbenen Gelder eigenständig und hat zunächst fünf Jahre Zeit - ein sechstes ist bei zwischenzeitlicher positiver Begutachtung möglich -, die selbst gesteckten Forschungsziele zu erreichen. Und zwar am Ort und mit Mitarbeitern eigener Wahl. Die Nachwuchsgruppe ist organisatorisch unabhängig, aber eingebettet in den Universitätsbetrieb - eine außergewöhnliche und sehr erfolgreiche Konstellation.

Rund 6,44 Millionen Euro stellt die Stiftung jetzt für sechs neue Gruppen zur Verfügung, sie werden eingerichtet in Berlin - je eine an der Technischen und der Humboldt-Universität - den Universitäten in Köln, Bonn und Potsdam sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

- Drei Gruppen stellen wir im Folgenden vor, am Ende dieser Pressemitteilung folgt eine Kurzinformation zu den drei weiteren neu eingerichteten Gruppen.

1. Mit 1,3 Millionen Euro gefördert wird eine Gruppe, die Dr. Martin C. Göpfert am Zoologischen Institut der Universität Köln einrichtet. Göpfert beschäftigt sich mit Hörvorgängen bei Insekten, und zwar mit den mechanischen Prozessen und den zellulären und molekularen Mechanismen. Konkret geht es ihm um die genauen Abläufe der mechanischen Verstärkung ins Ohr einfallender Reize. Bekannt ist, dass die im Ohr sitzenden Sinneszellen ihre erstaunliche Empfindlichkeit für eintreffende Geräusche mit Hilfe eines Tricks erreichen: Ähnlich wie das Anstoßen einer Schaukel deren Schwingungen verstärkt, verstärken auch diese Zellen aktiv mit eigenen Bewegungen die durch Schall ausgelösten Schwingungen. Um die biophysikalischen Prozesse rund um jene aktive mechanische Verstärkung zu erforschen, will Göpfert neurobiologische, biophysikalische und genetische Methoden kombinieren. Untersuchungsobjekte sind die Taufliege Drosophila, Stechmücken und Nachtfalter. Kennzeichen des im hohen Maße interdisziplinären Vorhabens der Nachwuchsgruppe mit dem Titel "Active auditory mechanics in insects" ist es, dass die Gebiete Biomechanik, Akustik und Genetik in noch ungewohnter Weise verbunden werden.
Zur Person: Der Biologe Dr. Martin Göpfert (Jahrgang 1968) arbeitete von 1998 bis 2002 als Forschungsstipendiat des DAAD und der Deutschen Akademie der Naturforscher am Zoologischen Institut der Universität Zürich; dort habilitierte er sich vor kurzem. Im April 2003 wurde er mit dem Walter Arndt-Preis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft ausgezeichnet. Seit 2002 ist Göpfert als Royal Society Research Fellow an der School of Biological Sciences der Universität Bristol beschäftigt. "Damit ist er ein Paradebeispiel eines jungen Wissenschaftlers, der trotz hervorragender Arbeitsbedingungen im Ausland durch ein attraktives Angebot nach Deutschland zurückkehrt", betont Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Kontakt University of Bristol, School of Biological Sciences,
Dr. Martin Göpfert, E-Mail: m.gopfert@bristol.ac.uk


2. Das folgende Vorhaben verdeutlicht, wie breit das Disziplinenspektrum und die Themenvielfalt im Nachwuchsgruppenprogramm sind. Von der Stiftung mit 992.000 Euro gefördert, baut Dr. Ilka Agricola am Institut für Mathematik der Humboldt-Universität zu Berlin die Nachwuchsgruppe "Spezielle Geometrien in der mathematischen Physik" auf. Auf der Basis ihrer mathematischen Vorarbeiten der vergangenen Jahre wird sich die Diplomphysikerin dem Studium der geometrischen "Feinstruktur" solcher Räume zuwenden, die in verschiedenen Modellen der theoretischen Physik - etwa der Superstringtheorie oder der M-Theorie - benötigt werden: Sind etwa Teilchen nicht mehr punktförmig, sondern ausgedehnte "Fädchen" (Strings), so ist das klassische geometrische Konzept der Bahnkurve zu deren Beschreibung hinfällig. Das Hauptaugenmerk der Forscherin gilt dabei - in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Physik der Berliner Hochschule sowie dem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Golm bei Potsdam - dem Zusammenspiel von physikalischer Modell- und mathematischer Begriffsbildung. Die Komplexität moderner Theorien der Symmetrien elementarer Wechselwirkungen erfordert hier eine besondere gemeinsame Anstrengung von Mathematikern und Physikern. Zugleich ist es ein Ziel, in detaillierten Modellen durch Zuhilfenahme des Instrumentariums der modernen Geometrie und Analysis zu präzisen physikalischen Vorhersagen zu kommen. Auf diese Weise wird die Nachwuchsgruppe sowohl einen Beitrag leisten zur Grundlagenforschung in der Differentialgeometrie als auch zu deren Anwendungen in der mathematischen Physik.
Zur Person: Die Physikerin Dr. Ilka Agricola (Jahrgang 1973, deutsch-niederländische Staatsbürgerin) ist seit 1997 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität Berlin, besuchte im selben Jahr sieben Monate lang die Rutgers University, New Jersey/USA. Nach ihrer Promotion absolvierte Ilka Agricola im Jahr 2002 ein halbjähriges Postdoktorat am Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften und am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, Golm. Generalsekretär Dr. Wilhelm Krull: "Eine junge Frau, die sich in einem hoch spannenden Wissensgebiet bewegt - und ein aussichtsreiches Konzept für eine Erfolg versprechende Nachwuchsgruppe!"

Kontakt Humboldt-Universität Berlin, Institut für Mathematik, Dr. Ilka Agricola
Telefon: 0 30/20 93 - 1822, E-Mail: agricola@mathematik.hu-berlin.de


3. Mit 954.500 Euro unterstützt die Stiftung die Gruppe "Selbstbewusstsein und Begriffsbildungen beim Menschen. Eine philosophisch-kognitionswissenschaftliche Untersuchung" von Privatdozent Dr. Albert Newen am Philosophischen Seminar der Universität Bonn. Die Nachwuchsforscher wollen eine Theorie entwickeln, die es erlaubt, menschliches Selbstbewusstsein und die damit einhergehenden Begriffsbildungen eines Subjekts - zum Beispiel den Ich-Begriff, den Personenbegriff, den Begriff des eigenen Wissens und der zwischenmenschlichen Interaktion - adäquat zu beschreiben. Entsprechend fließen in diesem Forschungsprojekt die Ergebnisse der Philosophie und der empirischen Kognitionswissenschaften, insbesondere der Hirnforschung, der Entwicklungspsychologie und der Sprachwissenschaften zusammen. Newens Vorhaben zeichnet sich auch dadurch aus, dass er mit einer Vielzahl exzellenter Arbeitsgruppen auf diesem Gebiet kooperiert: mit Wissenschaftlern an den philosophischen Instituten in Bonn, Stanford und der New York University, an neurowissenschaftlichen Instituten in Bonn und Jülich, an der Universität Bremen beziehungsweise beim Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst sowie am Germanistischen Seminar der Universität Bonn. In enger Zusammenarbeit mit Vertretern dieser Fächer sollen Experimente zur Bestimmung der neuronalen Grundlagen menschlichen Selbstbewusstseins entworfen und durchgeführt werden.
Zur Person: Der Philosoph, Psychologe und Historiker PD Dr. Albert Newen (Jahrgang 1964) war 1994/1995 Postdoktorandenstipendiat der DFG; zuvor gastierte er 1992/93 als Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst. Seit 1995 am Philosophischen Seminar der Universität Bonn tätig, habilitierte er sich im Jahr 2002. Gegenwärtig ist Newen Fellow am St. Catherine's College der Universität Oxford. Er erhielt mehrere Stipendien und im Jahr 1997 den Bennigsen-Foerder-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Kontakt Universität Bonn, Philosophisches Seminar
Privatdozent Dr. Albert Newen, Telefon: 02 28/73 - 5067, E-Mail: newen@uni-bonn.de


Die drei weiteren neuen "Nachwuchsgruppen an Universitäten":

- Dr. Robert Berger, Technische Universität Berlin, Institut für Chemie: Thema "Chemistry that matters - from structure of matter to structures in spectra" - gefördert mit 1.015.500 Euro

Kontakt Technische Universität Berlin, Institut für Chemie
Dr. Robert Berger, Telefon: 0 30/3 14 - 27731
E-Mail: robert.berger@www.chem.tu-berlin.de


- Dr. Enrico Schleiff, Ludwig-Maximilians-Universität München, Department Biologie I, Botanik: Thema "Regulation of preprotein translocation at the outer envelope of plastids" - gefördert mit 1.177.500 Euro

Kontakt Universität München, Department Biologie I, Botanik
Dr. Enrico Schleiff, Telefon: 0 89/1 78 61 - 282
E-Mail: schleiff@botanik.biologie.uni-muenchen.de


- Dr. Benjamin Schuler, Universität Potsdam, Institut für Biochemie und Biologie: Thema "Dynamics and heterogeneity of biomolecular interactions investigated by single molecule fluorescence spectroscopy" - gefördert mit 997.000 Euro

Kontakt Universität Potsdam, Institut für Biochemie und Biologie

Dr. Benjamin Schuler, Telefon: 03 31/9 77 - 5244
E-Mail: bschuler@rz.uni-potsdam.de


Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse03/01072003.htm

Kontakt

VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Christian Jung,
Telefon: 05 11/83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
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