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Erfolg durch Wissenstransfer: Kooperation schafft Qualität

02.07.2003 - (idw) Universität Dortmund

Für Unternehmen ist ständige Erneuerung überlebenswichtig. Dafür ist oft Expertenwissen aus den Hochschulen gefragt. NRW-wissenstransfer.de bringt beide Seiten zusammen. Vor zwei Jahren öffnete sich im Internet das Tor zur Forschungslandschaft Nordrhein-Westfalen. Ohne dieses Portal wären das Dortmunder Forschungsinstitut RIF und die Brinkmann Pumps GmbH aus Werdohl nicht in Kontakt gekommen. Ihre Kooperation beim Qualitätsmanagement hat sich ausgezahlt.

In jedem Audi-Airbag, in jeder Airbus-Toilette, in jeder Armatur von Grohe steckt ein Stück Forschung der "Dortmunder Initiative zur rechnerintegrierten Fertigung", kurz RIF. Sie wurde vor 13 Jahren von Professoren der Universität Dortmund gegründet. Ihr Ziel: Ingenieurleistungen industrienah entwickeln und in die unternehmerische Praxis umsetzen.

Nicht alle RIF-Projekte lassen sich mit Händen greifen. "Man sieht halt nicht, wenn uns die Köpfe rauchen", sagt Robert Refflinghaus. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur leitet die Abteilung Qualitätsmanagement beim RIF.

Für Unternehmer ist Qualitätsmanagement kein Imagefaktor, sondern eine Frage des Überlebens. Häufig verlangen ihre Auftraggeber ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem. Um es einzuführen und zu pflegen, holen sich viele Unternehmen Hilfe von außen, zum Beispiel beim RIF.
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Qualität braucht Forschung

Die Arbeit von Robert Refflinghaus und seinem Team besteht dann darin, alle Prozesse in einem Betrieb, die Einfluss auf das Produkt oder die Dienstleistung haben, zu dokumentieren und dabei Schwachstellen zu beseitigen. Gleichzeitig müssen sie Gesetze und Normen berücksichtigen. Qualitätsmanagement heißt aber nicht nur, viel zu recherchieren und die Handbücher zu schreiben, die in einem Unternehmen als Richtschnur dienen und Basis einer Zertifizierung sind. "Papier ist geduldig", sagt Robert Refflinghaus, "Qualitätsmanagement funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen." Das RIF bietet deshalb auch Mitarbeiter-Schulungen an.

Seine Auftraggeber findet Robert Refflinghaus auf Messen, über Fachpublikationen und Mundpropaganda. Und manchmal auch über "nrw-wissenstransfer.de". Das Internet-Portal stellt seit zwei Jahren Kontakte zwischen Unternehmen und Transferstellen an über 300 nordrhein-westfälischen Forschungseinrichtungen her. Gefördert wird es vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, betreut von der Universität Dortmund.

Herzstück von "nrw-wissenstransfer.de" ist eine Datenbank der Hochschulen und Forschungsinstitute in Nordrhein-Westfalen. Wer für ein Projekt wissenschaftliche Begleitung sucht , wird bei der Diplomarbeiten- und Praktikumsbörse fündig. Wer sich einen Überblick über aktuelle Forschungsvorhaben verschaffen will, findet hier Kooperationsangebote von Hochschulen. Umgekehrt können Unternehmen aktiv nach Partnern aus Forschung und Entwicklung suchen. "Wir haben die persönliche Anfrage eingerichtet, weil es für Firmen oft schwer ist, die richtigen Kontakte zur Wissenschaft herzustellen", sagt Projektleiter Michael Asche.
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nrw-wissenstransfer.de vermittelt

Unternehmen müssen sich nun nicht mehr vom Pförtner zum richtigen Professor durchtelefonieren, sondern können ihr Anliegen einfach in ein Online-Formular eintippen. "nrw-wissenstransfer.de" leitet es dann an die geeigneten Experten weiter. Mit einem Klick werden so alle relevanten Wissenschaftseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen erreicht.
Diesen Weg ging auch Hans-Georg Petermann, Leiter des Qualitätsmanagements bei Brinkmann Pumps. Das Unternehmen im sauerländischen Werdohl stellt Kühlmittelpumpen für Werkzeugmaschinen her. Vor zwei Jahren wollte Hans-Georg Petermann das nach ISO 9001 zertifizierte Qualitätsmanagementsystem an die aktualisierte Fassung der Norm anpassen.

"Wir wollten dabei Betriebsblindheit ausschließen", sagt er, "deshalb suchten wir einen Partner von außen. Doch uns fehlten die richtigen Kontakte zu Hochschulen in unserer Nähe." Seine Online-Anfrage bei nrw-wissenstransfer.de war ein voller Erfolg. Elf Hochschulen bewarben sich, drei kamen in die engere Wahl. Den Zuschlag erhielt schließlich Robert Refflinghaus vom Dortmunder RIF.

Zusammen mit einem Mitarbeiter nahm er zunächst das Qualitätsmanagement des mittelständischen Pumpenherstellers unter die Lupe. "Wenn man es richtig macht", sagt er, "darf man nicht nur das Ist mit dem Soll vergleichen. Manchmal hat sich ein Arbeitsablauf etabliert, der zwar den Anforderungen der Norm genügt, aber nicht unbedingt der effektivste ist. Als Berater von außen haben wir dafür einen guten Blick." Nach der Bestandsaufnahme schlugen die RIF-Mitarbeiter in einer 30-seitigen Studie vor, welche Arbeitsabläufe neu geregelt und dokumentiert werden müssten, um die Zertifizierung nach der aktualisierten Norm ISO 9001:2000 zu erreichen.
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Ein Unternehmen profitiert

Eine gute Basis. Die Umstellung schaffte Brinkmann Pumps dann ohne wissenschaftliche Begleitung. Dafür wurde eigens ein neuer Mitarbeiter eingestellt - der Maschinenbautechniker und Qualitätsauditor Ralf Barwinski. Er brachte nicht nur das nötige Fachwissen, sondern auch die unerlässliche Portion Humor mit. "Qualitätsmanagement ist, wenn man trotzdem lacht", sagt er. Schließlich sind Leute, die ständig nach Verbesserungspotentialen suchen, nicht immer gern gesehen. Und die Anpassung an eine aktualisierte Norm ist kein Zuckerschlecken.

Telefonieren, mit Mitarbeitern sprechen, Lieferanten überprüfen - ein Qualitätsmanager hat es vor allem mit Prozessen zu tun, insbesondere wenn er seinen Betrieb nach der aktualisierten ISO 9001:2000 zertifizieren lassen will. Die alte Fassung vergleicht Ralf Barwinski mit einer Landkarte, auf der viele Städte aber wenige Straßen eingezeichnet waren. "In der neuen Fassung sind es nun weniger Städte, dafür aber mehr Straßen." Diese Straßen sind die Arbeitsabläufe, die er mit Hilfe der Mitarbeiter neu analysieren, teils anpassen und dokumentieren musste.

Im Februar 2003 wurde Brinkmann Pumps nach ISO 9001:2000 zertifiziert. Besonders stolz ist Ralf Barwinski darauf, dass sein Qualitätsmanagementsystem deutlich mehr leistet, als die Norm verlangt. So gibt es zum Beispiel das Handbuch und alle Arbeitsanweisungen nicht nur auf Papier. Auf PCs, die sogar in der Fertigungshalle stehen, sind sie für alle Mitarbeiter jederzeit zugänglich. Ein Vorteil, so Ralf Barwinski:"Auf dem Bildschirm kann jeder die jeweils aktuelle Arbeitsanweisung nachlesen. Wenn ich früher eine Arbeitsanweisung geändert hatte, musste ich die alte erst wieder einsammeln, und konnte nie wirklich sicher sein, das nicht doch noch eine Kopie in irgendwelchen Schubladen liegen blieb." Aus der Idee ein Online-Handbuch zu erstellen entwickelte sich sehr schnell ein komplettes Informationssystem, von dem auch das Betriebliche Vorschlagswesen profitierte. Jetzt machen die Mitarbeiter wieder mehr Vorschläge, denn nun können sie mit einem Tastendruck nachvollziehen, was aus ihrer Idee geworden ist. Ein besonderer Clou ist SwZ, die "Schulung wenn Zeit": Ist zwischendurch mal eine halbe Stunde Leerlauf, können die Mitarbeiter an den Computern interaktiv geschult werden.

RIF-Mitarbeiter Robert Refflinghaus hofft, dass die Hemmschwelle vieler Unternehmen vor dem vermeintlichen Elfenbeinturm Hochschule weiter sinkt. Dazu muss es für beide Seiten leichter werden, Kontakte zu knüpfen. Mit "nrw-wissenstransfer.de" sind die Hochschulen auf dem richtigen Weg.
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Service

Unter www.nrw-wissenstransfer.de können Sie im Internet die Forschungslandschaft NRW durchsuchen, Kooperationsangebote abfragen und persönliche Anfragen stellen.
Unter Telefon (0231) 755-2425, -6406 bzw. Fax (0231) 755-2327 erreichen Sie die Projektleiter Michael Asche und Ute Konz. Die e-mail Adresse lautet: info@nrw-wissenstransfer.de

Kontakt

nrw-wissenstransfer.de
Baroper Straße 283, 44227 Dortmund
Ute Konz, Telefon (0231) 755-6406; Michael Asche, Telefon (0231) 755-2425
Telefax (0231) 755-2327
E-mail: info@nrw-wissenstransfer.de

RIF
Joseph-von-Fraunhofer-Straße 20, 44227 Dortmund
Robert Refflinghaus, Telefon (0231) 9700-117; Telefax (0231) 9700-460
E-mail: robert.refflinghaus@lqw.mb.uni-dortmund.de

Brinkmann Pumps
Friedrichstraße 2, 58791 Werdohl
Ralf Barwinski (Qualitätsauditor), Telefon (02392) 5006-0; Telefax (02392) 5006-183
E-mail: R.Barwinski@BrinkmannPumps.de
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