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12-stündige Dauerlesung aus Werken der Augsburger "Bibliothek der verbrannten Bücher"

06.05.2010 - (idw) Universität Augsburg

48 Augsburger Bürgerinnen und Bürger lesen am 10. Mai 2010, dem 77. Jahrestag der "Bücherverbrennung", in der Synagoge Augsburg von 12.00 bis 24.00 Uhr gegen das Vergessen. Augsburg/KPP - 2009 hat die Universitätsbibliothek Augsburg die Bibliothek der verbrannten Bücher des Sammlers Georg P. Salzmann angekauft. Am 10. Mai 2010, dem 77. Jahrestag der sogenannten "Bücherverbrennung" von 1933 veranstaltet sie gemeinsam mit dem Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben in der Synagoge Augsburg (Halderstraße 6-8, 86150 Augsburg) eine 12-stündige Dauerlesung aus der Sammlung. 48 Augsburger Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich aktiv und lesen aus einem Werk ihrer Wahl vor. Der Eintritt ist frei.

Kurz nach der NS-Machtergreifung organisierte die "Deutsche Studentenschaft" gemeinsam mit der Hitlerjugend und unterstützt vom NS-Propagandaministerium in den meisten deutschen Universitätsstädten öffentliche Verbrennungen der Werke missliebiger Autoren. Daran an schloss sich dann das Verkaufsverbot für Werke jüdischer, liberaler, pazifistischer, sozialistischer und kommunistischer Schriftsteller und deren Verfolgung. Unzählige Werke wurden auf schwarze Listen gesetzt. Von den verbotenen Autoren arbeiteten viel zeitweise in Bayern, so etwa Bertolt Brecht, Thomas Mann, Jakob Wassermann, Oskar Maria Graf, Lion Feuchtwanger, Georg Toller oder Annette Kolb.

Konservieren und lebendig präsentieren

Das Gesamtwerk von 80 dieser verbotenen Autoren und ausgewählte Werke weiterer Schriftsteller hatte der Kaufmann Georg P. Salzmann in Erstausgaben gesammelt. Die Universität Augsburg konnte diese einzigartige Sammlung von insgesamt knapp 12.000 Büchern im vorigen Jahr ankaufen. Den Ankauf unterstützt haben zahlreiche Geldgeber, darunter die Stadt Augsburg, das bayerische Wissenschaftsministerium und der Augsburger Unternehmer Dr. Georg Haindl. Den Ausschlag für den Standort Universitätsbibliothek Augsburg gab nicht nur der Umstand, dass die Sammlung hier unter optimalen Bedingungen erschlossen und konserviert werden kann, entscheidend war vielmehr auch ein überzeugendes Konzept der UB Augsburg für die wissenschaftliche Nutzung der Sammlung und insbesondere für ihre lebendige Präsentation gegenüber einer breiteren interessierten Öffentlichkeit.

48 Mal rund 10 Minuten

Auch im Sinne solch einer lebendigen Präsentation veranstalten die UB Augsburg und das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben zum 77. Jahrestag der Bücherverbrennung in der Synagoge Augsburg am 10. Mai 2010 ein 12-stündiges "Lesen gegen das Vergessen". Rund 50 bekannte Augsburger Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung der Veranstalter gefolgt, eine Autorin oder einen Autor in einer kurzen Lesung von etwa zehn Minuten vorzustellen. In der Vorleserschaft vertreten sind Repräsentantinnen und Repräsentanten aus der Wissenschaft, der Kultur, der Politik, der Justiz, der Verwaltung, der Wirtschaft und aus mehreren Religionsgemeinschaften.

Zahlreiche Leserinnen und Leser aus der Universität und ihrem Umfeld

Als Angehörige der Universität Augsburg lesen neben Bibliotheksdirektor Dr. Ulrich Hohoff die Professor/inn/en Rolf Kießling und Marita Krauss (beide Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte), Eva Matthes (Pädagogik), Mathias Mayer (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft) und Susanne Popp (Didaktik der Geschichte). Auch Helmut Hartmann (Ehrensenator der Universität Augsburg und Stifter des Augsburger Wissenschaftspreises für Interkulturelle Studien), Dr. Georg Haindl (Stifter des Augsburger Universitätspreises für Versöhnung und Völkerverständigung), Hubertus Fürst Fugger Babenhausen (Mitglied des Augsburger Universitätsrates), Alexandra Holland, Regionalbischof Michael Grabow und Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger (Mitglieder des Kuratoriums der Universität Augsburg) sowie Miriam Friedmann und Dr. Friedhelm Katzenmeier (Tochter und Schwiegersohn des verstorbenen Ehrenbürgers der Universität Augsburg, Prof. Dr. Fritz Friedmann) zählen - wie der Sammler Georg P. Salzmann selbst - zu den Vorleserinnen und Vorlesern. Das Poster im Anhang gibt detailliert Auskunft, Auskunft, wer wann aus welchem Werk lesen wird.

Plakatausstellung und Kaffee und Kuchen

Begleitend zur Lesung zeigt das Jüdische Kulturmuseum eine Plakatausstellung zu den Geschehnissen im Mai 1933. Im Brunnenhof der Synagoge wird Kaffee und Kuchen gereicht.

Am 15. Juli werden die neuen Leseräume der "Bibliothek der verbrannten Bücher" eröffnet

In der UB Augsburg macht die seit deren Ankunft laufende Katalogisierung der rund 12.000 Bände der "Bibliothek der verbrannten Bücher" rapide Fortschritte. Die Eröffnung der neu gestalteten Leseräume für diese Sondersammlung kann deshalb bereits für den 15. Juli 2010 ins Auge gefasst werden, für den die Universität Augsburg anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens zu einem Tag der offenen Tür einlädt.

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Detailliertes Programm der "Lesung gegen das Vergessen" im Anhang
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Ansprechpartner:

Dr. Ulrich Hohoff
Universitätsbibliothek Augsburg
Telefon 0821/598 5300
dir@bibliothek.uni-augsburg.de

Dr. Benigna Schönhagen
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben
Telefon 0821/513658
office@jkmas.de
Anhang
Programm der Veranstaltung "Lesem gegen das Vergessen"
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