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Mit APFel der Terrorgefahr auf der Spur - Hochschule Ruhr West an Forschungsprojekt beteiligt

07.05.2010 - (idw) Hochschule Ruhr West

APFel Analyse von Personenbewegungen an Flughäfen mittels zeitlich rückwärts- und vorwärtsgerichteter Videodatenströme ist ein attraktives und anwendungsbezogenes Forschungsprojekt. Das Projekt beschäftigt sich unter anderem mit Video- und Bewegungsanalyse, Mustererkennung, Flughafensicherheit und Überwachungstechnik. Den Forschungsauftrag, um den sich einige sehr renommierte Institute beworben hatten, erhielt mit weiteren Projektpartnern das Institut Angewandte Informatik der Hochschule Ruhr West vom Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft. Nach dem vereitelten Anschlag am 1. Mai 2010 auf dem New Yorker Times Square fahndete die Polizei nach einem 40-jährigen Weißen. Die Fahndung war erfolgreich, ein Verdächtiger festgenommen. Er wurde am Tatort gefilmt von einer Überwachungskamera. Terrorgefahr und organisierte Kriminalität sind allgegenwärtig. Besonders gefährdet sind Bereiche, an denen sich viele Menschen bewegen: Öffentliche Plätze, Straßen und Flughafenterminals.

Terminals werden in Anbetracht anhaltender Terrorismusgefahr verstärkt videoüberwacht. Fachpersonal kontrolliert diese Videobilder in einem zentralen Leitstand. Wegen begrenzter Personal- und Betriebsmittel können nicht alle Überwachungskameras gleichzeitig, sondern nur in speziellen Zeitrastern, beobachtet werden: eine hohe Fehlerquelle.

Innerhalb eines Forschungsprojekts soll jetzt ein System entwickelt werden, das die Auswertung der Videodaten unterstützt: APFel ist die zeitlich rückwärts- und vorwärtsgerichtete Analyse von Personenbewegungen an Flughäfen mittels Videodaten.

Mit dem System können auffällig erscheinende Personen von einem Operator markiert werden. Durch das zu entwickelnde System sind diese dann einfacher über mehrere Kameras hinweg im Flughafen zu verfolgen, erklärt Prof. Dr. Uwe Handmann, Projektleiter und gleichzeitig Institutsleiter Angewandte Informatik. Ein Abgleich mit definierten typischen Bewegungsmustern erstellt dann Prognosen über den weiteren Weg dieser Person. Darauf folgt eine frühzeitige Einschätzung ihres Gefahrenpotentials. Heißt möglicherweise: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, so Handmann weiter. Das große Ziel des Forschungsprojektes: eine möglichst frühe, möglichst realistische Einschätzung des Gefahrenpotentials eine wesentliche Voraussetzung, um präventiv eingreifen zu können.

Ergebnis dieses Systems soll keineswegs eine flächendeckende Überwachung sein. Auch sollen nicht alle Personen verfolgt werden. Vielmehr soll die Datenauswertung der Videos als Folge eines singulären Ereignisses hin beschleunigt werden. Gegebenenfalls wird damit ein eintretender Schaden minimiert.

Ein Beispiel hierfür: Ein Terminal am Flughafen Washington, USA, musste komplett geräumt werden, weil ein am Ende tatsächlich ungefährlicher Mann Sicherheitsbarrieren überschritten hatte. Er wollte sich von seiner Freundin verabschieden. Der Operator am Bildschirm entdeckte den Übertritt. Der Mann war jedoch verschwunden und niemand wusste, wo er war und was er vorhatte. Das Ergebnis: Der Flughafen wurde geräumt. Ähnliches passierte in München: Ein Passagier verließ hektisch die Sicherheitskontrolle, um seinen Flug zu erreichen obwohl der Scanner verdächtiges Material erkannte hatte. Ergebnis: Auch hier wurde das Terminal geräumt.

Hier setzt APFel an: Entsteht eine kritische Situation kann der Operator schnell den Weg der Person (zurück)verfolgen, den Umständen entsprechend wird schnell und angemessen reagiert. Am Projekt APFel sind neben der Hochschule Ruhr West sieben weitere Forschungspartner beteiligt. Im Rahmen dieses Verbundprojektes möchte Prof. Dr. Uwe Handmann mit seinem Team ein assistierendes, unterstützendes System zur intelligenten Videoanalyse und Überwachung erforschen und entwickeln. Besonderer Schwerpunkt liegt in der Bilddatenanalyse. Das Ergebnis solcher Analysen ist unter anderem die video-basierte Personenerkennung und das Erkennen von Gesten und Gesichtsausdrücken oder auch atypischer Bewegungsmuster als Indiz für eine mögliche Gefahr.

Über Prof. Dr. Uwe Handmann
Nach seinem Studium der Nachrichtentechnik (1988-1991, Berufsakademie Stuttgart), Elektro- und Informationstechnik (1991-1995 Ruhr-Universität Bochum) war Uwe Handmann als wissenschaftlicher Angestellter und beratender Ingenieur im Bereich der Psychoakustik und des Sound-Design tätig. Ende 1995 wechselte er an das Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum. Dort betreute er verschiedene öffentlich geförderte und bilaterale Forschungsprojekte mit namhaften Unternehmen aus der Automobil- und der Automobilzulieferindustrie, mit dem Ziel, videobasierte intelligente Assistenzsysteme für Kraftfahrzeuge zu entwickeln. Am Institut für Neuroinformatik leitete Handmann ab 1999 die Arbeitsgruppe Bildverarbeitung. Im Jahr 2000 promovierte Uwe Handmann zum Dr.-Ing. und wechselte im September 2000 zur L-1 Identity Solutions AG. Dort leitete er eine Entwicklergruppe, welche sich mit der effizienten Umsetzung von neuen Algorithmen der Bildverarbeitung zur Personendetektion und -identifikation auf marktfähige Produkte beschäftigte. Parallel koordinierte Dr. Handmann eine Vielzahl öffentlich geförderter Forschungsprojekte auf nationaler, europäischer und außereuropäischer Ebene. Im Jahr 2008 berief die Fachhochschule Südwestfalen Dr. Handmann zum Professor womit er Leiter des Labors für Informatik und Medientechnik am Standort Meschede wurde.

Im März 2010 wechselte Prof. Dr. Uwe Handmann von der Fachhochschule
Südwestfalen, Hochschule für Technik und Wirtschaft, an die junge staatliche Hochschule Ruhr West. Dort leitet er das Institut Angewandte Informatik.

Über die Hochschule Ruhr West
Die Hochschule Ruhr West (HRW) ist eine junge staatliche Fachhochschule mit hohen Qualitätsstandards. Sie hat ihre Standorte in den Ruhrgebietsstädten Bottrop und Mülheim an der Ruhr. Der fachliche Schwerpunkt liegt auf den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Seit September 2009 studieren etwa 80 Studierende die Fächer Wirtschaftsingenieurwesen-Energiesysteme in Bottrop und Maschinenbau in Mülheim an der Ruhr. Zum Wintersemester 2010/2011 folgen die Studiengänge Angewandte Informatik, Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre


Pressekontakt:
Hochschule Ruhr West
Heike Lücking, Kommunikation & Marketing
Brunshofstraße 12, 45470 Mülheim an der Ruhr
Telefon: 0208 302 46-250, Mobil: 0151 5511 7234
E-Mail: luecking.heike@hs-ruhrwest.de

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