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Kreative Wissensökonomie: Netzwerke und Jobchancen wichtiger als weiche Standortfaktoren

10.05.2010 - (idw) Leibniz-Institut für Länderkunde

Persönliche Netzwerke und Jobangebote spielen bei den Standortentscheidungen kreativer Talente und Unternehmen eine wichtigere Rolle als kulturelle Vielfalt, Toleranz und Offenheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der EU geförderte Studie, die am 27. Mai unter Beteiligung von Geographen des Leibniz-Instituts für Länderkunde und der Ludwig-Maximilians-Universität München in Barcelona vorgestellt wird. Städte durch die Förderung von Toleranz und Offenheit attraktiv für kreative Wissensarbeiter zu machen, wird häufig als eine weltweit anwendbare Strategie angesehen. Wie Forscher im Rahmen des internationalen Projekts ACRE Accommodating Creative Knowledge. Competitiveness of European Metropolitan Regions within the Enlarged Union zeigen konnten, ist dieses von US-Wissenschaftlern entwickelte Modell indes nur bedingt auf europäische Städte übertragbar.

Persönliche Netzwerke maßgeblich für Standortwahl

Forscherteams aus 13 europäischen Städten (Amsterdam, Barcelona, Birmingham, Budapest, Dublin, Helsinki, Leipzig, Mailand, München, Posen, Sofia, Riga und Toulouse) haben in den vergangenen vier Jahren untersucht, ob Vielfalt und Toleranz die Entwicklungsdynamik von Städten und Regionen tatsächlich positiv beeinflussen können. Sie fanden heraus, dass diese Faktoren für die Standortentscheidung von kreativen Wissensarbeitern keine entscheidende Rolle spielen: In allen untersuchten Städten sind die vorhandenen persönlichen Netzwerke sowie die Jobangebote für kreative Wissensarbeiter die wichtigsten Motive; für Unternehmer sind die persönlichen Kontakte ausschlaggebend.

Im Vergleich zu den anderen europäischen Städten spielen für die kreativen Wissensarbeiter in Leipzig und München Jobchancen eine größere Rolle für ihre Standortwahl in München noch stärker als in Leipzig. Dann folgen persönliche Kontakte und erst an dritter Stelle die sogenannten weichen Standortfaktoren wie Toleranz, Vielfalt und Offenheit. Probleme sehen Münchens kreative Wissensarbeiter in den hohen Miet- und Lebenshaltungskosten. Hier kann Leipzig mit sehr günstigen Bedingungen punkten. Dagegen präsentiert sich der Arbeitsmarkt für Hochqualifizierte in München wesentlich günstiger als in Leipzig.

Geringe Mobilität in Europa

Wie die Wissenschaftler durch Befragungen weiter feststellen konnten, sind in Europa Kreative weniger mobil als ihre amerikanischen Kollegen, sodass man hier kaum von einer hypermobilen kreativen Klasse sprechen kann. Der Geburts- und Studienort, die Nähe zu Familie und Freunden sowie kulturelle und institutionelle Hürden spielen für Europäer eine entscheidende Rolle.

Die vier P

Das ACRE-Team hat für kreative und wissensintensive Branchen eine alternative Betrachtungsweise städtischer Förderpolitik herausgearbeitet, die vier Hauptkonzepte einschließt: historische Entwicklungspfade (pathways), spezifische Orte (places), persönliche Netzwerke (personal networks) und individuelle Besonderheiten (particularities). Im Unterschied zu den drei T Talent, Technologie, Toleranz des US-amerikanischen Regionalökonomen Richard Florida betont der vorgeschlagene theoretische Ansatz die Unterschiede zwischen Städten: Hauptstädte oder Nichthauptstädte, große und kleine, west- oder osteuropäische, spezialisierte oder multifunktionale Städte, Städte mit positivem oder negativem historischen Image, Städte mit starken Universitäten usw. Solche maßgeschneiderten Herangehensweisen werden nach den Erkenntnissen der Forscher den Realitäten europäischer Städte besser gerecht als pauschale Rezepte.

ACRE-Konferenz in Barcelona

Vom 27. bis 29. Mai 2010 findet in Barcelona eine internationale Konferenz Framing a Competitive Future statt, auf der Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger die wichtigsten Ergebnisse des ACRE-Projekts diskutieren. Außerdem wird in Barcelona das Buch Making Competitive Cities vorgestellt, das die Ergebnisse des Projekts zusammenfasst.


Ansprechpartner:

ACRE-Projektgruppe IfL, Leipzig
Dr. Bastian Lange
+49 (0)341 255-6569
b_lange@ifl-leipzig.de

ACRE-Projektgruppe LMU München
Dr. Anne von Streit
+49 (0)89 289 28331
anne.vonstreit@lmu.de
Weitere Informationen: http://wwww.ifl-leipzig.de http://acre.socsci.uva.nl
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