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Neuer Forschungsverbund: Wie China sich verändert

18.05.2010 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Chinas politische und wirtschaftliche Bedeutung wächst rasant. Welche Folgen das hat, untersucht ein neuer Forschungsverbund, den das Bundesforschungsministerium in den kommenden vier Jahren mit 2,5 Millionen Euro finanziert. Der Verbund ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme zur Stärkung der Regionalstudien (area studies) in Deutschland. Der Würzburger Sinologe Björn Alpermann koordiniert das Projekt. Chinas Gesellschaft verändert sich seit ein paar Jahren dramatisch vor allem in den Städten. Der wirtschaftliche Boom hat eine neue Schicht von Reichen und Superreichen hervorgebracht, denen eine große Gruppe von Armen gegenübersteht. Dazwischen ist mit Unterstützung der Kommunistischen Partei Chinas eine Mittelschicht in Entstehung, die der KP als stabile soziale Basis ihrer Herrschaft dienen soll.

Diese Veränderungen bleiben nicht ohne Konsequenzen: Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird in Chinas Städten einer enormen Belastungsprobe unterzogen, sagt Björn Alpermann. Der Sinologe ist Juniorprofessor für Contemporary Chinese Studies an der Universität Würzburg; er koordiniert seit Kurzem das vom Bundesforschungsministerium gestartete Kompetenznetz Regieren in China.

Würzburger Teilprojekt

Alpermann und seine beiden an dem Projekt beteiligten Mitarbeiter untersuchen, wie die neu entstehenden sowie die bereits existierenden sozialen Gruppen ihren Auf- oder Abstieg verarbeiten und welche Veränderungen in politischen Haltungen und Wertvorstellungen sich daraus ergeben. Dies wird für die zukünftige Stabilität des politischen Systems von entscheidender Bedeutung sein, so Alpermann. Das Team erforscht den Wandel sozialer Identitäten, der mit den laufenden Umschichtungsprozessen verbunden ist.

Wie die Wissenschaftler dabei vorgehen? Im ersten Schritt werden wir Interviews mit Angehörigen bestimmter sozialer Gruppen wie Arbeitern und städtischen Arbeitslosen durchführen, erklärt Alpermann. Später sollen Mitglieder weiterer Gruppen und Menschen aus anderen Gegenden befragt werden, um so Vergleiche möglich zu machen. Dafür kooperieren die Würzburger Sinologen mit dem Institut für Soziologie an der Pekinger Akademie der Sozialwissenschaften. Zwei Wissenschaftler der chinesischen Partnerorganisation werden zu unterschiedlichen Zeiten im Verlauf des Jahres 2010 in Würzburg zu Gast sein.

Kompetenznetz Regieren im Wandel

Chinas Veränderungen und deren Folgen wissenschaftlich zu erforschen, ist nicht das einzige Ziel, das das Kompetenznetz Regieren in China verfolgt. Geht es nach dem Bundesforschungsministerium, soll damit auch eine neue Generation von Chinaforschern in Deutschland entstehen, die auch politikwissenschaftlich geschult sind. In verschiedenen Teilprojekten, die an den Universitäten Duisburg-Essen, Trier und Tübingen sowie am Institute of Asian Studies in Hamburg angesiedelt sind, arbeiten deshalb etablierte Chinaforscher mit jungen Nachwuchswissenschaftlern zusammen und vertiefen Einzelfragen der Thematik Regieren in China.

Zugleich soll der Forschungsstandort Deutschland in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft sichtbar werden. Auf der Basis von Feldforschung in China, der Teilnahme an Konferenzen, der Ausrichtung internationaler Fachtagungen und Workshops sowie der Zusammenarbeit mit Gastwissenschaftlern aus China erhofft sich das Ministerium neue Beiträge zu laufenden Debatten in Politikwissenschaft und Chinaforschung. Für November 2010 ist eine erste internationale Tagung des Kompetenznetzes in Würzburg geplant.


Kontakt

Prof. Dr. Björn Alpermann, T: (0931) 31-88460, Bjoern.Alpermann@uni-wuerzburg.de
Weitere Informationen: http://www.sinologie.uni-wuerzburg.de/ Homepage der Sinologie an der Universität Würzburg
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