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Die Erhaltung der biologischen Vielfalt muss Ziel aller Politikbereiche werden

19.05.2010 - (idw) Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Globale Ausblick zur Biodiversität 3 (GBO3) des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt CBD bestätigt den weiteren Verlust der Biodiversität in vielen Ökosystemen überall in der Welt, auch in Deutschland. DIVERSITAS-Deutschland e.V. und Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung fordern deshalb, dass internationale und nationale Politik ihre Ziele den Erkenntnissen der Biodiversitätsforschung entsprechend anpassen und deren Umsetzung verbessern muss. Das bedeutet vor allem, nachhaltige Nutzungskonzepte breiter umzusetzen. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist nur eine der derzeitigen Bedrohungen der Biodiversität. Die Bilder von ölverschmierten Seevögeln sind jedem im Kopf. Doch es geht nicht nur um einzelne Tiergruppen ein gesamtes Ökosystem ist durch das Öl bedroht. Und damit sämtliche Ressourcen und so genannte Ökosystemdienstleistungen, die das Meer und das Mississippi-Delta der dort lebenden Bevölkerung zur Verfügung stellen. Fischfang, Tourismus, Wasserversorgung: All dies ermöglicht nur ein intaktes Ökosystem. Kippt es, fallen diese Dienste aus, und damit die Lebensgrundlage der Menschen.

Biodiversität zu schützen, bedeutet schon lange nicht mehr, nur einzelne Arten zu schützen. Denn diese haben nur eine Chance, wenn ihre Lebensräume erhalten bleiben. Die Abhängigkeit des Menschen von der Biodiversität bedeutet aber auch, dass ein Schutz nur durch eine nachhaltige Nutzung möglich wird, sprich eine Nutzung, die die Ökosysteme und ihre Leistungsfähigkeit auch für den Menschen nicht gefährden.
Der GBO3 macht deutlich, dass die Schutzziele deshalb nicht erreicht wurden, da sie nach wie vor nicht von allen Politikfeldern anerkannt und andere Prioritäten gesetzt werden. Es reicht nicht, wenn Biodiversitätsschutz allein Aufgabe der Umweltministerien ist. sagt Dr. Carsten Neßhöver vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des GBO3. Auch aus Sicht der Forschung ist hier ein so genanntes Mainstreaming, die Integration der Ziele zum Schutz und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität in alle Politikbereiche, unumgänglich. Und dies betreffe gerade solche, die auf die Nutzung von Naturgütern wie Boden und Wasser angewiesen seien, wie Landwirtschaft, Energie, Verkehr und Tourismus.

"Das geplante Bundesprogramm Biologische Vielfalt muss ambitionierte Ziele verfolgen."

Die von der Bundesregierung 2007 verabschiedete Nationale Biodiversitätsstrategie Deutschlands wird weltweit berechtigterweise als Vorbild für nationale Umsetzungsstrategien angesehen: Sie formuliert in zahlreichen Feldern ambitionierte und konkrete Ziele, die in vielen Bereichen auf guten wissenschaftlichen Grundlagen fußen. Doch auch die Umsetzung von Biodiversitätspolitik in Deutschland zeigt, dass die Verantwortung, die in der NBS für viele Aktionsfelder differenziert beschrieben ist, weiterhin von zahlreichen Politikbereichen nicht wahrgenommen wird. meint Neßhöver.

Ein großes politisches Potenzial sieht der Leipziger Geoökologe in dem von der Koalition geplantem Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Vorausgesetzt es wird auf wissenschaftlicher Basis entwickelt und umgesetzt. Ein Bundesprogramm muss im weiten Feld der Nationalen Biodiversitätsstrategie Prioritäten für das Handeln setzen und diese offensiv angehen. Ein Gießkannenprinzip auf alle Themenbereiche ist keine effektive Strategie. Daher müsse, wissenschaftlich basiert und zusammen mit Stakeholdern, eine Prioritätenliste für das Bundesprogramm erarbeitet werden. Biodiversitätsverlust betreffe schließlich alle und habe viele Treiber, die durch ein breites Set von Maßnahmen angesprochen werden müssten.

Hierfür haben Biodiversitätsforscherinnen und -forscher verschiedener Disziplinen in den letzten Jahren neue Methoden entwickelt, etwa die ökonomische Bewertung, und bessere Verfahren zur Erfassung von Veränderungen. Dazu kommen finanzielle Anreizsysteme in der Landwirtschaft für den Naturschutz. So liefert die Wissenschaft die notwendigen Grundlagen, Prognosen und Szenarien zur zukünftigen Entwicklung von Arten und Ökosystemen. Einige Beispiele aus den NeFo-Aktionstagen zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt zeigen dies eindrücklich. http://www.biodiversity.de/tagderbiodiversitaet

Prof. Elisabeth Kalko, Tropenökologin an der Universität Ulm und Vorsitzende von DIVERSITAS Deutschland e.V., warnt jedoch davor, tatenlos zu bleiben, solange Unsicherheiten in wissenschaftlichen Vorhersagen bestehen. Die Sicherheit der Vorhersage ist begrenzt. Ich halte daher die Arbeit an den Vorhersagen für wichtig, der Aspekt der Stabilisierung bzw. idealerweise der Reduzierung menschlicher Aktivität im Hinblick auf Störungen in Ökosystemen sollte jedoch auf keinen Fall aus den Augen verloren werden. meint sie im NeFo-Interview.

NeFo hat die aus wissenschaftlicher Sicht wesentlichen Botschaften des GBO3 zusammengefasst, die Sie im Anhang finden.

Unter http://www.biodiversity.de finden Sie weitere Experteninterviews und Forschungsprojekte zum Thema Wandel der Biodiversität.

Kontakt:
Sebastian Tilch
NeFo Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Tel: 0341 235 - 1062
Email: medien@biodiversity.de

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Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland ist ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland (www.diversitas-deutschland.de), gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Projekt wird maßgeblich durchgeführt durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ in Leipzig, das Museum für Naturkunde Berlin und die Universität Potsdam sowie die Mitglieder des DIVERSITAS-Deutschland Beirates. Weitere Informationen und Hinweise zum NeFo-Projekt und Team unter http://www.biodiversity.de

Weitere Informationen: http://www.biodiversity.de/index.php?option=com_content&view=category&la... - Botschaften des GBO3 aus Sicht der Forschung Anhang
Die Botschaft des GBO3 aus Sicht der Biodiversitätsforschung
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