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Tourismus das Ei des Kolumbus für die arabische Welt?

21.05.2010 - (idw) GIGA German Institute of Global and Area Studies

GIGA Focus Nahost (4/2010)
von Thomas Richter

Kostenloser Download: http://www.giga-hamburg.de/giga-focus/nahost Am 27. April 2010 fand auf Einladung von US-Präsident Obama eine Konferenz mit muslimischen Geschäftsleuten in Washington D.C. statt, auf der Maßnahmen zur Stärkung des Unternehmergeistes in der muslimischen Welt beraten wurden. Hinter diesen Bemühungen steht die in vielen Bereichen unzureichend ausgeprägte ökonomische Leistungsfähigkeit in Nordafrika und dem Nahen Osten. Andererseits verknüpft sich damit auch die Hoffnung, durch wirtschaftliche Entwicklung mittelfristig soziale und politische Modernisierungsprozesse anzustoßen. Eine signifikante Ausnahme in dieser Einschätzung bildet die arabische Tourismusindustrie, die sich zu einer der wichtigsten Quellen von Exporteinnahmen für die arabischen Staaten entwickelt hat.

Analyse

In keiner anderen Weltregion ist der Anteil der Tourismusexporte am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der letzten zehn Jahre so stark angestiegen wie in den Ländern der arabischen Welt. Insbesondere in vielen ressourcenarmen Staaten nimmt die Tourismusindustrie inzwischen einen Spitzenplatz unter den Exportsektoren ein.

In den ressourcenarmen Staaten bildete die Diversifizierung der eigenen Devisenquellen die zentrale Motivation zur Tourismusentwicklung. In den ressourcenreichen Monarchien am Golf entstand der Impuls zum Ausbau des Tourismussektors aus dem Wunsch nach ökonomischen Alternativen vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas.

In allen Fällen haben staatliche Institutionen entscheidende planerische und infrastrukturelle Vorleistungen erbracht.

Nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ist der Rückgang der internationalen Touristenzahlen in der arabischen Welt insgesamt geringer als in anderen Weltregionen. Dazu haben ein hoher Anteil von innerarabischem Tourismus und frühzeitig implementierte Maßnahmen- und Marketingpakete der nationalen Regierungen maßgeblich beigetragen.

Insgesamt zeigt sich der Entwicklungserfolg durch Tourismus jedoch ambivalent; ein weitreichender Effekt des Tourismusbooms auf Armutsreduzierung, Beschäftigung und endogene Wertschöpfungsprozesse ist nur schwer zu erkennen. Gleichzeitig unterstützt diese sektorale Transformation eine Selbstprivilegierung autoritärer politischer und ökonomischer Eliten.

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