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Gebührenkompass 2010: Zufriedenheit mit Studiengebühren steigt minimal Zahl der Gegner konstant Schulnote ausreichend: Ablehn

27.05.2010 - (idw) Universität Hohenheim

Im Schnitt geben Deutschlands Studierende ihren Universitäten in Sachen Gebühren-Zufriedenheit nur die Schulnote 4. Zu diesem Ergebnis kommt die bundesweite Studie Gebührenkompass der Universität Hohenheim mit mehr als 5.200 Einzelinterviews an allen 48 Universitäten mit Studiengebühren. Insgesamt hat sich die Gesamtzufriedenheit in den vergangenen zwei Jahren um eine halbe Schulnote leicht verbessert. Allerdings entspricht die Zahl der Gebührengegner mit rund zwei Dritteln in etwa dem Niveau der Vorjahre. Doch trotz latenter Unzufriedenheit geben auch mehr als 2/3 der Befragten an gerne an ihrer Universität zu studieren. Detaillierte Universitäts- und Studienbereichsauswertungen kündigt der projektleitende Lehrstuhl für Marketing I voraussichtlich ab dem 22. Juni 2010 an.

Rund drei Wochen lang hatten speziell geschulte Gebührenscouts der Universität Hohenheim alle 48 bundesdeutschen Universitäten mit Studiengebühren bereist. Am Ende hatten sie mindestens 100 Studierende an jeder Universität befragt. Die Auswertung basiert auf standardisierten Interviews, gestützt auf Fragebögen. Seit Einführung der Studiengebühren 2007 ist dies die vierte bundesweite Erhebung dieser Art, die unter Leitung von Prof. Dr. Markus Voeth am Lehrstuhl für Marketing I der Universität Hohenheim durchgeführt wird.

Schulnote Vier trotz leichter Verbesserung

Auf einer Noten-Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (sehr unzufrieden) konnten die Studierenden bewerten, wie zufrieden sie mit der Verwendung ihrer Studiengebühren an ihrer Universität sind. Im Bundesdurchschnitt wurden die Universitäten dabei mit 4,05 bewertet. Das heißt in Schulnoten gerade einmal ein ausreichend, sagt Prof. Dr. Voeth, Initiator und wissenschaftlicher Leiter der Studie.

Im Gegensatz zu den Vorjahren Schulnote 4,2 im Jahr 2009 und 4,6 im Jahr 2008 sei dies jedoch eine leichte Verbesserung. Die Umfragewerte präsentieren sich über Jahre hinweg zwar als sehr stabil, wenn auch mit einem anhaltenden, leichten Verbesserungstrend, resümiert Projektleiterin Jenny Richter.

Wichtigste Stellschraube, um die Zufriedenheit zu verbessern, ist nach Detailanalyse der Forscher die Verbesserung des Lehrangebots, gefolgt von mehr Transparenz in der Verwendung und der Verbesserung der Infrastruktur. Gleichzeitig zeigt die Detailanalyse, dass die größte Zufriedenheit beim Ausbau von Bibliotheken durch Studiengebühren herrscht. Die schlechtesten Noten gab es in Sachen Transparenz.

Spitzenreiter & Schlusslichter: Im Ländervergleich ist die Unzufriedenheit relativ einheitlich. Das beste Zeugnis bescheinigen die Gebührenzahler noch dem Bundesland Bayern mit der Note 4+ (3,8). Sehr groß ist der Unterschied zum Schlusslicht Niedersachsen aber nicht: dortige Universitäten bekamen eine vier minus (4,2).

Zwei Drittel lehnen Gebühren weiterhin ab

Trotz etwas besserer Werte bei der Zufriedenheit wollen rund zwei Drittel der Universitätsstudierenden Studiengebühren selbst mehrere Jahre nach ihrer Einführung nicht akzeptieren. Seit der Erstellung des Gebührenkompass 2007 haben sich die Akzeptanzwerte nur geringfügig verändert, sagt Co-Projektleiter Daniel Schwarz. Der Anteil der Gebührengegner liegt in diesem Jahr noch immer bei 63%.

Damit liege der Wert zwar drei Prozentpunkte unter dem von 2009 (66%), dennoch hat sich die Akzeptanz seit 2007 nicht verbessert. Bei der ersten Studie waren nur 60% der Studierenden gegen Studiengebühren an Universitäten. Vor diesem Hintergrund sei es auch nicht verwunderlich, dass aktuell 66% der Studierenden im Bundesdurchschnitt für eine generelle Abschaffung der Studiengebühren seien.

Spitzenreiter & Schlusslichter: Am schnellsten wieder loswerden möchten Hamburger Universitätsstudierende die ungeliebten Gebühren (73,8%). Unter den Nordlichtern gibt es mit 70,7% außerdem den größten Anteil an Gebührengegnern. Die wenigsten Gebührengegner macht die Studie in Baden-Württemberg fest (57,1%). Auch die Rufe nach Abschaffung der Gebühren sind hier deutlich leiser: der Anteil der Studierenden, die dies fordern, liegt in Baden-Württemberg bei 59,8%.

Über zwei Drittel sehen keine Verbesserung bei der Lehre

Einen Grund für die schlechten Noten sehen die Marktforscher darin, dass die Universitätsstudierenden nicht daran glauben, dass sich die Lehrbedingungen durch Studiengebühren verbessern. Nur 31,7% der Befragten geben an, dass es auf Grund von Studiengebühren bislang zu einer Verbesserung der Lehre gekommen sei, sagt Prof. Dr. Voeth. Darum müssten die Hochschulen darüber nachdenken, das Verwendungssystem völlig zu überdenken. Was zumeist fehlt, ist ein grundlegendes Konzept, wofür die Studiengebühren eingesetzt werden sollen. Vielmehr würden die Gebühren nur für Einzelmaßnahmen eingesetzt. Angesichts der Flut von Einzelmaßnahmen hat aber kein Studierender einen guten Überblick über die Verwendung der Gebühren. Vor lauter Bäumen sieht bei den Studierenden keiner mehr den Wald, meint Prof. Dr. Voeth.

Spitzenreiter & Schlusslichter: Dass Studiengebühren eine Verbesserung der Lehre gebracht haben glauben in Bayern am meisten Universitätsstudierende. Mit 43% liegen sie weit über dem Durchschnitt. Am wenigsten Universitätsstudierende glauben in Hamburg an eine Verbesserung der Lehre durch Studiengebühren: Dort sind es mit nur 23% ganze 20% weniger als in Bayern.

Trotz allem: Generell gute Noten für Studienqualität

Verwundert hat die Forscher, dass Studierende in Deutschland mit der Qualität und den Bedingungen ihres Studiums im Allgemeinen weit zufriedener sind, als die breite Unzufriedenheit mit der Verwendung ihrer Studiengebühren vermuten lässt: Erstmals fragte der Gebührenkompass in diesem Jahr auch die generelle Zufriedenheit ab. Immerhin eine 3+ (2,69) verpassten die Studierenden laut Studie im Durchschnitt der Qualität ihres Studiums.

Die Unzufriedenheit beim Thema Studiengebühren scheint sich in der Gesamtzufriedenheit mit dem Studium nicht in gleicher Weise widerzuspiegeln, so Voeths Analyse. Was die Studie auch an anderer Stelle untermauert: Die positive Grundeinstellung zum Studium zeigt sich auch daran, dass zwei Drittel der Befragten gern oder sehr gern an ihrer Universität studieren, erläutert Richter. Einziger Kritikpunkt der befragten Studierenden: Ein erheblicher Anteil aller Befragten empfindet das Studium als wenig praxisnah.

Spitzenreiter & Schlusslichter: Vergleichsweise einheitlich sind die Qualitäts-Beurteilungen, die Studierende verschiedener Bundesländer ihren Universitäten geben: So liegt Spitzenreiter Baden-Württemberg (Note 2,5) keine halbe Schulnote vor Schlusslicht NRW (Note 2,9). Deutlich auffälliger unterscheiden sich die Länder-Unis in der Frage, wie gern ihre Studierenden dort studieren: Bei Spitzenreiter Bayern liegt die Zahl der Studierenden, die sehr gerne dort studieren mit 32,5% doppelt so hoch wie in Hamburg mit 16,6%.

Informationspolitik wird zum Schlüsselparameter

Unsere aktuelle Erhebung bestätigt erneut den direkten Zusammenhang zwischen Informationspolitik und Akzeptanz, beziehungsweise Zufriedenheit, zieht Initiator Prof. Dr. Voeth Resümee. So zeigt sich, dass informierte Studierende mit einer Note von 3,8 signifikant zufriedener sind als nicht-informierte Studierende, die nur die Note 4,3 gaben, ergänzt der Marktforscher.


Universitäten können die Akzeptanz von Studiengebühren also steigern, wenn sie umfassend und qualitativ über die Verwendung der Gebühren informieren. Leider scheint es, als konnten die Universitäten im Vergleich zum Vorjahr hier noch nicht aufholen: Mit weiterhin rund 85% fühlt sich nach wie vor die weit überwiegende Mehrheit der Studierenden nicht ausreichend informiert, so Daniel Schwarz.

Spitzenreiter & Schlusslichter: Am besten informiert fühlen sich Studierende an bayrischen Universitäten. Sie schaffen es laut Studie auf einen Informations-Grad von 2
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