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Neues DFG-Schwerpunktprogramm zur Lanthanoid-Forschung wird mit 2,86 Millionen Euro gefördert

05.07.2003 - (idw) Freie Universität Berlin

Der Schneidbrenner wird mit einem Feuerzeug gezündet, die Schutzbrille aufgesetzt und der Stahlträger zerteilt. In dieser Situation sind Lanthanoide ("Seltene Erden") gleich drei mal beteiligt: im Feuerstein, in den Brillengläsern und der Stahllegierung. Die Liste der Anwendungsmöglichkeiten ist beachtlich, doch das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Im neuen Schwerpunktprogramm "Lanthanoidspezifische Funktionaliät in Molekül und Material" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird jetzt das Zukunftspotenzial der Elementgruppe erforscht. Damit sollen die Grundlagen für innovative Materialien geschaffen werden, die neue technische, chemische oder medizinische Anwendungen ermöglichen. Koordiniert wird das auf zunächst zwei Jahre angelegte und mit 2,86 Millionen Euro geförderte Programm von Prof. Dr. Peter Roesky, Freie Universität Berlin, und Prof. Dr. Rhett Kempe, Universität Bayreuth. Das interdisziplinäre Forschungsprogramm beginnt Ende 2003.

Die 14 Metalle der Lanthanoid-Gruppe sind außerordentlich vielseitig nutzbar. Ob MiniDisc, Kopfhörer oder Kontrastmittel für die Kernspintomografie: Hier werden sie für das Lasermaterial, die Permanentmagneten oder als Leuchtstoffaktivator eingesetzt. In Fernsehgeräten und Computern bringen sie Rot und Grün auf den Bildschirm, absorbieren Neutronen in Kernkraftwerken, sorgen in Öfen für die Selbstreinigung und erzeugen Strahlung für tragbare Röntgengeräte ohne Elektrizität.

Die im elementaren Zustand silbrig glänzenden und weichen Metalle sind dem Lanthan ähnlich (Lanthanoid) - sie haben vergleichbare chemische Eigenschaften und sind sehr reaktionsfähig. Der Begriff "Seltene Erden" bezeichnet im engeren Sinne die Oxide der Metalle. Er ist irreführend, da einzelne Lanthanoide ebenso häufig in der Erdkruste sind wie Kupfer und Nickel oder sie kommen häufiger vor als Gold, Silber und Platin.

Die chemische Forschung mit Lanthanoiden ist in Deutschland gut etabliert und auch international sehr erfolgreich. Um neuartige chemische beziehungsweise physikalische Möglichkeiten auszuloten, muss aber das vorhandene Forschungspotenzial wirksamer als bisher konzentriert und kombiniert werden. Deshalb setzen Peter Roesky und sein Bayreuther Kollege auf interdisziplinäre Herangehensweisen. In dem DFG-geförderten Projekt werden Festkörper- und Molekülchemiker sowie Physiker zusammenarbeiten. Außerdem ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses Bestandteil des Programms.

Das wissenschaftliche Programm umfasst vier Teilbereiche, in denen unter anderem die Entwicklung neuer hochspezifischer Reagenzien für die Synthese organischer Verbindungen und Naturstoffe, neue multifunktionelle Katalysatoren oder neue optische Hochleistungs- und Magnetwiderstandsmaterialien untersucht wird.

Von Matthias Manych

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Peter Roesky, Institut für Chemie (Bereich Anorganische Chemie) der Freien Universität Berllin, Fabeckstr. 34-36, 14195 Berlin, Tel.: 030 / 838-54004, E-Mail: roesky@chemie.fu-berlin.de
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