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Laborgebäude verbraucht künftig nur noch halb so viel Energie - Modellcharakter für andere Zentren

05.07.2003 - (idw) Forschungszentrum Jülich in der Helmholtz-Gemeinschaft

Im August werden die Wissenschaftler des Instituts Phytosphäre in ihr Laborgebäude einziehen können, das derzeit umgebaut wird. Insbesondere durch innovative Raumluft-Technologien, aber auch durch eine verbesserte Wärmedämmung und neue Fenster wird das Gebäude dann Vorbild in Sachen Energieverbrauch sein. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit unterstützt die energetische Sanierung, die als Muster für viele ältere Laborgebäude dienen soll.

Das Laborgebäude 6.2 auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich besteht aus einem Erdgeschoss und zwei Obergeschossen, hat eine Bruttogrundrissfläche von rund 3720 Quadratmetern und stammt aus den Siebzigerjahren. Der Energieverbrauch entsprach ungefähr dem von 225 Altbauwohnungen.

Nach der Sanierung wird der Energieverbrauch des Gebäudes nur noch 40 bis 50 Prozent des ursprünglichen Wertes betragen. Der Heizwärmebedarf wird sogar auf ein 20stel des bisherigen Wertes reduziert. Einziehen werden Forscher, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Umwelt beschäftigen. Der Leiter des Instituts Phytosphäre, Prof. Dr. Ulrich Schurr, freut sich: "Zum einen erhalten wir ein Gebäude, in dem wir physiologische, molekularbiologische, analytische und physikalische Untersuchungen gleichermaßen gut durchführen können. Zum anderen entspricht das Gebäude dem Gedanken der Nachhaltigkeit, dem sich unser Institut verpflichtet fühlt."

Bei der Sanierung wurde die Wärmedämmung der Fassade und des Daches verbessert, unter anderem durch Abriss der Kragarme und -platten, die für Wärmeverluste verantwortlich waren. Außerdem wurden Fenster eingesetzt, die extrem wenig Wärme durchlassen. "Doch den größten Beitrag zur Energieeinsparung leistet die Raumlufttechnik, die im Gebäude zum Einsatz kommt", erläutert Projektleiter Bernd Kauert von der Betriebsdirektion des Forschungszentrums Jülich. Beispielsweise wird die Abluft auf dem Dach zusammengeführt und die Wärme zurückgewonnen. Wird ein Labor nicht wie üblich genutzt - etwa nachts -, wird die Leistung der Lüftung gezielt abgesenkt. Feine Kapillarrohrmatten in den Decken und Wänden kühlen besonders effizient einzelne ausgewählte Labore, weil dort viele Geräte und Lampen Wärme produzieren. Im Seminarraum und einigen Büros zeigen Sensoren an, wie frisch die Luft ist, und geben so eine objektive Entscheidungshilfe, ob Fenster geöffnet werden sollten oder nicht. Lassen die Mitarbeiter in den Büros auf der Südseite die Jalousien herunter, weil die Sonne zu stark einstrahlt, so leiten die Jalousien einen Teil des Lichts an die Raumdecke und sorgen so für eine indirekte natürliche Beleuchtung.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) fördert die Sanierung mit Mitteln des Programms "ENSAN: Energetische Verbesserung der Bausubstanz". Viele Laborgebäude sind auf Grund ihres Alters, der technischen Ausstattung und der notwendigen Lüftungssysteme ausgesprochene Hochverbraucher. Angesichts einer Vielzahl von Laborgebäuden aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, so auch in anderen Forschungsinstituten der Helmholtz-Gemeinschaft, und den heutigen technischen Möglichkeiten ergibt sich insgesamt ein bedeutsames Einsparpotenzial. "Doch bisher mangelt es an modellhaften Sanierungen, die zur Orientierung und Motivation anderer Laborbetreiber dienen", sagt Jürgen Gehrmann vom Projektträger Jülich, der das Programm ENSAN im Auftrag des BMWA betreut.

Das Beispiel "Laborgebäude Phytosphäre" soll dazu beitragen, dass die Informationsdefizite vieler Laborbetreiber abgebaut werden. Es gilt, ihnen den aktuellen Stand der Technik sowie die Kosten und den Nutzen einer Sanierung vor Augen zu führen. Das ENSAN-Projekt wird deshalb nicht abgeschlossen sein, wenn die Phytosphären-Forscher in ihre runderneuerte Arbeitsstätte eingezogen sind: Experten des Solar-Institutes Jülich der Fachhochschule Aachen werden etwa zwei Jahre lang Messungen durchführen und das Gebäude mittels Simulationsrechnungen analysieren. So kann die technisch-energetische Qualität der Sanierung erfasst, beurteilt und optimiert werden. Außerdem werden Wissenschaftler der Programmgruppe Systemforschung und Technologische Entwicklung die Maßnahmen wirtschaftlich, ökologisch und soziologisch bewerten. Letztlich soll ein Sanierungsleitfaden für Laborgebäude entstehen. Darin wollen die Projektpartner die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen so aufbereiten, dass sie auf die Sanierung anderer Labore anwendbar sind.


(Bildlegenden)
Demontage der Kragarme und -platten, die früher große Wärmeverluste verursachten (s. Thermoaufnahme). Auf dem Dach wird die Raumluft zusammengeführt und die Wärme zurückgewonnen.

Weitere Informationen für die Presse:

Mechthild Hexamer, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich, www.fz-juelich.de
Tel. 02461 61-4661, Fax 02461 61-4666, m.hexamer@fz-juelich.de

Peter Schäfer, Stellvertretender Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich, www.fz-juelich.de
Tel. 02461 61-8028, Fax 02461 61-8106, p.schaefer@fz-juelich.de
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