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"Neue Dialektometrie": DFG verlängert interdisziplinäres Projekt von Augsburger Linguisten und Ulmer Stochastikern.

30.05.2010 - (idw) Universität Augsburg

Ziel ist eine einfach handhabbare Software zur Analyse der geographischen Verteilung von sprachlichen und anderen Kulturdaten. Augsburg/StE/KPP - Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen Antrag zur Fortsetzung des interdisziplinären Projekts "Neue Dialektometrie mit Methoden der stochastischen Bildanalyse" für weitere zwei Jahre bewilligt. Damit ist die Finanzierung des im Juni 2008 begonnenen Gemeinschaftsprojekts des Lehrstuhls für deutsche Sprachwissenschaft der Universität Augsburg (Sprecher: Prof. Dr. Stephan Elspaß) und des Instituts für Stochastik der Universität Ulm bis zum Abschluss gesichert.

Ziel des Projekts ist es, mit Hilfe der mathematischen Morphologie und räumlichen Statistik eine neue Methodologie für die Analyse von räumlich aufgelösten sprachlichen Daten zu entwickeln. Grundlage für die Arbeit sind die Daten des an der Universität Augsburg unter Leitung von Prof. Dr. Werner König entstandenen, rund 2700 Karten in 14 Bänden umfassenden "Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben" (SBS). Er zählt zu den umfangreichsten Sprachatlanten der Welt, für das Deutsche gibt es keinen größeren. An diesen Daten sollen die Methoden erarbeitet und die Programme erprobt werden. Das breite Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten des zu entwickelnden Systems soll sich vor allem im Bereich des Zusammenhanges von sprachlichen Eigenschaften und geographischer Verbreitungstypologie zeigen.

In der ersten Projektphase wurden die linguistischen und mathematischen Grundlagen geschaffen, um die geolinguistischen Daten von Wortkarten verarbeiten und die Ergebnisse interpretieren zu können. Mit Hilfe automatisierter statistischer Methoden können nun aus den Ursprungsdaten Flächenkarten erzeugt werden, die eine notwendige Abstraktion und Interpretationshilfe darstellen. Mit ihrer Hilfe wird ein Index für jedes sprachliche Merkmal berechnet, der die Struktur der räumlichen Verbreitung seiner Varianten beschreibt. Die Flächenkarten und der Strukturindex eröffnen nun zahlreiche weitere Analysemöglichkeiten. So kann etwa die Bedeutung außersprachlicher Faktoren, wie etwa Besiedelungsstruktur oder Geländetypologie, durch eine Analyse der Flächenkarten auf den Prüfstand gestellt werden.

Die exemplarisch beschriebenen Möglichkeiten des zu entwickelnden Systems eröffnen der Sprachforschung durch die Automatisierung und Objektivierung komplexer Interpretationsverfahren ganz neue Perspektiven, insbesondere in Bezug auf verbreitungstypologische Strukturen und Sprachwandelphänomene. Auf der Agenda der zweiten Phase des Projekts stehen die Anwendung der erarbeiteten Analysemethoden, d. h. die Überprüfung entsprechender Hypothesen anhand des Materials des SBS, die Ausdehnung der Anwendbarkeit des Systems auf weitere Kartenbereiche sowie die Programmierung einer graphischen Bedienoberfläche.

Der wissenschaftliche Ertrag dieses Unternehmens liegt dabei zunächst weniger in der Lösung konkreter dialektologischer Fragestellungen als im methodologischen Fortschritt, der sich aus der schnellen, nach einheitlichen Maßstäben erfolgenden Analyse geographischer Strukturen und deren quantitativer Bewertung ergibt.

Am Ende des Projekts soll ein Softwaresystem stehen, das auch auf andere Arten von Kulturdaten anwendbar ist, die geographische Verteilungen zeigen und das eine einfach handhabbare Benutzeroberfläche bietet.

Projektbearbeiter sind in Augsburg Prof. Dr. Stephan Elspaß, Prof. Dr. Werner König, Simon Pickl, M.A. sowie Simon Pröll, M.A. und in Ulm Prof. Dr. Volker Schmidt, Prof. Dr. Evgeny Spodare, Dipl.-Math.oec. Jonas Rumpf, Dipl.-Math. Daniel Meschenmoser und Dipl.-Math. Henrik Haßfeld.
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Projekt-Homepage:

http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/p...


Ansprechpartner:

Prof. Dr. Stefan Elspaß
Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-2775
stefan.elspass@phil.uni-augsburg.de
Weitere Informationen: http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/p...
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