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Zwischen Bett, Bildung und Berufung

05.07.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Interdisziplinäre Tagung zu Frauen in der Gesellschaft um 1800 vom 9.-11. Juli an der Universität Jena

Jena (04.07.03) "Stark emotional aufgeladen", so charakterisiert PD Dr. Siegrid Westphal von der Friedrich-Schiller-Universität Jena die zwischenmenschlichen Beziehungen um 1800. Es ist die Blütezeit der Romantik, die Zeit der engen Freundschaftsbünde. Die Liebesheirat wird propagiert und rüttelt am Fundament der Zweckehe. Das "emotionale Reizklima" befördert neue Formen der Geschlechterbeziehungen. Gerade Weimar-Jena erweist sich hier als "Experimentierfeld", berichtet die Leiterin eines Projektes im Sonderforschungsbereich "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800". Die bürgerlichen Schichten um 1800 werden zum "Trendsetter" und die Weimar-Jenaer Gesellschaft zum Katalysator. Dadurch wandelt sich die Rolle der Frauen in Familie und Gesellschaft überhaupt. Die interdisziplinäre Tagung "Handlungsspielräume von Frauen um 1800", die vom 9. bis 11. Juli an der Universität Jena stattfindet, spürt diesen gesellschaftlichen Veränderungen nach.

Uneheliche Lebensgemeinschaften und Dreiecksbeziehungen, Heiraten und Scheidungen, die in rascher Folge vollzogen werden - "Das ist nicht zuletzt auf eine Lockerung der rechtlichen Bestimmungen für Ehescheidungen zurückzuführen", weiß die Jenaer Historikerin - sind nur einige der Symptome des gesellschaftlichen Wandels. Frauen nutzen die Gunst der Stunde. "Sie schreiben, publizieren, betreiben Handel, schließen Verträge und treten vor Gericht als Klägerinnen auf," berichtet Julia Frindte. "Bedenkt man", so die Tagungsorganisatorin, "dass die immer noch geltende Geschlechtsvormundschaft den Frauen eigentlich das selbstständige Agieren in der Gesellschaft verbietet, erkennt man die immense historische Bedeutung der Zeit um 1800 und des Kulturraumes Weimar-Jena."

Die Witwe Johanna Schopenhauer, die Mutter des bekannten Philosophen, entschließt sich nicht von ungefähr, 1806 aus der Großstadt Hamburg ins kleine Weimar zu ziehen. Gerade hier etabliert sie ihren Teesalon, wo sich die "großen Köpfe" treffen. Hier beginnt sie zu schreiben und hier werden ihre Werke verlegt. Wie sie sind auch andere Frauen als Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen oder Malerinnen tätig. Bildung für Frauen ist en vogue: Sie sind als Literatur-Rezipientinnen gefordert und werden als Produzentinnen populärer Gattungen wie Reiseliteratur oder Romane gefördert. "Studium und Gelehrsamkeit bleiben jedoch Männersache", zeigt Siegrid Westphal die Grenzen auf. Warum dies so war, ist nur eine der Fragen, die auf der Jenaer Tagung diskutiert werden. Ob als unverheiratete Künstlerinnen oder künstlerisch tätige Gattinnen, Händlerinnen oder Regentinnen, ob in Stadt oder Land, Ober- oder Unterschicht, welche gesellschaftlichen Spielräume die Frauen nutzten und wo sie an ihre Grenzen stießen, versucht die Tagung auszuloten. Zum Abendvortrag "Literarische Geselligkeit - Neue Handlungsspielräume für Frauen um 1800?" von Prof. Barbara Becker-Cantarino (Columbus/USA) am 9. Juli, 18.15 Uhr, im Hörsaal 235 des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Das Tagungsprogramm findet sich im Internet unter: http://www2.uni-jena.de/ereignis/fr_tagung.htm


Kontakt:
PD Dr. Siegrid Westphal und Julia Frindte M.A.
Teilprojekt A4 des SFB 482 "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800" an der Universität Jena
Humboldtstr. 34, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944056
E-Mail: swestphal3@yahoo.de oder jjfrindte@yahoo.de
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