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Umschlagplätze der Kritik - Textedition Herbert Ihering

21.06.2010 - (idw) Universität Leipzig

"Umschlagplätze der Kritik" bietet eine Auswahl größtenteils nicht mehr zugänglicher Texte Herbert Iherings (1888-1977), die erstmals die Vielfalt seines kulturpolitischen Wirkens zeigt. Ihering zählt zu den wichtigsten Theaterkritikern der Weimarer Republik. Mit seinen Veröffentlichungen äußert er sich von 1909 an zu Theater, Gesellschaft und Kultur und beeinflusst diese in fünf Staatssystemen bis kurz vor seinem Tod. Die Edition ist ein Ergebnis eines DFG-Forschungsprojekts am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. Günther Heeg.

Zur Edition

Herbert Ihering gilt als prägender Theaterkritiker der Weimarer Republik. Doch wird damit nur ein Bruchteil seiner kulturpolitischen Aktivitäten erfasst: Als einer der bekanntesten kritischen deutschen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts beteiligte er sich an den verschiedensten Debatten um das Verhältnis von Politik, Kultur, Kritik und künstlerischer Praxis. Mit der Text-Edition »Umschlagplätze der Kritik« wird erstmals die kulturhistorische Kontextualisierung von Iherings Tätigkeit gewagt und seine aktive kulturpolitische Teilhabe jenseits des Tagesgeschäfts Theaterkritik erschlossen. Erfahrbar wird ein produktiver Kritiker, der gerade in Zeiten der Veränderung Kunst nicht von Gesellschaft trennt. Dabei liegt das Augenmerk auf zwei markanten Umbruchszeiten: den Jahren vor 1933 und nach 1945. Es werden meist unveröffentlichte Reden, Rundfunkgespräche wie -vorträge Iherings präsentiert, und somit in historischen Zu-sammenhängen die ganze Bandbreite seines Wirkens exemplarisch ermessen. Die ausgewählten Texte zeigen Iherings kulturelle Vermittlungsarbeit in ihrer Kontinuität - und all ihren Widersprüchen.
Der Edition ist ein umfangreicher Kommentarteil beigegeben, der »Umschlagplätze der Kritik« gleichermaßen zu einem leicht handhabbaren Arbeitsbuch wie zu einem spannenden Zeitdokument werden lässt.

Das Forschungsprojekt

Heute ist Herbert Ihering weitgehend unbekannt. Vor rund 80 Jahren haben sein Einfluss und sein Ruhm Theatertalente etablieren können. Zu ihnen gehören Bert Brecht, Erwin Piscator und Werner Krauß. Sein Leben hat Ihering vor allem dem Kampf für das Theater gewidmet. Für ein Theater, das im Mittelpunkt der Gesellschaft steht, das sie spiegelt und in Bewegung bringt.
Um die Arbeit Herbert Iherings der Wissenschaft zu erschließen, hatte Prof. Dr. Theo Girshausen vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig im August 2005 einen Projektantrag bei der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht, dessen Finanzierung im März 2006 für zwei Jahre zugesagt wurde.
Doch bevor die Arbeit beginnen konnte, stand das Institut für Theaterwissenschaft unerwartet vor einer ebenso besonderen wie traurigen Situation: Theo Girshausen starb am 25. März 2006.

Die Leitung des Projekts übernahm Prof. Dr. Günther Heeg. Das Forschungsteam Dr. Corinna Kirschstein, Sebastian Göschel und Fee Isabelle Lingnau erarbeitet seit März 2007 einen Blick auf den "anderen Ihering". Das Schaffen Iherings bewegt sich nämlich nicht nur in den Grenzen von Weimarer Republik, Theater und Zeitung. Es weist weit mehr auf als Theaterkritiken, den öffentlichen Schlagabtausch mit Alfred Kerr und die Begeisterung für Brecht. Ihering überlebte die Weimarer Republik immerhin um 44 Jahre - und war in dieser Zeit weiterhin produktiv: Während des Dritten Reichs war er publizistisch tätig, bis er aus der Reichspressekammer ausgeschlossen wurde; er arbeitete für das Ton-Bild-Syndikat (TOBIS) und seit 1942 als Dramaturg am Wiener Burgtheater.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er zwar in Westberlin wo er u.a. noch für "Die Zeit", "Die andere Zeitung" und den "Spiegel" tätig war, doch unterstützte und beeinflusste er als Grenzgänger vor allem die Kulturlandschaft der jungen DDR.

Als erste Veröffentlichung der Forschungsarbeit erscheint nun die Text-Edition »Umschlagplätze der Kritik«. Ende 2010 erscheint eine Biographie zu Herbert Ihering unter dem Titel: ÜBERLEBEN in Umbruchszeiten. Drei biographische Essays zu Herbert Ihering, herausgegeben von Corinna Kirschstein, Sebastian Göschel und Fee Isabelle Lingnau.


Herbert Ihering: Umschlagplätze der Kritik. Texte zu Kultur, Politik und Theater. Herausgegeben von Corinna Kirschstein, Sebastian Göschel und Fee Isabelle Lingnau. Vorwerk 8, 296 Seiten, 19 Euro. ISBN 978-3-940384-23-2

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Günther Heeg
Telefon: +49 341 97-30400
E-Mail: mueller_konferenz@gmx.de

Fee Isabelle Lingnau
Telefon: +49 341 97-30 400
E-Mail: lingnau@uni-leipzig.de
Weitere Informationen: http://www.uni-leipzig.de/~theater
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