Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 31. Mai 2020 

Internationale Migranten fühlen sich in Zittau wohl

21.06.2010 - (idw) Leibniz-Institut für Länderkunde

Zuwanderer aus Polen, Tschechien und vielen anderen Ländern arbeiten und leben gern in Zittau und den umliegenden Gemeinden. Zu diesem positiven Ergebnis kommen Prof. Dr. Joachim Burdack und sein Team vom Leibniz-Institut für Länderkunde aus Leipzig in einer aktuellen Studie. Ausländische Einwanderer fühlen sich in Zittau und seinem Umland sehr schnell heimisch. Das haben Befragungen ergeben, die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) im Rahmen der europaweit vergleichenden Studie DERREG im Dreiländereck Deutschland, Tschechien, Polen durchgeführt haben. Die zu DDR-Zeiten eingewanderten Gastarbeiter haben sich durch eigene Familiengründung eine neue Heimat geschaffen und sind gut in die lokale Gemeinschaft integriert, aber auch die nach der Wende aus dem Ausland Zugezogenen fühlen sich hier sehr wohl, fasst IfL-Projektleiter Prof. Joachim Burdack die Ergebnisse zusammen.

Als Gründe für die Zufriedenheit mit den Arbeits- und Lebensbedingungen in der rund 22.000 Einwohner großen Grenzstadt nannten die Interviewpartner die freundliche und hilfsbereite Atmosphäre unter den Bewohnern, die günstigen Lebenshaltungskosten und die gegenüber ihren Heimatregionen ausgezeichneten schulischen Bildungsangebote für ihre Kinder. Außerdem schätzen viele der Befragten das Zittauer Gebirge als attraktives Ausflugsgebiet. Problematisch empfanden die Arbeitsmigranten lediglich die teils abweisende Behandlung, die sie auf Ämtern und Behörden erfahren.

Im Rahmen der Studie wurden Personen vom einfachen Gastronomie-Angestellten bis zum Professor am Internationalen Hochschulinstitut Zittau (IHI) befragt. Obwohl die Ergebnisse statistisch nicht repräsentativ sind, spiegeln sie doch die persönlichen Einschätzungen ausländischer Migranten wider. Insbesondere die Studenten und Mitarbeiter des IHI, aber auch andere höher qualifizierte Zuwanderer tragen durch ihre vielfältigen Kontakte und weit gespannten Netzwerke zu einer Internationalisierung der Region bei, unterstreicht Prof. Burdack die Bedeutung der ausländischen Zuzügler, die nach Auskunft der Stadtverwaltung Zittau aus insgesamt 55 Ländern kommen.

Dementsprechend bunt ist auch die Palette der Nationalitäten, mit der es die Leipziger Forscher bei ihren Interviews zu tun hatten: Sie konnten Statements von Polen, Tschechen, Niederländern, Bulgaren und Türken ebenso auswerten wie die von Migranten aus Vietnam, Iran, Mozambique und China. Die Region wird in der Zukunft immer stärker auf internationale Migranten angewiesen sein, ist sich Burdack sicher. Im Bereich der medizinischen Versorgung und der Altenpflege fangen Fachkräfte aus Tschechien und Polen schon heute den zunehmenden Fachkräftemangel auf, so der IfL-Wissenschaftler. Die Experten gehen davon aus, dass sich der Ausländeranteil von derzeit lediglich rund zwei Prozent in den nächsten Jahren deutlich erhöhen muss, wenn Zittau den Auswirkungen des demographischen Wandels, den Herausforderungen der Globalisierung wie auch der Konkurrenz im nationalen Städtewettbewerb erfolgreich begegnen will.

Burdack und seine Kollegen raten deshalb den politischen Akteuren der Stadt Zittau und den umliegenden Gemeinden zu einer Politik, die gezielt darauf ausgerichtet sein sollte, die Attraktivität für ausländische Zuwanderer weiter zu verbessern. Aufgeschlossenheit gegenüber den neuen Mitbürgern und Weltoffenheit könnten dazu beitragen, in der Konkurrenz um gut ausgebildete Fachkräfte zu punkten. Vor allem periphere Regionen müssten hier verstärkte Anstrengungen unternehmen; anderseits biete die direkte Nachbarschaft zu Tschechien und Polen auch Vorteile gerade für den grenzüberschreitenden Austausch von Arbeitskräften. Nach Einschätzung der IfL-Experten ist die Region Zittau auf einem guten Weg: Den meisten Arbeitsmigranten gefällt es hier so gut, dass sie dauerhaft bleiben wollen. Sie fühlen sich von der lokalen Bevölkerung akzeptiert, viele beteiligen sich aktiv am örtlichen Vereinsleben oder engagieren sich in Ehrenämtern.

Die Stadt Zittau mit ihrem Umland ist eine von insgesamt zehn europäischen Beispielregionen, die im Rahmen des Projekts DERREG untersucht werden. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen der Globalisierung auf ländlich geprägte Regionen. DERREG steht für Developing Europes Rural Regions in the Era of Globalization. Anhand der Ergebnisse ihrer Analysen hoffen die Wissenschaftler, regionalen Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konkrete Handlungsempfehlungen geben zu können. Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms über einen Zeitraum von drei Jahren (2009-2011) gefördert.


Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Joachim Burdack, Leibniz-Institut für Länderkunde, Tel. +49 (0)341 600 55-111, J_Burdack@ifl-leipzig.de, oder an Robert Nadler, Tel. +49 (0)341 600 55-140, R_Nadler@ifl-leipzig.de.
Weitere Informationen: http://www.ifl-leipzig.de http://www.derreg.eu
uniprotokolle > Nachrichten > Internationale Migranten fühlen sich in Zittau wohl
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/199728/">Internationale Migranten fühlen sich in Zittau wohl </a>