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Institutioneller Transformationsprozess der Gemeinsamen Agrarpolitik erforderlich

23.06.2010 - (idw) Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

IAMO Forum 2010 beleuchtete neue Formen von Governance in der Agrarwirtschaft Vom 16.-18. Juni richtete das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) das IAMO Forum 2010 aus. Insgesamt 115 Teilnehmer aus 22 Nationen, darunter Gäste aus China, Finnland, Kasachstan, Südkorea und der Ukraine, waren zu der internationalen Konferenz nach Halle gereist, um sich über Institutions in Transition Challenges for New Modes of Governance auszutauschen.

SECHS KEYNOTE-VORTRÄGE, 18 PAPER UND NEUN POSTER WURDEN PRÄSENTIERT
Eine der wichtigsten Institutionen im Transformationsprozess der europäischen Landwirtschaft ist die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union selbst. so Martin Petrick, Amt. Leiter der Abteilung Rahmenbedingungen des Agrarsektors und Politikanalyse, die das diesjährige Forum federführend organisiert hatte, in seinem Konferenzschlusswort. Unter Institutionen versteht man in der politischen Ökonomie alles vom Vertragsrecht und Netzwerken bis hin zu Verwaltung, Kooperationen und Märkten; also all jene Dinge, die die Spielregeln einer Gesellschaft oder eines Teilbereiches wie der Landwirtschaft bestimmen. Weiteres Ergebnis der Konferenz: Viele der derzeit diskutierten globalen Herausforderung erscheinen als alte Fragen in neuem Gewand. Beispielsweise hat das Phänomen land grabbing, also großflächiger Landkauf oder pachtung ausländischer Investoren, einen großen Einfluss auf die künftige Ressourcennutzung eines Landes. Eine Schlüsselrolle bekommt dabei die Frage, ob die Agrarentwicklung dieses Landes durch bäuerliche Familienbetriebe oder durch industrialisierte Großbetriebe geprägt sein soll. Diese Frage stand jedoch bereits im Zentrum der agrarpolitischen Debatten des beginnenden 20. Jahrhunderts und hat die Agrarökonomie seither intensiv beschäftigt. Sofern kleinbäuerliche Strukturen dominieren, stellt sich immer wieder neu die Frage nach Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Betrieben, um diese Zersplitterung zu überwinden etwa zur Verbesserung des Marktzugangs in China oder Russland. Welche Bandbreite an methodischen Ansätzen von Forschern angewendet werden, zeigten die vielfältigen Konferenzbeiträge. Neben den drei Plenarsitzungen auf denen sechs Keynote-Vorträge gehalten wurden, wurden insgesamt 18 Paper und neun Poster präsentiert. Die Themen reichten hier von den Wechselbeziehungen zwischen Einkommen, Netzwerken und sozialem Stigma oder dem Vertragswesen im ungarischen Milchsektor bis hin zum Effekt der Bioenergieproduktion auf ländliche Entwicklung und Beschäftigung in Finnland. Nahezu alle Beiträge der Konferenz sind auf http://forum2010.iamo.de/ als Download verfügbar.

GEMEINSAME AGRARPOLITIK DER EUROPÄISCHEN UNION
Ein Höhepunkt der Konferenz war die Plenarsitzung zu Formulation and design of policies mit Dr. Tassos Haniotis, Leiter der Direktion Economic Analysis, Perspectives and Evaluations der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission, und Prof. Dr. Emil Erjavec, Leiter des Lehrstuhls für Agrarpolitik an der Universität Ljubljana, Slowenien. Haniotis ist bei der Kommission verantwortlich für die Evaluation agrarpolitischer Maßnahmen und war u. a. Mitglied des Kabinetts von Franz Fischler. In seinem Vortrag: "The CAP reform process in perspective: issues of the post-2013 debate" erläuterte er die 2013 anstehenden GAP-Reformen. Haniotis machte deutlich, wie die drei Handlungsarenen der GAP, Märkte, Direktzahlungen und ländliche Entwicklung, durch die Budgetbeschränkungen der Kommission, die Wirtschaftskrise sowie die Herausforderungen des Klimawandels beeinflusst werden. Von zentraler Bedeutung für die laufende Reform seien solche institutionellen Veränderungen, die die Hauptziele der GAP langfristig sichern könnten: Stabilisierung der landwirtschaftlichen Einkommen, die Bereitstellung öffentlicher Güter sowie die Begleitung des Strukturwandels im Agrarsektor. Die Implementierung der Maßnahmen werde aber immer schwieriger, da die Differenzen zwischen den Mitgliedsstaaten immens seien. Erjavec hat als ehemaliges Mitglied diverser Expertengruppen sowie der Verhandlungsgruppe Sloweniens für das Kapitel Landwirtschaft beim EU-Beitritt seines Landes weitreichende Expertise in der Europäischen Agrarpolitik. In seinem Vortrag " Determinants, discourses and dilemmas of EU Common agricultural policy: A political economy approach" wies er darauf hin, dass die Zielstellung der Gemeinsamen Agrarpolitik der breiten Öffentlichkeit oftmals nicht wirklich klar ist. Er erwartet, dass nach 2013 das Budget für Agrarmaßnahmen im Gesamtbudget der EU zwar reduziert wird, es aber in absoluten Zahlen kaum gekürzt werde. Bei den Direktzahlungen prognostiziert Erjavec eine graduelle Anpassung dahingehend, dass den einzelnen Mitgliedsländern mehr Spielraum bei der Verteilung der Mittel eingeräumt werde. Die herkömmlichen Maßnahmen der ländlichen Entwicklungsförderung stellte er grundsätzlich in Frage. Stattdessen sollten die Belange der neuen Mitgliedsstaaten der EU und das Ziel Armutsbekämpung eine höhere Priorität erhalten. Neben der Plenarsitzung befasste sich auch eine Podiumsdiskussion mit der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Auf dem Podium saßen Prof. Dr. Alfons Balmann vom IAMO, Prof. Dr. Lubica Bartova von der Agraruniversität im slovakischen Nitra, Prof. Dr. Emil Erjavec sowie Dr. Matthew Gorton von der Universität Newcastle, Großbritannien. Die Leitfrage der Podiumsdiskussion, ob die GAP-Maßnahmen allen Mitgliedsstaaten gerecht werden, wurde von allen Referenten verneint. Stattdessen sei eine entwicklungspolitische Agenda erforderlich, die den ärmsten Regionen der EU zu mehr wirtschaftlicher Prosperität verhelfe.

SONDERVERANSTALTUNGEN ZU STAATSLANDMANAGEMENT UND KOREA
Weiterhin gab es beim diesjährigen IAMO Forum eine Sonderveranstaltung zum erfolgreichen Management staatlicher landwirtschaftlicher Flächen vor dem Hintergrund von Klimawandel, steigendem globalen Wettbewerb für landwirtschaftliche Rohstoffe, Migration und demographischer Entwicklung. Ausrichter waren die BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs) GmbH, die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH und das IAMO. Außerdem stand eine Zusatzveranstaltung zum Thema Korea der nächste Transitionskandidat? auf dem Programm. Gäste aus Südkorea, von der Kangwon National University Korea (KNU), vom Korea Rural Economic Institute (KREI) sowie der Ewha Womans University erläuterten ihre Sicht auf die aktuelle Situation der Landwirtschaft in Nord- und Südkorea. Abschluss der Konferenz war auch in diesem Jahr eine Exkursion. Am Beispiel der Saalestadt wurden Fragen der Regional- und Strukturentwicklung aus historischer und heutiger Sicht erläutert. Dabei ging es zunächst um die natürliche Ressource Salz als Motor der Strukturentwicklung für die Region. Die Salzquellen hatten Halle bis ins 18 Jahrhundert eine bedeutende Position in Deutschland gesichert. Mit der industriellen Entwicklung wurde die Region zu einem Standort für Maschinenbau und später der Chemieindustrie. Auf ein aktuelles Problem bei der künftigen Strukturentwicklung machte Dr. Rainer Lüdigk vom in Halle ansässigen Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung in seinem Vortrag aufmerksam. Im Zuge des demographischen Wandels werde die Region einen deutlichen Bevölkerungsrückgang der Menschen im erwerbsfähigen Alter erleben; eine Entwicklung die auch für die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung der Region nicht ohne Folgen bleiben werde. Hier seien kluges Handeln und innovative Ideen gefragt, um gut ausgebildete junge Leute in der Region zu halten. Die Fragen des Forums, nach dem Zusammenspiel von Institutionen und Transformationsprozessen, werden auch die Region Halle noch weiter beschäftigen. Unterstützt wurde das IAMO Forum 2010 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG, dem Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt, der Wirtschaftsförderung der Stadt Halle, der BIONADE GmbH und dem Obsthof am Süßen See.


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