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Experten fordern mehr Lehrpersonal für Bachelor- und Masterstudiengänge in Molekularen Biowissenschaften

30.06.2010 - (idw) Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Studiengänge in den molekularen Biowissenschaften sind bei Studierenden sehr begehrt. Die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) kommt zu der Einschätzung, dass wichtige Schritte bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge gelungen sind. Sie sieht aber einen entscheidenden Reformbedarf für einen fächerübergreifenden Unterricht in Kleingruppen und fordert dringend, dafür mehr Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen. Uneingeschränkt unterstützt wird diese Forderung auch vom Arbeitskreis Hochschule des Dachverbandes der Deutschen Biowissenschaftler, dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO). Inzwischen wurden in Deutschland die Diplomstudiengänge in den molekularen Biowissenschaften unter erheblichem Arbeitsaufwand erfolgreich durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. Vor dem Hintergrund der intensiven öffentlichen und inneruniversitären Diskussionen zum aktuellen Stand der Reform halten wir es für erforderlich, das Erreichte darzustellen, kritisch zu bewerten und eine Empfehlung für Verbesserungen zu geben.
Trotz der zahlreichen Änderungen im Vergleich zu den Diplomstudiengängen sind die von vielen befürchteten Verwerfungen nicht eingetreten: An fast allen Hochschulorten hat sich ein sechssemestriger Bachelorstudiengang gefolgt von einem viersemestrigen Master¬studiengang bewährt. Der Regelabschluss ist in den molekularen Biowissenschaften der Master, meist gefolgt von einer Promotion. Für Absolventen der Bachelorstudiengänge gibt es derzeit noch keinen Arbeitsmarkt. Deshalb müssen alle Bachelorabsolventen, die von den Hochschullehrern als geeignet befunden wurden, einen Masterstudienplatz erhalten.
Trotz der positiven Bilanz gibt es Reformbedarf. Vielfach und zu Recht wird bemängelt, dass einzelne Lehrveranstaltungen der Bachelor- und Master¬studiengänge mit einer Fülle von Einzelfakten überfrachtet sind und dass eine hohe Zahl von Prüfungsleistungen abverlangt wird. Die Regelung, dass nach jedem Lehrveranstaltungs¬modul und nicht wie früher z.T. nach Jahren in Form einer Vordiplom- oder Diplomprüfung geprüft wird, hat ihre Vorteile; jedoch konditioniert diese Regelung häufig das Auswendiglernen nicht zusammenhängender Fakten. Um diesen Mangel zu beheben, sollte spätestens im Masterstudium mehr Zeit zur Verfügung stehen, Brücken zwischen den Einzelfächern zu schlagen. Anwendung des Wissens auf komplexe biowissenschaftliche Fragestellungen soll die dauerhafte Verankerung des Stoffes im Gedächtnis ermöglichen und die Erkennung von Querbeziehungen fördern. In den neuen Studiengängen wird derzeit noch zu wenig berücksichtigt, dass die erfolgreiche Beantwortung einer Fragestellung in der beruflichen Praxis häufig vom synergistischen Einsatz eines breiten Wissensspektrums abhängt. Fachübergreifendes integratives Denken ist wichtiger als übermäßige Spezialisierung.
In den Studienplänen muss deshalb ohne Ausweitung des bisherigen Lehrvolumens ausreichend Zeit dafür eingeplant werden, dass die Studierenden die Fähigkeit erlernen können, biowissenschaftliche Problemstellungen aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln zu lösen. Das dafür erforderliche Lernen in kleinen Gruppen wird jedoch bisher durch den Mangel an Lehrpersonal verhindert. Die notwendige intensive Betreuung erfordert die Verstärkung der Lehrkörper. Die Experten von GBM und VBIO rufen daher die Ministerien der Länder auf, die vorgeschlagenen Maßnahmen zu unterstützen und die sogenannten Betreuungsfaktoren und Kapazitätsberechnungen entsprechend anzupassen.


Kontakt: Prof. Dr. Jürgen Alves, Sprecher des Arbeitskreises Studium Molekulare Biowissenschaften, der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie Institut für Biophysikalische Chemie, Medizinische Hochschule Hannover, 30625 Hannover, Tel.: 0511 5323703; Email: Alves.Juergen@mh-hannover.de

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