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Hochschulmedizin in der Diskussion - Ergebnisse der Sommersitzungen des Wissenschaftsrates (Berlin, 30.06. - 02.07.2010)

05.07.2010 - (idw) Wissenschaftsrat

In seinem jährlichen Bericht zu aktuellen Tendenzen im deutschen Wissenschaftssystem widmete sich der Vorsitzende des Wissenschaftsrates dieses Mal der Hochschulmedizin, die durch ihre Verschränkung mit dem Gesundheitssystem eine Sonderstellung in der Wissen­schaft einnimmt. Professor Peter Strohschneider zeigte in seinen Ausführungen übergreifende Trends und Entwicklungen auf, denen der Wissenschaftsrat bei seinen künftigen Empfehlungen und Stellungnahmen zur Hochschulmedizin Rechnung zu tragen habe. So führe die ange­spannte Lage der öffentlichen Haushalte durch einen erhöhten Finanzdruck zu direkten Auswirkungen auch auf die universitätsmedizinischen Standorte. Die vielerorts verschärften ökonomischen Rahmenbedingungen stellten eine Herausforderung für die Sicherstellung der wissenschaftlichen Qualität dar. Angelehnt an die zuletzt mit großer öffentlicher Wirksamkeit geführte Debatte um einen allgemeinen Landarztmangel machte Strohschneider auf spezifi­sche Verteilungsprobleme (Hausarzt Facharzt, Stadt Land) in der medizinischen Grundver­sorgung der deutschen Bevölkerung aufmerksam, die den Rückschluss auf einen generellen Ärztemangel jedoch nicht zuließen. Eine grundsätzliche Frage sei in diesem Zusammenhang, welche Gesundheitsversorgung überhaupt ausreichend erscheine in einer Gesellschaft, in der das körperlich gesunde Leben zu einem absoluten Höchstwert geworden sei. Abschließend kam Strohschneider auf die konkreten Konsequenzen zu sprechen, die aus den finanz- und gesundheitspolitischen Veränderungen zu ziehen seien, für die medizinische und medizinnahe Ausbildung zum Einen, für die Gesundheitsforschung zum Anderen. Es gehöre zu den traditio­nellen Kernaufgaben des Wissenschaftsrates, Fragen auf der systemischen Ebene der Hochschulmedizin zu stellen und zu beantworten. In diesem Fall, so kündigte er an, werde der Wissenschaftsrat sich im Rahmen seines neuen Themas Hochschulische Qualifikationen für das Gesundheitswesen mit der künftigen Ausbildung des Gesundheitspersonals an den Hochschulen beschäftigen.

Zu Gast in seiner Vollversammlung hatte der Wissenschaftsrat Professor Jörg Hacker, Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina - Nationale Akademie der Wissen­schaften. Hacker referierte über Aufgabenprofil und Beschäftigungsfelder der Nationalen Akademie.

Zu den Ergebnissen der Sitzungen:

Der Wissenschaftsrat empfiehlt den deutschen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen, sich für Kooperationen im Europäischen Forschungsraum stärker zu öffnen und ihn prägend mit zu gestalten. Bund und Länder müssen hierfür die erforderlichen rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört, dass sie die Spiel­räume der Einrichtungen für ihr Engagement in Europa etwa durch die Möglichkeit erweitern, mehr Mittel auch europäisch oder international zu verausgaben.

In seiner Stellungnahme zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem betont der Wissenschaftsrat den hohen Stellenwert der Fachhochschulen für den Hochschul- und Wissen­schaftsstandort Deutschland. Auf der Basis einer Bewertung der Entwicklungen im letzten Jahr­zehnt empfiehlt das Beratungsgremium von Bund und Ländern, verstärkt auf die Potenziale dieses Hochschultyps zu setzen.

In seinen diesjährigen Empfehlungen zur Förderung von Forschungsbauten an Hochschu­len befürwortet der Wissenschaftsrat 13 Vorhaben mit Gesamtkosten von 435,4 Millionen Euro. Die Projekte sind von nationaler, teilweise auch internationaler Bedeutung und befassen sich mit aktuellen Fragestellungen aus unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten. In diesem Jahr waren überwiegend Anträge aus den Ingenieur- und Lebenswissenschaften erfolgreich.

Mit der Konzeptprüfung bietet der Wissenschaftsrat künftig den Ländern und nichtstaatlichen Hochschulen ein Verfahren an, Konzepte zur Gründung einer Hochschule wissenschaftsgeleitet und transparent zu beurteilen. Die Konzeptprüfung ersetzt die bislang angebotene Konzeptak­kreditierung und soll bereits in einem frühen Stadium einer Hochschulgründung - vor allem, bevor diese ihren Studienbetrieb aufnimmt - den Ländern und den Hochschulgründern eine Orientierung geben, ob und wie ein Konzept vor der ersten befristeten staatlichen Anerken­nung weiterentwickelt werden sollte.

Im Rahmen der Institutionellen Akkreditierung wurden sechs Verfahren beraten. In allen Fällen gelangte der Wissenschaftsrat zu einem positiven Akkreditierungsvotum. Akkreditiert wurden die geplante Hochschule Euro-Business-College Dresden, die Fachhochschule Dresden i.Gr., die Fachhochschule für Oekonomie & Management (FOM) mit Hauptsitz in Essen, die Munich Business School (MBS), die nta Hochschule Isny sowie die SRH Fernhochschule Riedlingen.

Der Wissenschaftsrat hat sich dafür ausgesprochen, die Rolle der Ambulanzen innerhalb der Universitätsmedizin sowohl durch eine verbesserte Ausrichtung auf die universitären Belange, als auch durch eine aufgabenadäquate Einbindung in das Versorgungssystem zu stärken. Anregungen aus der Wissenschaft aufgreifend hat er sich auf Initiative des Bundes und der Länder mit der strategischen Bedeutung der ambulanten Versorgung in den verschiedenen Feldern der Universitätsmedizin befasst.

Hinweis: Die genannten Empfehlungen und Stellungnahmen werden in unserer Datenbank als Volltext veröffentlicht (bitte Suchbegriff oder Drucksachennummer eingeben), sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post(at)wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
Weitere Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-ab-1980/

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