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Weltweit größte Untersuchung zu Entzündung der Regenbogenhaut bei Kindern

22.07.2010 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Wertvolle Daten zu Epidemiologie und Verlauf der Uveitis im Kindesalter / Heidelberger Augenärztin erhält EUPIA-Publikationspreis Prognose und Therapie einer Entzündung der Regenbogen- bzw. Aderhaut (Uveitis) haben sich im Vergleich zu früheren Studien verbessert. Trotzdem sind Kinder von erheblichen Komplikationen betroffen, die die Sehkraft beeinträchtigen können. Das sind Ergebnisse der bisher größten Studie, für die Daten von insgesamt 527 erkrankten Kindern retrospektiv über zehn Jahre analysiert wurden. Die European Uveitis Patient Interest Association (EUPIA) verlieh Dr. Friederike Mackensen, Oberärztin und Studienkoordinatorin am Uveitiszentrum der Universitätsaugenklinik Heidelberg, anlässlich des Internationalen Ophthalmologen Kongresses vom 5. bis 9. Juni 2010 in Berlin den EUPIA-Publikationspreis für ihre grundlegende, klinische Arbeit. Das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro ging an die Erstautorin.

In Deutschland leiden etwa 100.000 Menschen an einer Uveitis, davon sind zehn Prozent Kinder und Jugendliche. Die Uvea (Aderhaut) ist die sehr gefäßreiche Schicht zwischen Netzhaut und Bindehaut und ist für die Ernährung und Funktion des Auges sehr wichtig. Die Erkrankung tritt als lokale Entzündung der Gefäßhaut des Auges auf, ist aber auch häufig Ausdruck eines Krankheitsbildes, das den ganzen Körper betrifft, z.B. eines Rheumas. Die Ursachen sind vielfältig, u.a. Störungen des Immunsystems. Um eine gezielte Therapie einleiten zu können, müssen Fachärzte aus verschiedenen Disziplinen eng zusammenarbeiten. Typisch ist ein langwieriger Verlauf über viele Jahre mit häufigen Rückfällen. Die Entzündungen können auch auf andere Teile des Auges übergreifen und bleibende Hornhautschäden, Linsentrübungen oder Netzhautdefekte verursachen. Die Uveitis ist eine der häufigsten Gründe dafür, dass Patienten im erwerbsfähigen Alter erblinden.

Prognose und Therapie haben sich verbessert

Die aktuelle Studie, die in Zusammenarbeit mit dem National Eye Institut in Maryland, USA, entstand, ist mit 527 Patienten weltweit die bisher größte Fallserie von Kindern mit Uveitis. Die Daten wurden retrospektiv über zehn Jahre ausgewertet. Es ergaben sich daraus wertvolle Erkenntnisse für Prognose und Therapie: 70 Prozent der Kinder behielten eine gute Sehschärfe von besser als 0,5 auf der Dezimalskala. Bei einer Uveitis im hinteren Augenbereich allerdings erblindeten 15 Prozent der Betroffenen. 20 Prozent der Kinder mussten im Beobachtungszeitraum operiert werden, die meisten am grauen Star. Den meisten Patienten konnten die Ärzte mit einer immunsuppressiven und anti-entzündlichen Therapie über einen längeren Zeitraum helfen. Etwa sechs Prozent profitierten von neuen, sehr wirksamen Medikamenten, den sogenannten Biologika, die aber aufgrund des fehlenden Zulassungsstatus, ihrer unbekannten Langzeitwirkungen und den hohen damit verbundenen Kosten bisher nicht bei vielen Patienten eingesetzt werden. Im Vergleich mit älteren Zahlen aus der Literatur verbesserte sich die verbleibende Sehschärfe, und die Komplikationsraten nahmen ab. Wir führen das auf wirksamere verfügbare Medikamente zurück. Ob die Biologika die Behandlungserfolge weiter steigern, bleibt abzuwarten. Sie werden erst seit dem Jahr 2000 zunehmend eingesetzt, so Mackensen.

Uveitis eine Spezialisierung mit komplexen Anforderungen

Der Publikationspreis ist bereits zum zweiten Mal an Frau Mackensen verliehen worden: 2008 erhielt sie die Auszeichnung für eine Veröffentlichung, in der Daten von Patienten mit der Symptomenkombination Uveitis und Nierenentzündung untersucht wurden. Das Thema Uveitis begeisterte mich von Anfang an, weil es eine schöne Schnittstelle darstellt zwischen klinischer Medizin und Laborforschung und weil es aufgrund der komplexen Krankheitsbilder den Kontakt zu anderen Fachdisziplinen erfordert, erklärt die Heidelberger Augenärztin. Während eines Forschungsaufenthaltes in Oregon (USA) vertiefte sie ihre Fachkenntnisse und knüpfte internationale Kontakte. Mackensen ist Oberärztin des Uveitiszentrums Heidelberg und leitet auch die wöchentliche Kinder-Uveitissprechstunde.

EUPIA-Publikationspreis

Die European Uveitis Patient Interest Association (EUPIA) ist ein Zusammenschluss verschiedener nationaler Interessenverbände mit dem Ziel Patientenanliegen zu vertreten und Forschung für eine bessere Therapie der Uveitis zu unterstützen. Der Publikationspreis war ursprünglich von der Deutschen Uveitis Arbeitsgemeinschaft (DUAG) ins Leben gerufen worden und wird jährlich von einer Jurorengruppe vergeben, der ausgewiesene Uveitis-Spezialisten angehören. Die Juroren bewerten alle gesichteten Publikationen unabhängig voneinander mit einem Punktesystem. Ausgezeichnet werden jeweils die drei besten Publikationen zur Grundlagen- und klinischen Forschung im Bereich der Uveitis.

Literatur:
Epidemiology and course of disease in childhood uveitis. Smith JA, Mackensen F, Sen HN, Leigh JF, Watkins AS, Pyatetsky D, Tessler HH, Nussenblatt RB, Rosenbaum JT, Reed GF, Vitale S, Smith JR, Goldstein DA. Ophthalmology, 2009, 116(8): 1544-1551.

Enhanced recognition, treatment, and prognosis of tubulointerstitial nephritis and uveitis syndrome. Mackensen F, Smith JR, Rosenbaum JT. Ophthalmology, 2007 114(5): 995-999.

Weitere Informationen im Internet:
www.uveitiszentrum.de
www.duag.org

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.


www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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