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Chemotherapeutisches Forschungsinstitut Frankfurt/Main: Kein Kandidat für die Blaue Liste

15.07.2003 - (idw) Wissenschaftsrat

Der Wissenschaftsrat hat das Chemotherapeutische Forschungsinstitut (Georg-Speyer-Haus) in Frankfurt/Main auf Wunsch des Landes Hessen evaluiert. Dem Institut können zwar gute wissenschaftliche Leistungen bescheinigt werden, aber das Kriterium der überregionalen Bedeutung ist nicht erfüllt. Der Wissenschaftsrat hat deshalb Bund und Ländern nicht empfohlen, das Institut in die Leibniz-Gemeinschaft (WGL)/Blaue Liste aufzunehmen.

Das Georg-Speyer-Haus bearbeitet Fragestellungen der Grundlagenforschung in der Tumorbiologie und Infektionsbiologie. Ziel ist die Entwicklung neuer Therapieverfahren und die Umsetzung der Ergebnisse der Grundlagenforschung in angewandte klinische Projekte, sogenannte translatorische Forschung. Aufgrund der Fortschritte in der biomedizinischen Forschung ist die translatorische Forschungsausrichtung heute von besonderer Bedeutung. Sie bildet die Grundlage für die Entwicklung neuer Heilverfahren und Medikamente.

Der Wissenschaftsrat hat dem Institut eine enorme Aufbauleistung und überwiegend gute, zum Teil auch sehr gute Forschungsarbeiten in der biomedizinischen Grundlagenforschung bescheinigt. "Das Institut ist nach einer strukturellen und personellen Neuausrichtung in wenigen Jahren zu einer leistungsstarken und anerkannten Einrichtung gewachsen. Das Engagement der Wissenschaftler sowie die Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind beispielhaft", betonte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Karl Max Einhäupl.

Trotz der guten wissenschaftlichen Leistung sieht der Wissenschaftsrat die Kriterien für eine Aufnahme in die Blaue Liste zur Zeit als nicht erfüllt an: Das Ziel, Ergebnisse der Grundlagenforschung in klinische Projekte umzusetzen, konnte bisher nur ansatzweise erreicht werden. Die Forschungsthemen sind zu stark diversifiziert. Außerdem sieht der Wissenschaftsrat das Alleinstellungskriterium als nicht erfüllt an, denn im Vergleich zu anderen auf dem Forschungsgebiet tätigen Einrichtungen nimmt das Georg-Speyer-Haus keine herausgehobene Position im Bereich der translatorischen Forschung ein. Der Wissenschaftsrat sieht daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine überregionale Bedeutung und kein gesamtstaatliches wissenschaftspolitisches Interesse für die Förderung des Georg-Speyer-Hauses und empfiehlt das Institut nicht zur Aufnahme in die Blaue Liste.

Vom Institut dargelegte Pläne zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung zu einem spezialisierten Zentrum der translatorischen Forschung in der Tumor- und Infektionsforschung sind noch nicht entscheidungsreif. Geplant ist die Gründung eines Frankfurter Instituts für Molekulare Medizin und Experimentelle Therapie (FIMMET). Es soll die am Standort bestehenden Einrichtungen für Krebsforschung und -therapie zu einem Kompetenzzentrum zusammenfassen und ausbauen.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt Land und Institut ein prüffähiges Konzept zu erarbeiten.


Hinweis: Die Stellungnahme zum Chemotherapeutisches Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus, Frankfurt am Main (Drs. 5739/03) wird im Netz (www.wissenschaftsrat.de) als Volltext veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates schriftlich oder per Email (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
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