Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 30. Oktober 2014 

Hanna-Jursch-Preis für Heidelberger Doktorarbeit

17.07.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Christiane Kohler-Weiß erhält den Preis der Evangelischen Kirche in Deutschland für ihre Promotionsarbeit zum Thema Schwangerschaftsabbruch - Preisverleihung im Rahmen der Promotionsfeier der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg - 23. Juli 2003, 12.00 Uhr, Aula der Alten Universität

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeichnet die Dissertation "Schutz der Menschwerdung. Der Schwangerschaftsabbruch als Thema evangelischer Ethik im deutschsprachigen Raum seit 1950" mit dem Hanna-Jursch-Preis 2003 aus. Die Preisträgerin Christiane Kohler-Weiß wurde an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg promoviert. Ihre Arbeit versteht sich als Darstellung, Analyse und Weiterentwicklung einer evangelischen Ethik des Schwangerschaftsabbruchs.

Mit dieser Arbeit breche sie das lange Schweigen evangelischer Theologinnen zum Thema Schwangerschaftsabbruch, so die 39-jährige Theologin. Frauen hätten sich von diesem Diskurs bisher weitgehend fern gehalten. Das Thema rücke ihnen besonders nahe auf den Leib, so dass es schwer sei, die für die Wissenschaft nötige Distanz einzunehmen. Auch in der latenten Abwertung von Frauen in vielen Beiträgen zur ethischen Diskussion um den Schwangerschaftsabbruch vermutet die Autorin einen Grund.

"Normen büßen ihre Verbindlichkeit nur dann nicht ein, wenn sie aufgrund unserer Lebenserfahrung Sinn machen", betont die Preisträgerin im Hinblick auf eine christliche Ethik des Schwangerschaftsabbruchs. Eine Ethik, die das soziale Erleben schwangerer Frauen ignoriere, sei weder sinnvoll noch sachgemäß. Frauen stünden unter dem Druck, Kinder in die berufliche Lebensplanung einzupassen. Konflikte hierbei müssten "individuell, sozialverträglich und möglichst unauffällig" gelöst werden. Die hohe Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen sei dabei der Preis für entsprechende gesellschaftliche Wertvorstellungen, so Kohler-Weiß in ihrer Studie.

Besonders problematisch ist nach Auffassung der Autorin, dass Schwangerschaftskonflikte durch vorgeburtliche Routineuntersuchungen oft erst produziert werden. Die Entscheidungsfreiheit der schwangeren Frau beinhaltet ihrer Meinung nach kein Recht auf Kenntnis der genetischen Ausstattung des Kindes. Aus christlicher Sicht impliziere die Elternschaft, die ja schon in der Schwangerschaft beginne, auch den Respekt vor dem Geheimnis des Kindes.

Christiane Kohler-Weiß hat in Wien, Tübingen, Kiel, Straßburg und Heidelberg Theologie studiert. Seit Beendigung ihres Studiums im Oktober 2002 arbeitet die Mutter von drei Kindern als Pfarrerin in Württemberg.

Der Hanna-Jursch-Preis wird von der EKD zum zweiten Mal verliehen. Er ist nach der Jenaer Kirchenhistorikerin Hanna Jursch benannt, die als erste Theologin 1934 habilitierte.


Rückfragen bitte an:
Dorothea Grote
Dekanat der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg
Tel. 06221 54 33 34, Fax 54 33 72
theol.dekanat@urz.uni-heidelberg.de

Presseamt des Kirchenamts der EKD
Tel. 0511 2796 268, Fax 2796 777
christine.griesbach@ekd.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz, Pressesprecher der Universität Heidelberg
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

und
Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
uniprotokolle > Nachrichten > Hanna-Jursch-Preis für Heidelberger Doktorarbeit

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/20379/">Hanna-Jursch-Preis für Heidelberger Doktorarbeit </a>