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Gemischtes Doppel

17.07.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

4. Frauentag der Universität Heidelberg richtete sich speziell an Schülerinnen der Oberstufe und an Erstsemester - Eines der Ziele: Interesse bei Frauen für ein naturwissenschaftliches Studium wecken

Wer immer noch glaubt, Mathematik sei trocken, der wurde jetzt auf dem Frauentag der Universität Heidelberg eines besseren belehrt. Zahlreiche Vertreterinnen verschiedener Studiengänge fanden sich punkt neun Uhr im Rückgebäude des Psychologischen Instituts am Anatomiegarten ein, um diesem Vorurteil ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Der Frauentag, der nun schon zum vierten Mal stattfand, richtete sich speziell an Schülerinnen der Oberstufe und an Studentinnen in den Anfangssemestern. Ziel der Veranstaltung war nicht nur, den Teilnehmerinnen einen Überblick über das breit gefächerte Studienangebot der Ruperto Carola zu verschaffen und bei der Orientierung im Studium behilflich zu sein. Gezeigt werden sollte auch, dass Frauen in der Forschung stark dabei sind.

Die Begrüßung und Eröffnung des Frauentages erfolgte durch Prof. Dr. Dominique Lattard, Frauenbeauftragte der Universität Heidelberg. Am Vormittag standen den Teilnehmerinnen sechs parallel stattfindende Themenkreise zur Wahl, in denen wissenschaftliche Vorträge von jeweils 30 Minuten gehalten wurden. So referierte PD Dr. Jutta Schlich (Germanistik) im Rahmen des Themenkreises "Körper und Geist" über Ingeborg Bachmanns Roman "Malina" und dessen Verfilmungen. Diese wurden stark in die Kritik genommen, da sie das Thema Inzest, das im Roman die tragende Rolle spielt, völlig tabuisieren.

Unter dem Thema "Frauen und soziale Ordnung" beschäftigte sich Dr. Sabine Koch (Psychologie) mit "Reaktionen gegenüber Frauen in Führungspositionen". Anhand von drei Rollenspiel-Studien konnten erstaunliche Ergebnisse festgestellt werden: So erhielten weibliche Autoritätspersonen mehr negative Reaktionen von Seiten der Mitarbeiter als Männer in der gleichen Position, obwohl die Frauen als kompetenter eingeschätzt wurden. Grundsätzlich ist die Einstellung gegenüber weiblichen Chefs immer noch: je kompetenter, desto unsympathischer. Dies zeigt deutlich, wie schwer Frauen es auch heute noch im Beruf haben.

Infobörse: Aktivitäten und Angebote

Weitere interessante Vorträge gab es zu den Themen "Kognition und Gehirn", "Kindheit und Jugend", "Glaube und Welt" und "Fluid und Fest". Den ganzen Tag über präsentierten verschiedene Institutionen und universitäre Einrichtungen ihre Aktivitäten und Angebote im Foyer des Instituts bei einer Infobörse. So stellte das Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung (ZSW) sein umfangreiches Kursprogramm zur Berufsvorbereitung und zur Erlernung von Schlüsselkompetenzen für Studierende aller Fakultäten vor.

Nach einer Pause ging es dann am Nachmittag weiter mit den Gesprächsschwerpunkten "Studienschwerpunkte und Berufsorientierung - das gemischte Doppel" und "Abenteuer Forschung". Bei letzterem konnten sich Studentinnen in den Abschlusssemestern und Doktorandinnen über die Möglichkeiten, als Wissenschaftlerinnen zu arbeiten, informieren. Die Professorinnen Prof. Dr. Dominique Lattard (Naturwissenschaften), Prof. Dr. Christine v. Stutterheim (Sprachwissenschaft) und PD Dr. Elisabeth Schwarz (Medizinische Forschung) berichteten hier über ihre Forschungstätigkeit und konnten zeigen, dass das Berufsbild der Wissenschaftlerin einige Attraktivität besitzt.

Bei "Studienschwerpunkte und Berufsorientierung - das gemischte Doppel" stand vor allem die Orientierung im Studium im Vordergrund. Statistiken belegen, dass die Zahl derer, die sich im Studium "verlaufen", sehr hoch ist. Selbstgesteuertes Lernen ist vielen Studierenden noch fremd, und somit ist die Gefahr groß, dass sie den "roten Faden" leicht verlieren. Darum ist es wichtig, sich vorzeitig über seine Berufsziele im klaren zu sein.

Die Referentinnen aus den Bereichen Chemie, Physik, Mathematik, Informatik, Psychologie, Pädagogik, Pharmazie und Medizin gaben sich viel Mühe, ihr Fach und seine Besonderheiten vorzustellen. Dabei erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (es hatten sich zwei männliche Zuhörer in die Höhle der Löwinnen gewagt), dass sich noch immer nur sehr wenige Frauen für einen naturwissenschaftlichen Studiengang entscheiden, nicht zuletzt aus Angst, mit den männlichen Kommilitonen nicht mithalten zu können.

Hier konnten Bedenken jedoch aus dem Weg geräumt werden. Es wurde auch gezeigt, dass man mit Mathematik durchaus gemeinnützliche und praktische Dinge vollbringen kann, indem man zum Beispiel die Stabilisierung von Laufrobotern und ihren Bewegungen berechnet. Davon könnte die Medizin profitieren, um beispielsweise neue Prothesen für querschnittsgelähmte Menschen zu entwickeln. Eine andere Referentin beschäftigte sich mit den Umlaufbahnen von Satelliten im Weltraum. Doch nicht nur für die Zuhörerinnen war die Veranstaltung spannend; auch von Seiten der jungen Doktorandinnen kam eine sehr positive Resonanz. So war es in ihren Augen eine gute Übung, einen Vortrag vor Publikum zu halten.

Strukturelle Barrieren für Frauen

Obwohl vorab viel Werbung für den Frauentag gemacht worden war, erschienen nicht so viele junge Frauen, wie man bei einem solchen Thema hätte erwarten können - 150 Teilnehmerinnen kamen zum Frauentag. Sonja Schwarzl, die auf dem Frauentag als Referentin im Bereich Chemie ihren Studiengang vorstellte und sich im "Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie" engagiert, hat es auf jeden Fall Spaß gemacht: "Die Idee, einen Frauentag zu veranstalten, finde ich gut. Das Interesse bei Frauen für ein naturwissenschaftliches Studium ist definitiv da. Aber es gibt so viele strukturelle Barrieren für Frauen, die sich erst im Berufsleben bemerkbar machen. Es ist wichtig, dass Frauenveranstaltungen gemacht werden und das Bewusstsein dafür gestärkt wird. Außerdem tut es jeder Wissenschaft gut, wenn das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen ist."

Dr. Gabriele Reich, die Frauenbeauftragte im Bereich Pharmazie ist und über das Pharmaziestudium und seine Kombinationsmöglichkeiten referierte, fasste die Ziele des Frauentages noch einmal zusammen: "Es gibt einige Schülerinnen, die sich in ihrer Studienwahl noch nicht ganz sicher sind und noch schwanken, ob sie in den naturwissenschaftlichen Bereich gehen sollen. Viele entscheiden sich dann aus unberechtigten Bedenken heraus für ein Studium im sozialen Bereich oder in den Geisteswissenschaften. Daher ist es nötig, sie über die naturwissenschaftlichen Studiengänge zu informieren, auch um ihnen ein Stück weit die Angst zu nehmen." Auch sie war etwas enttäuscht über die geringe Teilnehmerzahl. Schließlich war man zuvor mit den Schulen in Kontakt getreten und hatte eine Freistellung der Schülerinnen während dieser Zeit bewirkt. "Ein Grund war vielleicht, dass zu wenig Werbung gemacht wurde oder die Zielgruppen nicht klar genug definiert waren", so Dr. Gabriele Reich. "Oder die sind heute Nachmittag einfach alle im Freibad", fügte Sonja Schwarzl hinzu.

Franziska Brettschneider

Rückfragen bitte an:
Dr. Agnes Speck
Büro der Frauenbeauftragten der Universität Heidelberg,
Tel 06221 547697, Fax 547271
a65@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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