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Trotz immer sichererer Herzchirurgie zu wenig Bypass-Operationen - neues Aortenklappenregister sammelt Daten

11.10.2010 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Herbsttagung 2010 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Arbeitsgruppe Herzschrittmacher und Arrhythmie, Nürnberg, 7. - 9. 10. 2010 In den 80 herzchirurgischen Zentren in Deutschland wurden zuletzt pro Jahr insgesamt 162.417 Operationen mit und ohne Herz-Lungen-Maschine (HLM) durchgeführt, um zwei Prozent mehr als im Jahr davor, so Dr. Ernst Bruckenberger, Autor des neuen Herzberichts 2009, der heute in Nürnberg auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt wurde. Pro Million Einwohner ergab dies 1.985 Operationen mit und ohne HLM. Der Anteil der klassischen Herzoperationen wie Bypass-Operationen, Klappen-Operationen und Operationen angeborener Herzfehler erreichte mit 53,8 Prozent den bisher niedrigsten Wert.

Der Herzbericht gibt uns Gründe, stolz zu sein, kommentiert Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, diese Ergebnisse. Er zeigt aber auch einen weit verbreiteten Informationsmangel bezüglich des Risikoprofils mancher Operationstechniken.

Die Herzchirurgie wird insgesamt immer sicherer und besser

Auf der Haben-Seite stehe, dass die Überlebensrate bei Herzoperationen insgesamt sehr hoch ist und bei etlichen Eingriffen, etwa dem Aortenklappen-Ersatz oder Operationen der Hauptschlagader, sogar gestiegen ist, obwohl die zugewiesenen Patienten immer älter und kränker werden. Prof. Beyersdorf: Die Herzchirurgie wird also insgesamt immer sicherer und besser.

Andererseits ist die Gesamtzahl herzchirurgischer Eingriffe trotz der wachsenden Anzahl älterer und operationsbedürftiger Patienten ebenfalls gleichgeblieben. Während Herzklappen- und Hauptschlagader-Operation viel häufiger geworden sind erwartbar, denn beide werden in der Regel erst in höherem Alter nötig ist der Zahl der Bypass-Operationen gesunken. Offensichtlich zugunsten von Stent-Einpflanzungen, so Prof. Beyersdorf. Dies steht aber in deutlichem Widerspruch zu den Richtlinien der European Society of Cardiology und der European Association for Cardio-Thoracic Surgery, die beide insbesondere bei fortgeschrittener Herzerkrankung den Bypass als Gold-Standard ansehen, auch wenn die Herzoperation zunächst komplexer erscheinen als die Stent-Einpflanzung.

Die aktuelle SYNTAX-Studie, so Prof. Beyersdorf, zeigt dass gestentete Gefäße eine höhere Wiedereingriffs-Rate aufweisen und in manchen Patientengruppen eine ungünstigere Sterblichkeit im Vergleich zu Patienten nach Bypass-Versorgung vorliegt: Hier ist dringend Aufklärung nötig der ärztlichen Kollegen ebenso wie der Patienten, die oft nicht die Gelegenheit erhalten, vor der Entscheidung mit dem Herzchirurgen zu sprechen.

Aortenklappen-Ersatz: Neues Register evaluiert Langzeiteffekt der gängigen OP-Methoden

Ein zweiter kritischer Punkt ist der immer häufigere Einsatz der Katheter-gestützten Aortenklappen-Implantation. Einer Entwicklung, die für alte Patienten, die für eine konventionelle Operation ein zu hohes Risiko haben, einen Durchbruch darstellt. Prof. Beyersdorf: Angewandt wird sie jedoch auch bei jungen, relativ gesunden für die herkömmliche OP-Technik sehr wohl geeigneten Patienten, obwohl wir noch keine Vergleichsdaten bezüglich Sterblichkeit und anderer Komplikationen haben.

Um solche zu gewinnen, wurde jüngst das Deutsche Aortenklappen-Register gegründet. Es sieht die verbindliche Meldung aller Aortenklappen-Operationen im Bundesgebiet mit genauer Anamnese und Angabe der Operationsmethode vor. Prof. Beyersdorf: Nach jeweils einem, drei und fünf Jahren werden die Patienten nachbeobachtet und entsprechend langfristige Daten erhoben. So werden wir in naher Zukunft valide Daten für verantwortungsbewusste Entscheidung zur Verfügung haben.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Pressestelle in Nürnberg:
Prof. Eckart Fleck (Pressesprecher der DGK), Roland Bettschart (B&K):
Tel.: 0911 / 8606 - 4648;

Christiane Limberg (Pressereferentin der DGK): Tel.: 0911 / 8606 - 6940

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute rund 7500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org. Weitere Informationen: http://www.dgk.org
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