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Zwischen den Disziplinen15.10.2010 - (idw) Universität Konstanz
Am Dies academicus verleiht die Universität Konstanz zwei Ehrendoktorwürden und eine Honorarprofessur
Zwischen Chemie und Physik, zwischen Soziologie und Politikwissenschaft und zwischen Psychologie und Rechtwissenschaft die Universität Konstanz ehrt beim diesjährigen Dies academicus drei Wissenschaftler, die interdisziplinär forschen und so zu herausragenden Ergebnissen gelangt sind. Prof. Dr. Abraham Nitzan, Chemiker an der Tel Aviv University, wird auf Antrag des Fachbereichs Physik während des Festakts die Ehrendoktorwürde verliehen. Auf Initiative des Fachbereichs Politik- und Verwaltungswissenschaft erhält Prof. Dr. Franz Urban Pappi, emeritierter Politologe der Universität Mannheim, bei derselben Gelegenheit am Freitag, 15. Oktober, den Doctor honoris causa. In einem anschließenden separaten Festakt des Fachbereichs Psychologie wird der Gerichtspsychiater Privatdozent Dr. Franz Urbaniok zum Honorarprofessor ernannt.
Prof. Dr. Abraham Nitzan
Als einer der einflussreichsten Forscher im Grenzgebiet zwischen Physik und Chemie ehrt die Konstanzer Physik einen herausragenden Wissenschaftler, der in diesem Jahr in seiner Heimat mit einem der Israel-Preise ausgezeichnet wurde, der höchsten Auszeichnung, die der Staat Israel zu vergeben hat. Abraham Nitzans wissenschaftliche Beziehungen zum Konstanzer Fachbereich reichen fast 20 Jahre zurück und erstrecken sich auf eine große Zahl gemeinsamer Publikationen. Durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde möchte der Fachbereich nicht nur einen exzellenten Wissenschaftler, sondern auch die besondere Beziehungen der Universitäten Tel Aviv und Konstanz weiter vertiefen.
Abraham Nitzan ist seit 1975 Professor für Theoretische Chemie an der Tel Aviv University. Seine wissenschaftlichen Arbeitsgebiete sind vor allem die theoretischen Beschreibungen verschiedener für chemische Reaktionen und Prozesse relevanter Phänomene. Er ist einer der Gründerväter der mittlerweile intensiv erforschten molekularen Elektronik. Abraham Nitzan habe dazu die gesamte Bandbreite der Methoden der theoretischen Physik auf praktische Probleme der Chemie angewandt, wie der Fachbereich in seiner Würdigung hervorhebt. Seine Forschungsleistungen wurden durch zahlreiche Preise gewürdigt, unter anderem wurde er zum Fellow der American Physical Society ernannt sowie der Israeli Academy of Sciences and Humanities. 1995 wurde der Wissenschaftler mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet.
In Folge dessen verbrachte Abraham Nitzan mehrere Monate an der Universität Konstanz als Gast von Prof. Wolfgang Dieterich, in den letzten Jahren auch von Prof. Wolfgang Belzig. Die daraus resultierende gemeinsame Forschung wird seit 1993 durch die Kurt Lion-Stiftung unterstützt. Auch am Studierendenaustausch zwischen den Universitäten Tel Aviv und Konstanz war Abraham Nitzan maßgeblich beteiligt.
Prof. Dr. Franz Urban Pappi
Die Interdisziplinarität von Franz Urban Pappi lässt sich daran erkennen, dass er seine Karriere als Soziologe begann und später zur Politikwissenschaft wechselte. Seine Wahl zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina im Jahr 2002 bestätigt das Spitzenniveau seiner Forschung in allen Bereichen. Auch innerhalb seiner beiden Disziplinen besticht Franz Urban Pappi durch eine große Breite. Seine Themenvielfalt erstreckt sich von der klassischen Politischen Soziologie über die Analyse kommunaler Elite- und Machtstrukturen, Politiknetzwerken, Netzstrukturen von Unternehmensverflechtungen, Wahl- und Wählerforschung bis hin zu Prozessen politischer Entscheidungen. Daneben zeichnet sich seine wissenschaftliche Karriere durch methodisch reflektierte empirische Forschung aus.
Franz Urban Pappi übernahm 1978 die Professur für Soziologie an der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Als Dekan und Prorektor gestaltete er in den folgenden Jahren die Weiterentwicklung der Kieler Universität mit. 1990 wechselte er auf den Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Universität Mannheim, den er bis zu seiner Emeritierung 2007 innehatte. Hier trug er als geschäftsführender Direktor des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung und als Dekan zum Renommee der Mannheimer Sozialwissenschaft bei.
Franz Urban Pappi gilt auch als ausgezeichneter Lehrer, von dem der Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft sehr profitiert. Vier der insgesamt sieben von ihm betreuten Habilitierten bereichern den Konstanzer Fachbereich entweder durch ordentliche Professuren oder Gastprofessuren.
PD Dr. Frank Urbaniok
Die wissenschaftliche Arbeit von Frank Urbaniok bewegt sich in allen forensisch-psychiatrischen Themenbereichen, aber auch interdisziplinär in Bereichen der Psychologie und der Rechtswissenschaft. Frank Urbaniok zählt zu den international führenden forensischen Experten. Seit Sommersemester 2010 beteiligt er sich an der Lehre der Universität Konstanz, um dem hohen Interesse der Studierenden im Bereich der Forensik zu genügen. Regelmäßig nehmen Konstanzer Studierende die Möglichkeit zu Praktika, Abschlussarbeiten und Dissertationen beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienst (PPD) der Justizdirektion des Kantons Zürich wahr, den Frank Urbaniok seit 1997 leitet. Der Fachbereich Psychologie sieht in einer weiteren Mitarbeit von Frank Urbaniok und seiner wissenschaftlichen Abteilung einen großen Gewinn für Forschung und Lehre an der Universität Konstanz.
Den Psychiatrisch-Psychologischen Dienst der Justizdirektion des Kantons Zürich baute Frank Urbaniok zu einer Hauptabteilung des Amtes für Justizvollzug und zur größten forensisch-psychiatrischen Institution der Schweiz aus. Mit seinem Team deckt er ein breites Aufgabenspektrum ab, das eine eigene Wissenschaftsabteilung beinhaltet, die mit an der Spitze wissenschaftlichen forensischen Wirkens gesehen werden kann. Schwerpunkte bilden die Weiterentwicklungen von Behandlungstechniken und die Prognosewissenschaft.
Frank Urbaniok studierte Humanmedizin erst in Münster, anschließend in Düsseldorf, wo er 1989 das Staatsexamen ablegte und 1990 promoviert wurde. Nach klinisch-psychiatrischer Weiterbildung als Assistenzarzt an der Psychiatrischen Landesklinik Langenfeld erlangte er 1993 die Zusatzbezeichnung Psychotherapie und den Facharzttitel für Psychiatrie. 1992 begann er den Aufbau einer Modellstation für die Behandlung von persönlichkeitsgestörten Sexualstraftätern, die in Fachkreisen als Langenfelder Modell Beachtung fand.
Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 / 88 - 3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de
http://www.uni-konstanz.de
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