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Interdisziplinäre Fachtagung Gesundheit ein Erfolgsfaktor für Bildung an der FH Jena

18.10.2010 - (idw) Fachhochschule Jena

Eine Retrospektive (18. Oktober 2010) Zum zweiten Mal in Thüringen fand am 7. Oktober die Interdisziplinäre Fachtagung an der Fachhochschule Jena statt. Der Studiengang Augenoptik/Optometrie hatte in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzkreis Gesundheit der FH Jena Interessierte eingeladen, die sich mit Kindern, Bildung und Gesundheit beschäftigen. Der Teilnehmerkreis setzte sich aus Pädagogen, Erziehern, Therapeuten und Studierenden der Augenoptik/Optometrie sowie Kollegen und Mitarbeitern der FH Jena zusammen.

Das interdisziplinäre Vortragsprogramm von renommierten Referenten sowie ein attraktives und praxisnahes Workshopprogramm weckten großes Interesse unter den Teilnehmern. Außerdem wurde die Tagung für einen regen Erfahrungsaustausch genutzt. Das Konferenzzentrum der FH Jena füllte sich an diesem Tag mit vielen Menschen, denen besonders an Bildung und Gesundheit liegt. In erster Linie war die Tagung für Lehrer ausgerichtet, aber auch Erzieher, Pädagogen und Therapeuten fanden sich ein. Die Eröffnung der Tagung erfolgte durch die Rektorin der Fachhochschule Jena, Prof. Dr. Gabriele Beibst, die als erstes das Grußwort des Thüringischen Ministers für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Herrn Christoff Matschie, vortrug. Dieser unterstützt den ganzheitlichen Ansatz der Gesundheitsförderung an Thüringer Schulen. Demzufolge kann richtiges Lernen nur in der Zusammenarbeit entstehen. Der Minister umschrieb dies wunderbar mit dem Zitat: Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf.

In ihrer Rede stellte die Rektorin die Arbeit der Hochschule auf den Gebieten Bildung und Gesundheit in den verschiedenen Fachbereichen vor. Die Tagung wurde deshalb von der FH Jena ausgerichtet, weil in den verschiedenen Fachbereichen Spezialisten auf ihren Gebieten arbeiten und forschen sowie interdisziplinär zusammen arbeiten. Die Rektorin forderte daher auf, gemeinsam etwas zu tun um gemeinsam etwas zu bewirken.

Prof. Dr. Martin Schröck, als Vertreter des Fachbereichs SciTec, stellte anhand seines eigenen Erlebnisses dar, welche Einschränkung eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit auf das Lernen in der Schule haben kann. Diesem Thema ist u.a. auch ein Schwerpunkt der Arbeit des Studienganges Augenoptik/Optometrie, im Speziellen der Zusammenhang von visuellen Defiziten und Lese-Rechtschreib-Problemen. Lese-Recht-Schreibprobleme wie auch andere Entwicklungsdefizite können im Zusammenhang mit Sehproblemen, wie z.B. verschwommenes oder angestrengtes Sehen, auftreten. Bleiben die Defizite unerkannt, können Leistungseinschränkungen in der Schule die Folge sein.

Das Vortragsprogramm der Tagung bot ein breites Spektrum und behandelte verschiedene Themen zu den Schwerpunkten: Sehen - Hören - Wahrnehmen: Defizite erkennen, Handicaps vermeiden!". Als erstes referierte Prof. Dr. Stephan Degle (FH Jena) zum Thema Wie viel Gesundheit brauchen wir? - Gesundheit im Spiegel der Zeit. Er begann mit der Einführung, dass das Gesundheitsinteresse mit zunehmendem Alter steigt. In einer Zeitreise erläuterte er verschiedene Auffassungen von der Gesundheit - von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit. In der heutigen Zeit ist jeder selbst verantwortlich für sich und seine Gesundheit etwas zu tun. Dieser Gedanke verbirgt sich hinter dem Begriff Selfness, wodurch körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden erreicht werden soll.

Den Themenvortrag Bildung und Gesundheit zwei Erfolgsfaktoren hielt die Sprecherin des neu gegründeten Kompetenzkreises Gesundheit der FH Jena, Prof. Dr. Heike Kraußlach. Sie stellte heraus, dass ein Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage besteht und zeigte anhand von Forschungsergebnissen (v.a. von Mielck), dass wesentliche Erkrankungen bei Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau und Berufsstatus häufiger auftreten. Demzufolge führt soziale Ungleichheit zu gesundheitlicher Ungleichheit. An den Beispielen des Betrieblichen Gesundheitsmanagement und der Personalentwicklung zeigte Prof. Kraußlach dann verschiedene Lösungsmöglichkeiten auf, die insbesondere für Unternehmen geeignet sind. Prof. Dr. Eckhard Hoffmann (Hochschule Aalen) präsentierte im Anschluss Ergebnisse von Screening zum Sehen, Hören und Gleichgewicht bei über 8000 Schulkindern. Er machte deutlich, dass die größten Defizite im Bereich des Gleichgewichts zu finden sind. Außerdem konnte er aufzeigen: je schlechter das Gleichgewicht ist, umso schlechter sind auch die schulischen Leistungen der Kinder.

Nach der Mittagspause stellte Prof. Dr. Guntinas-Lichius (Universitätsklinikum Jena) die Bedeutung des Hörens anhand der peripheren und zentralen Hörverarbeitung des Menschen vor. Aufgrund aktueller Forschungen kann davon ausgegangen werden, dass die Reizverarbeitung bei Hörschädigungen anders abläuft als bei normal Hörenden. Zudem wirken sich auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen nicht nur auf das Hören aus, sondern auch auf das Sehen. Umso mehr ist es wichtig, Hörstörungen frühzeitig aufzudecken. Eine gezielte Maßnahme stellt hier das Neugeborenen-Hörscreening dar, welches jetzt im Rahmen der U-Untersuchungen nach der Geburt durchgeführt wird.

Um das Thema Hören ging es auch im Vortrag von Prof. Dr. Bruno Spessert (FH Jena). Er zeigte anhand von Küchengeräten auf, mit welcher Lärmbelastung wir täglich umgehen. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich gibt es jedoch eine Menge Möglichkeiten, den Lärm zu reduzieren. Hier gibt es verschiedene Varianten zur Geräuschoptimierung, -reduktion und -schutz, wobei die praktische Umsetzung oft wegen Kosteneinsparung nicht stattfindet.

Im Anschluss weckte Prof. Dr. Ulrich Smolenski (Universitätsklinikum Jena) großes Interesse, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. In seinem Vortrag zeigte er die Aufgabe der Wirbelsäule in der Balance zwischen Stabilität und Motilität. Sie dient aufgrund ihrer Anatomie zum einen der Stabilisierung, zum anderen aber der aktiven Bewegung, was im Wesentlichen durch die umgebende Muskulatur erreicht wird. Demzufolge müssen die Rückenmuskeln entsprechend eingesetzt werden, was sich jedoch in er sich immer weniger bewegenden Gesellschaft als sehr schwierig gestaltet.

Im letzten Vortrag zeigte Hartwig Gauder (Universitätsklinikum Jena) anhand von praktischen Übungen auf, welche Möglichkeiten es gibt, auch mit kleinen Übungen mehr Bewegung und Entspannung in den Alltag einzubringen. Dabei ließ er das Publikum aufstehen und einige kurze Übungen mitmachen. In seinem Vortrag stellte der Goldmedaillengewinner im Gehen von 1980 seine eigene Lebensgeschichte mit deren Höhen und Tiefen vor und motivierte so sehr authentisch für eine gesunde Lebensführung.

Vertiefen und praktisch anwenden konnten die Teilnehmer ihr neues Wissen in den Workshopsessions am Vor- und Nachmittag. Insgesamt wurden neun Workshops angeboten, in denen vor allem die Praxisrelevanz der Themen stand. Im Workshop 1 stellte Meike Scherbaum unter dem Titel Bildung kommt ins Gleichgewicht - Ein Gleichgewichtsprogramm für den täglichen Unterricht vor. Viel Bewegung konnten die Teilnehmer im Workshop 2 selbst erfahren. Zum Thema Beweg dich, Schule! - Bewegung im täglichen Unterricht der Klassen 1 bis 4 stellte Barbara Boedicker Übungen vor, wie der alltägliche Schulunterricht mit Bewegung angereichert werden kann. Den Umgang mit Situationen, in denen Erste Hilfe in der Schule benötigt wird, stellte Detlef Taugnitz vom Deutschen Roten Kreuz Jena in seinem Workshop an praktischen Beispielen vor. Ingo Kleinke von der Unfallkasse Thüringen zeigte in seinem Workshop Lärmkoffer und Lärmampel - nützliche Helfer in der Praxis wie relevant das Hören in der Schule ist und welchen Belastungen unser Hörsystem im täglichen Schulalltag ausgesetzt ist.


Gesundheitsinformationen im Internet: Suchen, Finden und Bewerten! konnten mit Dr. Sylvia Sänger praktisch ausprobiert werden. Die Wichtigkeit der Sprache stellten Antje Salzmann und Sigrid Tränker in ihrem Workshop zum Thema Sprache in Bewegung bringen - die Sprach
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