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Schlaganfallrisiko durch Vorhofflimmern: Gerinnungshemmer für ältere Patienten besonders wichtig

26.10.2010 - (idw) Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Patienten über 75 Jahre mit hohem Embolie- und Schlaganfallrisiko erhalten viel zu selten gerinnungshemmende Medikamente (Frankfurt am Main, 26. Oktober 2010) Der Schlaganfall ist die am meisten gefürchtete und folgenschwerste Komplikation des Vorhofflimmerns. Etwa 1 Million Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung. Tückisch an ihr ist, dass sie bei der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auftritt und so unentdeckt bleiben kann. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30 000 Schlaganfälle. Die Hälfte davon tritt bei Patienten im Alter von über 75 Jahren auf. Ihre Behandlung mit einem gerinnungshemmenden Medikament zur Verminderung des Embolie- und Schlaganfallrisikos ist deshalb wichtig. Die neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie 2010 fordern, dass alle Patienten über 75 Jahre mit Vorhofflimmern ein gerinnungshemmendes Medikament wie Marcumar oder Falithrom zur Verminderung des Embolie- und Schlaganfallrisikos nehmen sollten. Diese Patientengruppe mit dem höchsten Risiko für Embolien und Schlaganfälle, bei der zudem der größte Nutzen durch die Gerinnungshemmung zu erzielen ist, erhält jedoch gegenwärtig noch selten den Gerinnungshemmer Marcumar, sagt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Schlaganfall durch Vorhofflimmern entsteht, wenn sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammenziehen und sich so Blutgerinnsel bilden, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen. Um solche Gerinnselbildungen zu verhindern, müssen die Patienten mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Dafür werden die Arzneimittel Phenprocoumon (Marcumar, Falithrom, Coumadin) oder Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt.

Allerdings ist das Risiko für Schlaganfälle unterschiedlich. Das Risiko für Schlaganfälle und andere Gefäßverschlüsse (Embolien) und die Wahl der gerinnungshemmenden Behandlung hängen vom Lebensalter des Patienten und den Begleiterkrankungen ab. Patientinnen und Patienten unter 65 Jahre ohne Herz- oder Gefäßerkrankung brauchen keine gerinnungshemmenden Medikamente, weil ihr Schlaganfallrisiko sehr gering ist. Bei Patienten mit einem mittleren Risiko kann die Entscheidung des Kardiologen je nach der individuellen Situation und dem Risiko für Blutungen für ASS oder Marcumar fallen. Dabei ist immer das Risiko für einen Schlaganfall gegen das Blutungsrisiko abzuwägen, bemerkt Prof. Meinertz.*

Marcumar-Patienten: Immer den INR-Wert bestimmen lassen!
Patienten, die nicht mit ASS, sondern mit Marcumar behandelt werden, sind durch Laborkontrolle mit dem weltweit standardisierten INR-Wert, der die Stärke der Gerinnungshemmung angibt, exakt einzustellen. Nur der INR-Wert nicht der Quick-Wert! ermöglicht eine zuverlässige Kontrolle der Gerinnungshemmung, weil der Quick-Wert von Labor zu Labor schwanken kann. Nur ein INR-Wert im therapeutischen Zielbereich bietet optimalen Schutz vor Gerinnselbildung mit einer möglichst geringen Blutungsgefahr. Patienten sollten deshalb darauf bestehen, dass immer ihr INR-Wert angegeben wird. Sehr bewährt hat sich die Selbstbestimmung der Gerinnungshemmung durch den Patienten. Sie erlaubt es jederzeit, den INR-Wert festzustellen und auf Veränderungen zu reagieren (z.B. Durchfall, Fieber).


*Zum hohen und mittleren Risiko siehe: Deutsche Herzstiftung (Hg.), Herzrhythmusstörungen heute, Frankfurt am Main, Oktober 2010, S. 81 ff.

32/2010

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069/95 51 28-114/-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de Weitere Informationen: http://www.herzstiftung.de
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