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Heimkinder brauchen Nähe

28.05.2002 - (idw) Universität zu Köln

Kinder und Jugendliche, die in Heimen leben, zeigen oft auffällige Verhaltensmuster, denen unbewusste Bindungswünsche zu Grunde liegen. Daher kann erfolgreiche Heimerziehung letztlich nur durch Beziehungsarbeit erreicht werden. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Dr. Roland Schleiffer vom Seminar für Heilpädagogische Psychologie und Psychiatrie der Universität zu Köln. In dem schwierigen Bereich der Betreuung von Jugendlichen ist zum ersten Mal untersucht worden, wie sich in der Praxis der Heimerziehung die Folgen frühkindlicher Beziehungsstörungen zeigen und wie damit umgegangen werden kann und sollte.

Heimkinder brauchen Nähe
Beziehungsarbeit ist wichtig für die Heimerziehung

Kinder und Jugendliche, die in Heimen leben, zeigen oft auffällige Verhaltensmuster, denen unbewusste Bindungswünsche zu Grunde liegen. Daher kann erfolgreiche Heimerziehung letztlich nur durch Beziehungsarbeit erreicht werden. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Dr. Roland Schleiffer vom Seminar für Heilpädagogische Psychologie und Psychiatrie der Universität zu Köln. In dem schwierigen Bereich der Betreuung von Jugendlichen ist zum ersten Mal untersucht worden, wie sich in der Praxis der Heimerziehung die Folgen frühkindlicher Beziehungsstörungen zeigen und wie damit umgegangen werden kann und sollte.

Die Studie beschreibt, dass sich frühe Beziehungserfahrungen von Kindern häufig auf ihre weitere Persönlichkeitsentwicklung auswirken. Heimkinder haben stets mit dem Verlust ihrer primären Bindungspersonen zu leben. Dies beeinflusst ihre Beziehungsfähigkeit, woraus oftmals psychische Anfälligkeit und Unsicherheit resultieren. Deshalb ist es wichtig, dass sie in den Heimen Nähe erfahren und lernen, sich auf Bezugspersonen einzulassen und zu verlassen. Hierbei kann, so Professor Schleiffer, für die Erzieher ein fundiertes Wissen über die Bindungsprobleme der Heimkinder von erheblichem Nutzen sein. Es kann dazu beitragen, dass sie den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen besser dabei helfen können, deren negative Erfahrungen mit Bindungen zu verarbeiten und zu kompensieren.

Das Heim als Institution wird häufig als problematisch angesehen. Dies hängt damit zusammen, dass ein Heim oft die einzige Alternative für die Betreuung von Kindern ist, die zu alt oder zu verhaltensauffällig sind. Für sie besteht keine Möglichkeit mehr, adoptiert oder in einer Pflegefamilie aufgenommen zu werden. Der Heimaufenthalt kann sich für die Kinder aber trotzdem zu einem guten Lebensabschnitt entwickeln, wenn sie Gelegenheit bekommen, zu ihren Betreuern eine tragfähige Bindungsbeziehung aufzubauen. Dann bewerten sie später ihre Erfahrungen im Heim als positiv. Hier zeigt sich deutlich, dass Jugendliche im Heim ein Bedürfnis nach Bindung haben. Dies sollte berücksichtigt werden, wenn die Heimerziehung glücken soll.

Heimkinder zeigen häufig ein bindungsabweisendes und bindungsvermeidendes Verhalten. Hierdurch sind ihre Erzieher verunsichert oder sogar gekränkt. Dieses Verhalten ist, so Professor Schleiffer, eine Schutzfunktion der Kinder und Jugendlichen. Sie haben oft schon im Kleinkindalter schlechte Erfahrungen mit Bindungen gemacht. Mit ihrem abweisenden Verhalten möchten sie bewirken, mit den verunsichernden und daher von ihnen gefürchteten Bindungswünschen nicht mehr konfrontiert zu werden. Erzieher sollten jedoch versuchen, den Jugendlichen positive Bindungserfahrungen zu ermöglichen.

Die Forschungserkenntnisse von Professor Schleiffer werden an anderer Stelle praktisch angewendet. Es handelt sich um das mit Fördergeldern unterstützte Projekt "Das neue Haus Regina. Ein Zuhause für Mütter und Kleinstkinder - bindungstheoretisch orientierte Förderung der Mutter-Kind-Beziehung als stationäre Jugendhilfemaßnahme".

Verantwortlich: Caroline Steingen

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Roland Schleiffer unter der Telefonnummer 0221-470 4681, der Fax-Nummer 0221-470 4682 und unter der Emailadresse schleiffer@uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web

(http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/).
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