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FiBS-Studienanfängerprognose bis 2020: Hochschulpakt muss deutlich aufgestockt werden

27.10.2010 - (idw) Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS)

Nach den aktuellen Berechnungen des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie, die heute in der Reihe FiBS-Forum erscheinen, sind bis 2020 bis zu einer Million mehr Studienplätze erforderlich. Unter Berücksichtigung des Hochschulpakts besteht somit ein Finanzierungsbedarf für weitere 700.000 Plätze. Dieser Bedarf an Studienplätzen ergibt sich daraus, dass bis 2020 jedes Jahr mindestens 400.000 Studienanfänger an die Hochschulen drängen. Diese Entwicklung würde zugleich den demografisch bedingten Fachkräftemangel abschwächen. Beim Vergleich der aktuellen Prognose der zu erwartenden Erstsemesterzahlen mit den Planungen des Hochschulpakts kommt das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in der heute veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass bis 2020 noch insgesamt 700.000 Studienplätze fehlen. Es empfiehlt daher den zügigen Ausbau der Kapazitäten an den Hochschulen, um durch die Ausbildung von interessierten Studienberechtigten mehr Hochqualifizierte zu gewinnen, die im Arbeitsmarkt dringend benötigt werden.

Bis Ende des kommenden Jahrzehnts ist nach FiBS-Prognosen pro Jahr mit über 400.000 Erstsemestern zu rechnen. Ausgehend von rund 430.000, möglicherweise auch 440.000 Studienanfängern im laufenden Jahr ist bis 2013 mit einem sukzessiven Anstieg auf 464.000 zu rechnen. Nach diesem Höhepunkt sinkt die Zahl bis 2020 wieder auf 407.000 ab. Bis 2015 ergibt sich daraus ein Bedarf von insgesamt 450.000 zusätzlichen Studienplätzen.

Wenn man auch die Studienberechtigten einbezieht, die durch die zu erwartende Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes zusätzlich an die Hochschulen drängen, steigt bereits 2011 die Nachfrage noch einmal um bis zu 60.000 Studienplätze. Damit könnte im kommenden Jahr die Zahl von 500.000 Studienanfängern erreicht werden; dies wäre für lange Zeit die Höchstmarge. Allerdings setzt dies auch eine entsprechende Anzahl von Studienplätzen an den Hochschulen voraus. Der Hochschulpakt bis 2015 müsste somit von 450.000 auf insgesamt 500.000 Plätze aufgestockt werden.

Da anschließend bis 2020 nur mit moderat sinkenden Erstsemesterzahlen zu rechnen ist, ist bis zum Ende des Jahrzehnts insgesamt mit einem Bedarf von bis zu einer Million Studienplätze zu rechnen. Der bestehende Hochschulpakt müsste demnach insgesamt nahezu vervierfacht werden.

Fasst man die Zahlen zusammen, dann heißt der Bedarf von insgesamt 500.000 zusätzlichen Studienplätzen bis 2015, dass allein bis Mitte des Jahrzehnts fast doppelt so viele Plätze erforderlich sind, wie durch den Hochschulpakt bisher verabredet wurden, erläutert Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie. Da auch anschließend nur mit einem langsamen Absinken der Nachfrage zu rechnen ist, werden bis 2020 dann nochmals fast 500.000 zusätzliche Studienplatzkapazitäten nötig sein. Das heißt, insgesamt müssten für die kommenden zehn Jahren fast eine Million zusätzlicher Studienplätze geschaffen werden.

Getrieben wird die zukünftige Entwicklung neben den doppelten Abiturjahrgängen und verteidigungspolitischen Entscheidungen auch von einer steigenden Nachfrage nach einem berufsbegleitenden Studium, wovon insbesondere die Privathochschulen profitieren. Ihre Studienanfängerzahl hat sich in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt. Hinzu kommt eine um rund 15 Prozent gestiegene Zahl ausländischer Studienanfänger.

Unsere Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, sagt Bildungsökonom Dr. Dieter Dohmen. Der Hochschulpakt hat die richtigen Zeichen gesetzt, doch muss er nach unseren neuen Zahlen noch deutlich ausgebaut werden. Unterbleibt der Ausbau, dann werden viele Studienberechtigte vor verschlossenen Hochschultüren stehen und das Ziel einer Verkürzung der Ausbildungsdauer, die durch die kürzere Schulzeit und die Einführung der gestuften Studiengänge erreicht werden sollte, wird durch unzureichende Studienkapazitäten wieder ad absurdum geführt.

Unsere neue Prognose ist aber für die Wirtschaft auch ein gutes Zeichen, erklärt FiBS-Direktor Dohmen. Steigende Anfängerzahlen führen bei einer guten hochschulischen Ausbildung einige Jahre später zu steigenden Absolventenzahlen und dies bedeutet, dass sich der demografisch bedingte Fachkräftemangel bei den Hoch- und Höchstqualifizierten zumindest etwas verringern wird. In der Folge werden sich die Wachstumsaussichten der Unternehmen verbessern. Auch der öffentliche Haushalt profitiert dann durch zusätzliche Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen. Umgekehrt folgt daraus unmittelbar, dass ein unterlassener Ausbau mittel- bis langfristig beträchtliche volkswirtschaftliche Folgekosten haben würde, so das Fazit des Bildungsökonomen.

Die Studienanfängerprognosen des FiBS werden mit dem vom Forschungsinstitut entwickelten Simulationsmodell EduSim© vorgenommen, das neben den Prognosen auf Bundes- und Länderebene auch solche nach Fachrichtung zulässt.


Die Studienanfängerprognose steht auf der Homepage des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie unter http://www.fibs.eu als FiBS-Forum Nr. 48 zur Verfügung.

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Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 84 71 22 320
Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Berichterstattung. Vielen Dank! Weitere Informationen: http://www.fibs.eu Anhang
Dieter Dohmen (2010), FiBS-Studienanfängerprognose 2010 bis 2020: Bundesländer und Hochschulpakt im Fokus
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