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Stärkung von Kindern und Jugendlichen als Person und in ihrer Medienkompetenz

30.10.2010 - (idw) Fachhochschule Köln

Pornografie ist immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema. Trotz Verbots werden Kinder und Jugendliche zunehmend mit Pornografie konfrontiert. Mit der Pronografisierung von Gesellschaft haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Köln auseinandergesetzt. KEINE ZUSÄTZLICHEN VERBOTE
Keine zusätzlichen Verbote sondern eine Stärkung der Kinder und Jugendlichen als Person und in ihrer Medienkompetenz - das ist die zentrale Forderung der Konferenz Pornografisierung von Gesellschaft, die heute in Köln endet. Es gibt bildungspolitische Defizite, kritisierte Dagmar Hoffmann, Mediensoziologin und Expertin im Bereich Sozialisationseffekte von Medien auf Körperkonzepte und Sexualität von Jugendlichen. Sie forderte als Mit-Initiatorin des Medienpädagogischen Manifests keine Bildung ohne Medien Medienpädagogik flächendeckend in der Bildungslandschaft einzuführen so eben auch im schulischen Bereich. Dabei gelte es Medienkompetenz zu stärken nicht nur im Zusammenhang mit Pornografie sondern allgemein im Umgang mit den Medien. Denn es wird nicht aufhören jetzt gibt es die Pornodebatte, in fünf Jahren gibt es ein andere Debatte. Auf der dreitägigen Konferenz haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedensten Fachrichtungen in der Fachhochschule Köln mit den medialen Darstellungen von Sexualität und Körperlichkeit sowie Grenzverschiebungen von Öffentlichkeit und Privatheit auseinandergesetzt. Organisatoren der Konferenz waren die Fachhochschule Köln (Institut für Medienforschung und Medienpädagogik), die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) (Fachgruppe: Medien und Geschlechterverhältnisse) und die Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) (Fachgruppe: Medienpädagogik).

GROSSES PROBLEM FÜR DEN JUGENDSCHUTZ
Pornografie ist immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema. Obwohl Pornografie in Deutschland für Kinder und Jugendliche verboten ist, werden sie zunehmend mit Pornografie konfrontiert und können über das Internet problemlos pornographisches Material konsumieren. Das ist ein großes Problem für den Jugendschutz. Das Jugendschutzgesetz gilt nur in Deutschland. Alles was aus dem Ausland kommt, fällt nicht darunter. Da ein Konfrontationsschutz nicht möglich ist, verlagert der Jugendschutz seine Blickrichtung zum Teil von der Anbieterseite auf die Konsumentenseite, so Joachim von Gottberg, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen Die Förderung von Medienkompetenz sei daher immens wichtig. Sorge bestehe vor allem mit Blick darauf, dass durch Pornografiekonsum das eigentliche Gefühl für Sexualität und ihre Bedeutung in Beziehungen verlorengehe.

KEINE LUSTFEINDLICHE MORALISCHE DISKUSSION
Die Konferenz zeigt, wie wichtig es ist interdisziplinär zu arbeiten, weil man dann den Phänomenen gerechter wird und zu gesicherteren Handlungsempfehlungen kommt, betonte Prof. Dr. Angela Tillmann, von der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Köln und Mitorganisatorin der Tagung. Bei dem Thema Pornografisierung greifen Sexualpädagogik und Medienpädagogik ineinander, so Tillmann weiter. Deutlich wird, dass wir künftig sehr stark differenzieren müssen zwischen Pornografisierung und Sexualisierung. Es ist keine lustfeindliche moralische Diskussion, die geführt werden muss, sondern ein sehr offener Diskurs darüber, wie wir in Schule und Familie mit Pornografie aber vor allem auch der zunehmenden Sexualisierung der Alltagskultur umgehen. Es geht um den kompetenten Umgang mit sexualisierten Medieninhalten mit dem Ziel, Jugendliche zu einem selbstbestimmten und verantworteten Umgang mit Pornographie zu befähigen.

KEINE GENERATION PORNO
Zwei Drittel der Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren haben zwar schon mal pornografische Bilder gesehen. Bei den 11-13jährigen waren es 25 Prozent. Das hat das Dr. Sommer-Team der Jugendzeitschrift Bravo in einer Untersuchung herausgefunden, aber von einer Generation Porno kann keine Rede sein, betonte Marthe Kniep, die Leiterin des Dr. Sommer-Teams. Vielmehr seien viele Jugendliche verunsichert und fragten bei der Dr. Sommer-Redaktion nach, was okay sei und was nicht.

PÄDAGOGISCHE PRÄVENTIONSMÖGLICHKEITEN
Eine Veränderung sexueller Standards ist nicht festzustellen sondern lediglich die Qualität und Quantität, in denen das Verhalten kommuniziert wird, stellt auch der Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Uwe Sielert, von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Lehrstuhl für Sozialpädagogik) fest. Diese Erkenntnis enthebe Pädagoginnen und Pädagogen jedoch nicht von der Pflicht, Grenzen zu ziehen oder auf bestimmte Verhaltensweisen und mediale sowie gesellschaftlich-strukturelle Zustände zu reagieren. Die pädagogischen Präventionsmöglichkeiten bestehen darin, Jugendliche zu informieren und zu stärken. Gegen Gewaltpornos seien die meisten Jugendlichen resistent Zwang rufe bei ihnen Ekel hervor. Allerdings gebe es auch Kinder und Jugendliche mit anderen interpsychologischen Lovemaps, einer anderen Persönlichkeitsausprägung, die auf frühere Gewalterfahrungen zurückgehe. Die Medien sind hier dann nur ein Angebot, das frühere Erfahrungen aktiviert und kurzzeitig stillt.

Handlungsbedarf besteht auch insofern als juristische Schranken aufrechterhalten bleiben müssen mit Blick auf Sex mit Kindern und andere menschenunwürdigen Aktivitäten, ergänzte Sielert. Jugendliche müssten pornokompetent gemacht werden Das heißt, es müssen gesellschaftliche Verformungen erklärt werden und Mechanismen, über die Bedürfnisse geschaffen werden. Zum kritischen Diskurs gehört es auch zu sagen Gewaltpornos sind Scheiße - sie sind für Deine Entwicklung schlecht.

SEXUELLE REVOLUTION ZU EINEM GUTEN ENDE BRINGEN
Die Sexuelle Revolution hat stattgefunden, ist aber noch nicht zu Ende gebracht, stellte Myrthe Hilkens fest. Die niederländische Journalistin und Autorin prangert in ihrem Buch McSex Die Pornofizierung unserer Gesellschaft die zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft an, ohne -- wie sie betont -- eine Antiporno-Feministin zu sein. Es gehe vielmehr darum die sexuelle Revolution zu einem guten Ende zu bringen.

DIE FACHHOCHSCHULE KÖLN
Die Fachhochschule Köln ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. 16.000 Studierende werden von rund 400 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Das Angebot der elf Fakultäten und des Instituts für Tropentechnologie umfasst rund 70 Studiengänge, jeweils etwa die Hälfte in Ingenieurwissenschaften bzw. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: von Architektur über Elektrotechnik und Maschinenbau, Design, Restaurierung, Informationswissenschaft, Sprachen und Soziale Arbeit bis hin zu Wirtschaftsrecht und Medieninformatik. Neu hinzugekommen sind im Herbst 2009 die Angewandten Naturwissenschaften. Zur Hochschule gehören neben Standorten in Köln-Deutz und in der Kölner Südstadt auch der Campus Gummersbach; im Aufbau ist der Campus Leverkusen. Die Fachhochschule Köln ist Vollmitglied in der Vereinigung Europäischer Universitäten (EUA), sie gehört dem Fachhochschulverbund UAS 7 und der Innovationsallianz der nordrhein-westfälischen Hochschulen an. Die Hochschule ist zudem eine nach den europäischen Öko-Management-Richtlinien EMAS und ISO 14001 geprüfte und zertifizierte umweltorientierte Einrichtung.


Weitere Informationen
Fachhochschule Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
Institut für Medienforschung und Medienpädagogik
Prof. Dr. Angela Tillmann
Tel.: 0221/82 75 -36 77; Fax: 0221/82 75 -33 49
E-Mail: angela.tillmann@fh-koeln.de

Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg
Medienwissenschaft und Institut für künstlerische Forschung
Dr. Martina Schuegraf
Tel.: 0331/62 02 -217; Fax: 0331/62 02 -549
E-Mail: m.schuegraf@hff-potsdam.de

Kontakte für die Medien
Konferenzbüro
Iveta Verpeja-Wichter
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