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Glücklich, wer am Berg lebt, wenn sich das Klima ändert

09.11.2010 - (idw) Universität Basel

Für alle Organismen, die an einen speziellen Lebensraum angepasst sind, kann eine Klimaerwärmung fatale Folgen haben, wenn sie nicht davonlaufen oder fliegen können. In Fachkreisen ist man bisher davon ausgegangen, dass dies für Gebirgsorganismen im besonderen Mass zutrifft und sie deshalb von der Klimaerwärmung besonders hart betroffen sind. Daniel Scherrer und Christian Körner von der Universität Basel widerlegen nun in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift «Journal of Biogeography» diese Annahme. Zwei Sommer lang haben die Basler Forscher Berghänge im Furkagebiet auf 2500 Meter über Meer mit einer Spezialkamera abgetastet, die auf einem Bild die Temperatur von 76000 Punkten in der Landschaft mittels Infrarot-Themographie erfasst. Tausende dieser Bilder ergaben feste Temperaturmosaike in der Landschaft am Tag wie in der Nacht mit überraschenden Erkenntnissen: Auf kleinstem Raum von wenigen Metern Fläche können sich Mikrolebensräume um bis zu 7 Grad unterscheiden.

Zahlreiche thermische Nischen
Je nach Hangneigung und Hangrichtung zur Sonne und je nach Rauhigkeit der Vegetationsoberfläche ergaben sich warme und kalte Kleinstlebensräume, wie man sie im Tiefland oder in den Wäldern nicht kennt. Aus Messungen mit Thermometern weiss man seit Langem, dass die Temperaturen von Pflanzen und kleinen Tieren punktuell stark von der Luft abweichen können. Dennoch war überraschend, dass derart starke Unterschiede über die ganze schneefreie Zeit der alpinen Landschaft quasi eingraviert sind. Die Hochgebirgslandschaft bietet also auf kleinstem Raum Fluchtmöglichkeiten vor zu warmen Bedingungen.

Die Autoren simulierten mit einem Computer, wie sich die Lebensbedingungen im Gebirge verändern könnten, wenn die Luft 2 Grad wärmer wird. Das Resultat war, dass nur gerade 3 Prozent aller thermischer Nischen verloren gehen, auch wenn insgesamt das Flächenausmass kühler Flächen zurückgeht. Entscheidend ist jedoch, dass die Mehrzahl der thermischen Nischen und damit wahrscheinlich die Biodiversität erhalten bleiben. Es entstehen aber zusätzlich wärmere Kleinlebensräume, die sogar eine lokale Biodiversitätszunahme bewirken können.

Die Daten zeigen zudem, dass Klimadaten von Wetterstationen die tatsächlichen Lebensbedingungen im Hochgebirge schlecht bis gar nicht wiedergeben. Aus früheren erdgeschichtlichen Epochen ist bekannt, dass Berge wegen der Vielfalt der Lebensräume immer wichtige Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere waren. Sie verdienen daher besonderen Schutz, wenn sich rasche Klimaänderungen ereignen oder abzeichnen.

Originalbeitrag
Scherrer D. and Körner C. (2010)
Topographically controlled thermal-habitat differentiation buffers alpine plant diversity against climate warming
Journal of Biogeography | doi: 10.1111/j.1365-2699.2010.02407.x

Fotos
Druckfähige Bilder zu dieser Medienmitteilung finden sich in der Bild-Datenbank der Universität Basel.

Weitere Auskünfte:
Prof. Dr. Christian Körner, Universität Basel, Botanisches Institut, Schönbeinstrasse 6, 4056 Basel, Tel, 061 267 35 04, E-Mail: ch.koerner@unibas.ch
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