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Was sind ästhetische Empfindungen?

09.11.2010 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

19. November: erster CIN Dialogue an der Universität Tübingen Mit dem ersten CIN Dialogue at the Interface of the Neurosciences and the Arts and Humanities eröffnen das FORUM SCIENTIARUM der Universität Tübingen und das Exzellenzcluster Werner Reichardt Centre for Integrative Neuroscience (CIN) am Freitag, den 19. November ein neues Veranstaltungsformat. Präsentiert wird ein öffentliches Zwiegespräch zwischen dem Neuroästhetiker Semir Zeki und dem Bildwissenschaftler Hans Belting zum Thema Was sind ästhetische Empfindungen? Forum Scientiarum und CIN bringen mit diesem Start einer jährlich geplanten Veranstaltungsreihe eine neue Plattform von interdisziplinärem Austausch zwischen Neurowissenschaften und Geistes- und Sozialwissenschaften auf den Weg. Beide universitäre Einrichtungen bemühen sich um den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern dieser unterschiedlichen Disziplinen, um durch integrative Betrachtungsweisen einen wesentlichen Fortschritt in der Forschung zu ermöglichen.

Der CIN Dialog 2010 bringt herausragende Wissenschaftler der Neuroästhetik einerseits und der Kunst- und Bildwissenschaft andererseits miteinander ins Gespräch: Semir Zeki, der den ersten Lehrstuhl für Neuroästhetik am University College London innehat, und Hans Belting, emeritierter Professor für Kunstwissenschaft und Mediengeschichte an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Moderiert wird das Gespräch von dem Wissenschaftsjournalisten Gert Scobel.

Zeit: Freitag, 19. November 2010, 18.15 Uhr
Ort: Universität Tübingen, Kupferbau, Hörsaal 25 (Hölderlinstr. 5)

Mit Fragen der Wahrnehmung beschäftigen sich seit jeher nicht nur Psychologen und Neurobiologen, sondern genauso Kulturwissenschaftler und Philosophen. Wahrnehmung ist einerseits als ein neurophysiologischer Prozess beschreibbar, hängt jedoch andererseits wesentlich vom individuellen und historischen Vorwissen sowie der soziokulturellen Prägung ab und wandelt sich zudem im Laufe der Geschichte. Ästhetische Empfindungen galten dagegen bislang

weitgehend als alleinige Domäne der Kunstwissenschaft. Seit wenigen Jahren wird aber auch deren Deutungshoheit von der neurowissenschaftlichen Forschung herausgefordert. In der recht jungen Disziplin der Neuroästhetik werden die alten Fragen nach dem Wesen der Kunst und des Schönen mit den Instrumentarien neurowissenschaftlicher Forschung von neuem zu beantworten versucht. Vordringliches Ziel der neuroästhetischen Forschung ist die Entschlüsselung der visuellen Grammatik, auf der die Kunstwahrnehmung beruht.

Kontakt:
Dr. Niels Weidtmann
Universität Tübingen
Wissenschaftlicher Leiter des
Forum Scientiarum
Doblerstr. 33
72074 Tübingen
Telefon: +49 7071 40716-12
http://niels.weidtmann[at]fsci.uni-tuebingen.de

Dr. Petra Heymann
Universität Tübingen
Wissenschaftliche Koordinatorin des
Centrum für Integrative Neurowissenschaften
Paul-Ehrlich-Str. 17
72076 Tübingen
Telefon: +49 7071 29-89184
http://petra.heymann[at]cin.uni.tuebingen.de

Zu den Personen:

Semir Zeki ist Professor für Neurobiologie am renommierten University College London und leitete dort das Welcome Department für Kognitive Neurologie, bevor er im Jahr 2008 ebenso am University College London auf den ersten Lehrstuhl für Neuroästhetik berufen wurde. In seiner Arbeit verbindet Semir Zeki die Hirnforschung mit dem Bereich der Kunst und der ästhetischen Empfindung. Seine jahrzehntelange Forschung auf dem Gebiet der visuellen Kognition brachte ihn dazu, Kunst als eine spezielle Form der Informationsvermittlung zu betrachten. Das Kunstwerk ist laut Zeki derart aufgebaut, dass es die visuelle Informationsverarbeitung im Gehirn widerspiegelt. Jeder Künstler schafft somit unwissentlich Strukturen, welche die Aktivität bestimmter Hirnareale im Betrachter anregen. Eine Auseinandersetzung mit der Kunst aus neurobiologischer Perspektive ist daher keineswegs abwegig, sondern vielmehr geboten. Wichtige Veröffentlichungen: A Vision of the Brain (1993), Inner Vision (1999) und Glanz und Elend des Gehirns. Neurobiologie im Spiegel von Kunst, Musik und Literatur (2010).

Hans Belting ist Professor emeritus für Kunstgeschichte und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Von 2002 bis 2003 hatte Belting den Europäischen Lehrstuhl des Collège de France inne. Dazu kommen mehrere Gastprofessuren, unter anderem an der Harvard University, an der École des Hautes Études in Paris und an der Bibliotheca Hertziana in Rom. Er ist Honorarprofessor an der Universität Heidelberg und Mitglied des Kuratoriums des Museums für Moderne Kunst in Wien. Im Zentrum der Forschung von Hans Belting steht das Bild. Bilder, so Belting, gab es bereits vor der Kunst: als Gegenstände religiöser Verehrung. Mit seiner Bild-Anthropologie begründete Hans Belting eine neue Disziplin kunstwissenschaftlicher Forschung, die das Bild nicht nur als Medium der Kunst, sondern der Welt- und Selbstwahrnehmung überhaupt auffasst. Sowohl die Bildwahrnehmung als auch die Bildproduktion werden dabei unabhängig von deren historischem Rahmen als anthropologische Konstanten untersucht. Wichtige Publikationen: Das Ende der Kunstgeschichte? (1983), Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst (1990), Das Unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst (1998) und Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bild-Wissenschaft (2005).

Gert Scobel gehört zu den renommiertesten Wissenschaftsjournalisten in Deutschland. Bekannt wurde Scobel vor allem durch das ARD-Magazin Kultur Plus und die 3sat-Sendungen Kulturzeit und delta. Seit 2008 moderiert er bei 3sat das Wissenschaftsmagazin scobel. Scobel wurde mit zahlreichen Preisen für seine journalistische Tätigkeit ausgezeichnet, darunter dem begehrten Grimme-Preis. In seiner Tätigkeit als Wissenschaftsjournalist und Moderator steht Gert Scobel seit vielen Jahren für die öffentliche Vermittlung wissenschaftlicher Themen. Dabei gelingt es ihm wie wenigen anderen, wissenschaftliche Sachverhalte verständlich darzustellen, ohne dabei ihre Komplexität zu nivellieren. Neben vielen wissenschaftlichen Themen hat sich Scobel zuletzt mit der Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Religion auseinandergesetzt. In seinem neuen Buch Der Ausweg aus dem Fliegenglas zeigt er, dass sich Glaube und Vernunft nicht gegenseitig ausschließen, sondern durchaus miteinander in Einklang gebracht werden können. Wichtige Veröffentlichungen: Weisheit. Über das, was uns fehlt (2008) und Der Ausweg aus dem Fliegenglas. Wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können (2010).

Das Forum Scientiarum führt am 19. und 20. November zudem einen zweitägigen Workshop zur Thematik durch, bei dem weitere Wissenschaftler aus den Neuro- und Kunstwissenschaften sprechen werden und der auch Nachwuchswissenschaftlern und Studierenden offen steht. Das Programm des Workshops finden Sie unter: <www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de/cin-dialogues. Für den Workshop ist eine Anmeldung erforderlich unter: info[@]fsci.uni-tuebingen.de.>



Die Partner:

Werner Reichardt Centre for Integrative Neuroscience (CIN)

Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Einrichtung der Universität Tübingen und wird im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Mehrere Fakultäten der Universität, das Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, das Hertie Institut für Klinische Hirnforschung, das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung sind Teil des CIN, dessen disziplinübergreifendes Konzept zudem von einer Vielzahl interner und externer Partner unterstützt wird.


FORUM SCIENTIARUM

Das Forum Scientiarum ist eine Zentrale Einrichtung der Universität Tübingen zur Förderung des Dialogs
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