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Clausthaler Altrektor Professor Müller auf Festkolloquium gewürdigt

12.11.2010 - (idw) Technische Universität Clausthal

Clausthal-Zellerfeld. Er war über zwei Amtszeiten Rektor der TU Clausthal, ist Ehrensenator der Universität, hat 25 Jahre das Institut für Mineralogie und Mineralische Rohstoffe sowie kurzzeitig das Studentenwerk geleitet: Mit einem Festkolloquium in der Aula zu seinem 80. Geburtstag ist das Wirken von Professor Dr. Georg Müller gewürdigt worden. Universitätspräsident Professor Thomas Hanschke umriss zu Beginn vor 100 Gästen den bemerkenswerten Lebensweg des Altrektors: Geboren 1930 im Brandenburgischen, geriet Georg Müller 1945 in die Abwehrkämpfe um Berlin und wurde verwundet. Die Rote Armee verschleppte ihn nach Sibirien. Nach zwei Jahren Kriegsgefangenschaft und acht Jahren Zwangsarbeit kehrte er aus der Sowjetunion in den Osten Deutschlands zurück. In der DDR sollte er in Aue im Uran-Bergbau arbeiten, deshalb floh Müller in den Westen des Landes. In der Bundesrepublik meinte es das Schicksal besser mit ihm. In einem Spätheimkehrerlehrgang legte er 1957 in Göttingen das Abitur ab. Es folgten Studium und Promotion an der Universität Göttingen sowie die Habilitation in Kiel. 1970 erhielt der Familienvater einen Ruf an die TU Clausthal auf die Professur für Mineralogie und Petrographie.

Nur 13 Jahre lagen zwischen dem Abitur und der Professur in Clausthal. Die zehn Jugendjahre, die man Ihnen genommen hatte, haben Sie in der akademischen Laufbahn mit beeindruckender Tatkraft und enormer Geradlinigkeit wieder aufgeholt, sagte Professor Hanschke. Von 1985 bis 1996, länger als eine Dekade, brachte sich Professor Müller dann in die Hochschulleitung der TU Clausthal ein, vier Jahre davon als Rektor. In dieser Zeit erreichte die Hochschule mit mehr als 4000 Studierenden einen Höchststand, die kameralistische Buchführung wurde in eine flexible Mittelbewirtschaftung mit kaufmännischer Buchführung umgestellt und die Universität begann damit, Gebäude der Oberharz-Kaserne auf der Tannenhöhe zu übernehmen.

Die Uni verdankt ihnen viel, betonte Professor Daniel Goldmann. Der Prodekan der Fakultät für Energie- und Wirtschaftswissenschaften war einst ein Schüler Professor Müllers. Sie haben den Studierenden, die Ihnen immer wichtig waren, neben der fachlichen Ausbildung auch menschliche Prägung und Zivilcourage vermittelt, so Goldmann.

Auch Internationalität war dem Geehrten stets eine Herzensangelegenheit. Als Beleg dafür hielt Professor Jakob Lamut von der Universität Ljubljana eine Dankesrede. Für die Kooperation zwischen der TU Clausthal und der Uni aus der slowenischen Hauptstadt hat sich Professor Müller 20 Jahre lang engagiert und ist in Ljubljana zum Ehrensenator ernannt worden. Nach der Wende hatte sich der heute 80-Jährige auch in den Aufbau der TU Bergakademie Freiberg eingebracht und erhielt dafür die Ehrendoktorwürde der sächsischen Universität.

Um die TU Clausthal, der Georg Müller seit 40 Jahren verbunden ist, hat sich der Wissenschaftler nicht zuletzt mit Büchern zur Historie der Uni und ihrer Vorläufer verdient gemacht. So sind ein Catalogus Professorum, ein Verzeichnis des Clausthaler Lehrkörpers von 1775 bis 1999 mit wissenschaftlichen Kurzbiographien über rund 550 Dozenten, und die Aufarbeitung der Geschichte der Bergakademie zwischen 1920 und 1945 von ihm geschrieben worden. Aufgrund seiner profunden Kenntnisse um die Geschichte gilt Georg Müller in der Bergstadt als wandelndes Geschichtslexikon der Clausthaler Hochschule.


Rückblickend auf sein eigenes Leben sagte er: Ich habe während meiner langen Gefangenschaft mit unterschiedlichsten Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen. Das hat mir eine Menschenkenntnis vermittelt, die mir im späteren Leben sehr hilfreich gewesen ist. So bin ich mit fast allen Kollegen gut zurechtgekommen. Außerdem bemerkte der Altrektor, dass es nach seiner Heimkehr auch immer Menschen gegeben habe, die ihn gefördert hätten.
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