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Große Fortschritte in der Lebertherapie

19.11.2010 - (idw) Paul-Martini-Stiftung (PMS)

Berlin (PMS). Die Leber ist nach der Haut das zweitgrößte Organ des Menschen und wird doch meist erst beachtet, wenn sie schwer erkrankt ist. Das sagte Prof. Dr. Michael Manns, Medizinische Hochschule Hannover, im Vorfeld des Deutschen Lebertages am 20. November. Erfreulicherweise gibt es aber bei der Therapie vieler Lebererkrankungen große Fortschritte. Darüber diskutieren Experten beim Symposium Innovative Therapien in der Hepatologie der Paul-Martini-Stiftung und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften am 19. und 20. November in Berlin. Manns leitet es gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba von der Universität München. Verschiedene Viren greifen im menschlichen Körper speziell die Leber an. Problematisch sind insbesondere Infektionen mit Hepatitis-B-, C-und D-Viren, weil sie oft nicht ausheilen und über die Jahre zu schwersten Schäden und Krebs führen können. Vorhandene Medikamente können einige Patienten heilen (Hepatitis C) und bei vielen die Virusvermehrung weitgehend unterdrücken (B, C und D), doch etliche Patienten sprechen nicht oder nicht dauerhaft auf sie an. Auf dem Symposium werden neue Medikamente und Therapiestrategien vorgestellt, die in Studien wesentlich verbesserte Ansprechraten gezeigt haben. Dazu zählen mehrere sogenannte direct-acting antivirals (DAAs), die Virusenzyme blockieren. Wie viele Patienten von den Arzneimittel-Fortschritten profitieren, wird auch davon abhängen, wie konsequent Patienten auf diese Viren hin untersucht werden, so Prof. Manns. Da gibt es nicht zuletzt bei Hepatitis D noch Defizite. Jeder Hepatitis-B-Infizierte sollte künftig auch auf Hepatitis D getestet werden!

Auch nicht-infektiöse Lebererkrankungen werden auf dem Symposium behandelt, darunter die nach wie vor sehr rätselhafte primär sklerosierende Cholangitis (PSC). Bei dieser Krankheit entzünden sich ohne erkennbaren Grund die Gallengänge und verhärten durch Narbenbildung. Im Endstadium kann eine Lebertransplantation erforderlich werden. Auf dem Symposium berichtet Prof. Dr. Michael Trauner, Medizinische Universität Wien, aber von vorklinischen und geplanten klinischen Studien mit Nor-Ursodeoxycholsäure. Dieser Wirkstoff kann möglicherweise die Krankheit nachhaltig bessern.

Arzneimittelsicherheit ist ein weiteres Thema des Symposiums. Medikamente, die gegen Krankheiten ganz anderer Organe eingenommen werden, können bei manchen Menschen Leberzellen schädigen. Dieses Phänomen ist bis heute der häufigste Grund dafür, dass die ansonsten aussichtsreiche Entwicklung eines neuen Medikaments aufgegeben oder ein bereits zugelassenes Medikament vom Markt genommen werden muss. Es fehlen Testverfahren, mit denen sich die Lebergefährlichkeit eines Medikaments in frühen Entwicklungsstadien zuverlässig vorhersagen lässt oder mit denen sich diejenigen Patienten vorab identifizieren lassen, denen durch einen Wirkstoff ein Leberschaden droht. Letztlich liege dies daran, dass der Leberstoffwechsel hochkomplex ist und die Lebertoxizität bei Mensch und Tier bis heute noch nicht vollständig verstanden ist so die Analyse von Prof. Dr. Gerhard G. Steinmann vom forschenden Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim. Inzwischen gibt es aber internationale Initiativen von Zulassungsstellen, wissenschaftlichen Gesellschaften und Pharmafirmen, die bereits Fortschritte beim Schutz von Patienten vor Leberschäden erzielt haben.

Das Symposium soll auch die Diskussion zwischen Universitäten und Industrie intensivieren, erläutert Prof. Scriba. Sowohl bei der Grundlagen-, als auch der klinischen Forschung zu Lebererkrankungen gibt es exzellente Beispiele für eine fruchtbare Kooperation zwischen universitärer und industrieller Forschung. Es ist zu hoffen, dass sich solche Kooperationen auch zu solchen Lebererkrankungen formieren, die bislang noch kaum therapierbar sind.

Die Paul-Martini-Stiftung
Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, der als Verband derzeit 45 forschende Pharma-Unternehmen vertritt.

Die Nationalakademie Leopoldina
Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ist Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften. Sie bringt exzellente Wissenschaftler zusammen, die Politik und Gesellschaft in relevanten wissenschaftlichen Fragen beraten. Hierfür greift sie Themen auf und erarbeitet dazu, unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Interessen, wissenschaftsbasierte Expertisen. Mit dem Ziel, Zukunft zu gestalten, bringt sie diese zum Wohl der Gesellschaft in den nationalen und internationalen politisch-gesellschaftlichen Diskurs ein.

Die Leopoldina vertritt Deutschland in internationalen Akademien¬gremien und pflegt Kontakte zu nationalen wissenschaftlichen Akademien. Durch Meetings, Symposien und Vorträge fördert sie den Austausch mit der Öffentlichkeit sowie unter Forscherinnen und Forschern. Sie unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs, verleiht Auszeichnungen sowie Preise. Die Leopoldina unterhält ein Archiv und eine Bibliothek. Weitere Informationen: http://www.paul-martini-stiftung.de
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