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Europäischer Forschungsrat bewilligt Millionenprojekt an der Universität Hamburg

24.11.2010 - (idw) Universität Hamburg

Psychologie-Professorin erforscht menschliches Gehirn Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat für ein Forschungsvorhaben an der Universität Hamburg zur Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns rund 2,4 Millionen Euro bewilligt. Das Projekt beginnt offiziell am 1. Dezember 2010. Der ERC ehrt damit zugleich die bisherigen wissenschaftlichen Leistungen von Prof. Dr. Brigitte Röder, Leiterin des Arbeitsbereichs Biologische Psychologie und Neuropsychologie, Universität Hamburg. Die Fördermittel stammen aus dem ERC-Förderprogramm Advanced Investigators Grant in der Kategorie Sozial- und Geisteswissenschaften und werden für fünf Jahre vergeben.

Insgesamt hatten sich in dieser Kategorie weltweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit 335 Projekten beworben. 43 erhalten eine Förderung, darunter 5 Projekte an deutschen Universitäten. Zielgruppe des ERC Advanced Investigator Grant sind exzellente Forschende, die in ihrem Forschungsfeld bereits etabliert sind. Bei der Auswahl entscheidet das innovative Potential der Projekte. Nationalität und Fachgebiet der Forschenden spielen keine Rolle. Der Altersdurchschnitt der Geförderten in allen Kategorien beträgt 53 Jahre, der Frauenanteil liegt bei rund 15 Prozent.

Der Advanced Grant ging seit Start des Programms 2007 durch die Europäische Union bereits an zwei Wissenschaftler der Universität Hamburg. Auch für das dazugehörige Nachwuchs-Förderprogramm ERC Starting Independent Researcher Grant qualifizierten sich in den Vorjahren zwei Wissenschaftlerinnen und ein Wissenschaftler der Universität.

Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen:

Unsere Universität hat in diesem harten internationalen Wettbewerb erneut überzeugt. Die hoch dotierte und anerkannte Auszeichnung des Europäischen Forschungsrats (ERC) fördert ausschließlich visionäre Wissenschaftspioniere, die mit ihren Projekten Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung aufheben. Das Projekt von Prof. Dr. Röder ist auch deshalb so bedeutend, weil es wissenschaftliche Antworten auf eine der Kernfragen unserer heutigen Gesellschaft gibt: Welche Bedingungen müssen wir schaffen, um Menschen ein lebenslanges Lernen zu ermöglichen?

Kritische Gehirnveränderungen (CriticalBrainChanges) lautet der Kurztitel des Projekts Development and plasticity of multisensory functions to study the principles of age dependent learning plasticity in humans. CriticalBrainChanges untersucht die entscheidenden, also kritischen, Veränderungen in der Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns im Laufe der Entwicklung: Wieso ist das Gehirn in seinen Entwicklungsphasen unterschiedlich lern- und anpassungsfähig? Welchen Einfluss haben Erfahrungen in früher Kindheit auf die Grenzen der Lernfähigkeit des erwachsenen Menschen? Anders gesagt: Wie muss gelernt werden, damit die Anpassungs- und Lernfähigkeit des erwachsenen Gehirns erhöht wird?

Im Projekt CriticalBrainChanges stehen u. a. Personen im Mittelpunkt, die blind geboren wurden und zu einem späteren Zeitpunkt die Sehfähigkeit erhalten haben, z. B. nach Entfernen eines angeborenen grauen Stars (eine sogenannte Katarakt). Außerdem beteiligen sich an der Forschung gehörlose Personen, die mit einer Hörprothese (einem sogenannten Cochlea Implantat) versorgt wurden. Anhand beider Gruppen wird untersucht, wie sich Wahrnehmungsleistungen entwickeln und verbessern und welche neuronalen Prozesse dem zugrunde liegen. Außerdem wird überprüft, ob Menschen durch spezifische Trainings nach einer Operation Sinnesfunktionen wie Sehen und Hören nachträglich erlernen können.

Ein weiterer Aspekt der Untersuchungen ist die Zusammenarbeit der Sinne. Da über die Entwicklung dieser sogenannten multisensorischen Prozesse wenig bekannt ist, wird diese parallel bei Kindern im Alter zwischen einem halben Jahr und zwölf Jahren erforscht.

Prof. Dr. Brigitte Röder:

Wir wollen verstehen, wie frühkindliche Lernmöglichkeiten die Lernfähigkeit im späteren Leben bestimmen und wie sich die Anpassungsfähigkeit des Gehirns von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter verändert. Nur so können gezielt optimale Lernkontexte für Kinder und Erwachsene geschaffen und effiziente therapeutische Maßnahmen für Personen mit sensorischen Beeinträchtigungen oder Verletzungen des Zentralnervensystems abgeleitet werden.

Wichtige Projektpartner sind der von der Landesexzellenzinitiative Hamburg (LEXI) geförderte Forschungscluster neurodapt! und das Hamburg Center of NeuroScience (HCNS). Das HCNS vernetzt die neurowissenschaftlichen Aktivitäten im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und arbeitet mit neurowissenschaftlichen Instituten der Universität Hamburg zusammen.

Zur Person

Brigitte Röder ist seit 2003 Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg mit Zweitmitgliedschaft an der Medizinischen Fakultät. Zuvor war sie Nachwuchsgruppenleiterin im Emmy Noether Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Fachbereich Psychologie der Philipps Universität Marburg. Sie ist seit 2007 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und seit 2008 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Unterstützung

Die Forscherinnen und Forscher sind für das Gelingen des Projekts auf das Mitwirken vieler Menschen angewiesen. Die Arbeitsgruppen um Professorin Röder suchen daher laufend Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre Studien. In der Regel erhalten Teilnehmende eine geringe Aufwandsentschädigung. Kontakt: Erwachsene: sybille.roeper@uni-hamburg.de und 040-428 38-3220; Kinder und Jugendliche: babylab.psych@uni-hamburg.de sowie 040-428 38-5835.


Mehr Informationen

http://www.bpn.uni-hamburg.de
http://www.nks-erc.de

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Brigitte Röder
Universität Hamburg
Leiterin des Arbeitsbereichs Biologische Psychologie und Neuropsychologie
Tel.: 040-4 28 38-32 51 (Sekretariat: -47 23)
E-Mail: brigitte.roeder@uni-hamburg.de

Bitte wenden Sie sich mit Anfragen bis Freitag zunächst an das Sekretariat. Professorin Röder ist auf Dienstreise und spätestens am Montag, 29. November 2010, wieder zu erreichen.
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