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Ablehnung der geplanten Wiedereinführung des Diplom in Mecklenburg-Vorpommern

25.11.2010 - (idw) Hochschule Neubrandenburg

"Die Absicht der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, im Rahmen des aktuellen Gesetzgebungsverfahrens zur Novellierung des Landeshochschulgesetzes den akademischen Grad des Diploms wieder auferstehen zu lassen, lehnen die Präsidenten und Rektoren der Fachhochschulen in der HRK ab", erklärt Prof. Micha Teuscher, HRK-Vizepräsident und Sprecher der Mitgliedergruppe Fachhochschulen in der HRK und verweist auf die dazu veröffentlichte Stellungnahme ihrer jährlich stattfindenden Arbeitstagung vor wenigen Tagen. Die SPD und die CDU des Landtages Mecklenburg-Vorpommern (M-V) wollen diese Entscheidung am Donnerstag in einer außerordentlichen Sitzung des Bildungsausschusses festlegen und damit das Signal für die Änderung im neuen Landeshochschulgesetz auf Grün stellen. "Dieses Vorhaben stiftet national wie international Verwirrung und stellt die in Deutschland grundsätzlich anerkannte Bologna-Reform wieder in Frage, zumal diese Thematik im Rahmen der Einführung von Bachelor und Master abgeschlossen war. Diese Entscheidung soll im Bildungsausschuss des Landtages ohne Anhörung der Hochschulen durchgesetzt werden, zumal sie in M-V jährlich nur rund 700 Absolventinnen und Absolventen in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen betrifft. Im Jahr 2009 haben 176 UniversitätsabsolventInnen und 537 FachhochschulabsolventInnen ihr ingenieurwissenschaftliches Studium abgeschlossen.

Es ist völlig inakzeptabel, dass ausgehend von diesem kleinen Kreis der Betroffenen ein derartig gravierender Einschnitt in den europaweiten Bologna-Prozess vollzogen werden soll. Das stellt die Qualifikationsziele der europäischen Studienreform in Frage. Die Wiedereinführung des Dipl-Ing. wird auch andere Fachdisziplinen und ihre Berufsorganisationen in ihren Forderungen stärken, z. B. den Dipl.-Kaufm. oder Dipl.-Psych. als Abschlussbezeichnung wieder vergeben zu können."

Fest stehe, so Prof. Micha Teuscher, dass ein Qualitätsversprechen, das im Ausland mit "German Engineering" verbunden wird, keinesfalls abhängig vom Titel Diplom oder der Bezeichnung des Abschlusses ist. Die hohe Qualität der deutschen Ingenieurausbildung sorgt dafür, dass auch die neuen Abschlüsse Bachelor und Master der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge weltweit die gleiche Anerkennung genießen. Die Vorstellung, das Diplom in M-V zu erhalten und künftig den Absolventen von Masterstudiengängen auf Antrag auch ein Diplomzeugnis auszustellen, würde auch den ersten akademischen Studienabschluss "Bachelor of Engineering" abwerten. Nach Ablehnung anderer Initiativen, zum Beispiel aus Baden-Württemberg, durch die Kultusministerkonferenz würde dieser Alleingang im Land M-V zwangsläufig zu einer Insellösung in der deutschen Hochschullandschaft führen, die nicht im Interesse der Hochschulen im Land sein könne.

"Als Vizepräsident der HRK, Sprecher der Mitgliedergruppe der Fachhochschulen in der HRK und Sprecher der Hochschulen des Landes M-V fordere ich die Politiker des Landes auf, sich nicht für dieses Vorhaben einzusetzen, sondern die Fortführung des Bologna-Prozesses auf höchstem Niveau zu unterstützen.", so Micha Teuscher abschließend.

Prof. Dr. Micha Teuscher,
Telefon: 0395 5693 101
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