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Gründungspräsident der Universität Passau Professor Dr. Karl-Heinz Pollok verstorben

26.07.2003 - (idw) Universität Passau

Die Universität Passau trauert um ihren ehemaligen Präsidenten und Altrektor Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Karl-Heinz Pollok: Nach längerer Krankheit ist Professor Pollok am 24. Juli 2003 im Alter von knapp 74 Jahren verstorben. Mit Professor Pollok verliert die Universität ihren Gründungspräsidenten, der in seiner 21-jährigen Amtszeit die Universität maßgeblich geprägt hat.


Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Karl-Heinz Pollok "Die internationale Ausrichtung der Universität - insbesondere im mittel- und osteuropäischen Bereich - ist wesentlich der Verdienst meines Vorgängers", so Uni-Rektor Prof. Dr. Walter Schweitzer. "Mit Professor Pollok verliere ich einen väterlichen Freund, der mich in zahlreichen vertrauensvollen Gesprächen bei schwierigen Entscheidungssituationen beraten und durch die entsprechenden Hintergrundinformationen die Kontinuität in der Leitung der Universität gesichert hat", so Schweitzer weiter. Als fremdsprachenbegeisterter Slawist begründete Pollok die erste internationale Partnerschaft mit der Universität Prag. Auf seine Initiative hin werden in Kooperation mit der Universität Passau deutschsprachige Studiengänge an den Universitäten in Moskau und Budapest angeboten. Mit der Aufnahme des Lehrbetriebs an der Universität Passau im Jahr 1978 wurde die "Fachspezifische Fremdsprachenausbildung" für Wirtschaftswissenschaftler und Juristen angeboten - dieses Angebot ist heute noch ein profilbildendes Element der Universität. Dieses Angebot machte die Universität Passau an zu einem attraktiven Hochschulstandort weit über Bayern hinaus. So kamen von Beginn an Studierende aus der ganzen Bundesrepublik nach Passau. Später wurde unter maßgeblicher Mitwirkung Polloks der damals bundesweit einzigartige Diplom-Studiengang "Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien" ("Kulturwirt") eingeführt. Als Geisteswissenschaftler setzte sich Pollok auch für die Gründung der Fakultät für Mathematik und Informatik ein, mit der die Universität die Brücke zu den Naturwissenschaften geschlagen hat.
Professor Karl-Heinz Pollok wurde am 22. August 1929 in Gera geboren. Nach dem Abitur, das er 1948 in Gera ablegte, studierte er von 1948 bis 1955 an den Universitäten Jena, Berlin und Göttingen Slavische Philologie, Orientalistik, Osteuropäische Geschichte und Anglistik. 1955 wurde er durch die Philosophische Fakultät der Universität Göttingen mit einer Dissertation über ein sprachwissenschaftliches Thema aus dem Bereich des Serbokroatischen promoviert ("Der neustokavische Akzent und die Struktur der Melodiegestalt"). In den Jahren von 1955 bis 1963 war er zunächst Lektor und Lehrbeauftragter, später Wissenschaftlicher Assistent am Slavischen Seminar der Universität Göttingen. 1963 habilitierte er sich an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über Fragen der balkanslavischen Volksdichtung und Kulturgeschichte ("Studien zur Poetik und Komposition des balkanslavischen lyrischen Volksliedes. 1. Das Liebeslied"). Von 1963 bis 1966 war er Universitätsdozent für Slavische Philologie an der Universität Göttingen. 1967 wurde er als ordentlicher Professor für Slavische Philologie an die Universität Regensburg berufen. Die Schwerpunkte seiner Forschung und Veröffentlichungen liegen im Bereich der balkanslavischen und russischen Volksdichtung, des serbokroatischen Akzentsystems, der altrussischen Sprache und Literatur, der russischen Lexik und der west- und südslavischen Literaturgeschichte. Professor Pollok war von 1968 bis 1971 Rektor und in den Jahren 1967/68 sowie 1971/72 und 1975/76 Prorektor der Universität Regensburg. Von 1971 bis 1976 war er Vorsitzender der Bayerischen Hochschulplanungskommission beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und von 1974 bis 1976 Vorsitzender des Strukturbeirates für die Universität Passau. 1976 wurde Professor Pollok Gründungspräsident der damals im Aufbau befindlichen Universität Passau. Das Amt des Präsidenten bzw. des Rektors übte Pollok bis 1997 aus. Professor Pollok war Korrespondierendes Mitglied der Académie des Sciences, Inscriptions et Belles-Lettres de Toulouse, Classe des Belles-Lettres, des Präsidiums und des Wissenschaftlichen Beirats der Südosteuropa-Gesellschaft, Mitglied des Kuratoriums des Osteuropainstituts, München, sowie des Kuratoriums der Europäischen Akademie in Bayern; außerdem wirkte er im Strukturbeirat für die Universität Bayreuth und im Strukturbeirat für die Universität Bamberg mit; er war Vorsitzender des Neuburger Gesprächskreises Wissenschaft und Praxis an der Universität Passau; er war Mitglied des Vorstandes des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und vertrat die Hochschulen der Bundesrepublik in der deutsch-österreichischen Äquivalenzkommission und im europäischen Ausschuss für das ERASMUS-Programm in Brüssel; außerdem war er Mitglied des Ordensbeirates für den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst sowie Vertreter der bayerischen Universitäten im wissenschaftlichen Beirat der Arbeitsgemeinschaft der Universitäten des Alpen-Adria-Raumes.
In den Jahren 1994 bis 1996 war Professor Pollok Vorsitzender der Bayerischen Rektorenkonferenz, seit 1999 Vorsitzender des Hochschulrats der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Vorsitzender des Hochschulrats der Universität Würzburg.
Professor Dr. Karl-Heinz Pollok erhielt zahlreiche Auszeichnungen: 1972 wurde ihm der Bayerische Verdienstorden verliehen, 1981 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1983 die Bürgermedaille der Stadt Passau. 1986 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, im Jahr 1987 die Bayerische Verdienstmedaille in Silber, 1990 das Große Bundesverdienstkreuz. Im Jahr 1990 wurde ihm die Medaille für besondere Verdienste in Bayern um ein Vereinigtes Europa verliehen, 1993 die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft, 1997 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Passau ernannt.
Professor Pollok hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, 28. Juli um 15.30 Uhr auf dem Friedhof St. Korona in Passau-Hacklberg statt. Anstelle von Blumen und Kränzen möge auf Wunsch des Verstorbenen das Sozialwerk der Christengemeinschaft in Bayern bedacht werden (Konto-Nummer 6060727277 bei der HypoVereinsbank, BLZ 700 202 70).

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Passau, Tel. 0851/509-1430, E-Mail: thoralf.dietz@uni-passau.de, Mobil 0151/116 315 52.

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